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Hameln fällt es schwer, Geldgeber bei der Stange zu halten / Griese wünscht sich „mehr Mut“ von der Politik

Zu viele Hürden für Investoren?

Hameln. Hameln und die Investoren – eine Beziehung, die nicht immer von Erfolg geprägt ist. Ob Werder-Bebauung, Hochzeitshaus, „Wienerwald“ oder nun das Britenkino: Immer wieder gab es Probleme, wenn Geldgeber Ideen für die Stadt vorschlagen. Warum fällt es Hameln so schwer, Investoren bei der Stange zu halten?

veröffentlicht am 19.04.2016 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:46 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Hameln. Hameln und die Investoren – eine Beziehung, die nicht immer von Erfolg geprägt ist. Ob Werder-Bebauung, das Hochzeitshaus, das ehemalige „Wienerwald“-Restaurant oder nun das Britenkino: Immer wieder gab und gibt es Probleme, wenn finanzstarke Geldgeber Ideen für die Weserstadt vorschlagen. Häufig schon endeten die Pläne damit, dass sich die potenziellen Finanziers nach einiger Zeit enttäuscht zurückzogen. Die Gründe mögen vielfältig gewesen sein, aber die Frage bleibt gleich: Warum fällt es Hameln so schwer, Investoren bei der Stange zu halten?

Auch Oberbürgermeister Claudio Griese beschäftigt dieses Thema. „Man muss sich überlegen, ob Hameln bereit ist, sich investorenfreundlich zu zeigen“, sagte er kürzlich in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Er wünsche sich manches Mal „mehr Mut von der Politik“, wenn es um potenzielle Geldgeber in der Stadt gehe. „Wir haben viele Anfragen von Investoren, die bereit sind, hier in Hameln – auch in der Innenstadt – zu investieren. Ich glaube, es täte der Stadt gut, da auch mal etwas möglich zu machen. Um zu zeigen: Ja, auch wir wollen, dass Menschen, die bereit sind in ein finanzielles Risiko zu gehen, eine Chance erhalten. Das vermisse ich mitunter im Stadtrat“, sagt Griese.

Das Verhalten der Lokalpolitik beim angestrebten Verkauf des ehemaligen Wienerwald-Areals im Vorjahr sei „leider ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Investoren umgeht“, meint der Oberbürgermeister. „Indem man sie nämlich derart behandelt, dass sie schlussendlich einen Rückzieher machen.“ Auf dem Gelände am 164er Ring wollte der Unternehmer und Steuerberater Fritz-Eckhard Sticher ein Wohn- und Geschäftsgebäude errichten. Anfang Oktober machte er aber einen Rückzieher. Ihm fehlte der politische Rückhalt.

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Der Verkauf der Immobilie war schon einmal gescheitert. Bereits im Oktober 2014 war der Baustoffunternehmer Klaus-Peter Othmer von seinen konkreten Plänen für ein Restaurant nebst Biergarten auf dem Gelände am Bürgergarten abgerückt. Uneinig waren sich Stadt und Investor damals etwa beim Thema Parkplätze.

Aber noch einmal zurück zu Sticher und seinen Bauplänen. 2012 wollte er schon einmal an einem prominenten Standort für viel Geld Neues schaffen. Damals plante er, Wohn- und Geschäftsgebäude in moderner Architektur auf dem Werder zu errichten. Nach deutlicher Kritik aus Politik und Bürgerschaft warf er das Handtuch. Dazu sagt Griese: „Was eine Werder-Bebauung betrifft, muss man sagen: Es gab drei Entwürfe. Der zweite war passend. Das war auch ein politischer Konsens, der gefunden wurde. Er kam dann nicht zum tragen, weil der Investor eine Änderung vorgenommen hat, die mit der Politik nicht abgestimmt war.“ Angesichts der Befindlichkeiten habe er nicht nachvollziehen können, warum der Entwurf so ins Verfahren gegeben wurde. „Denn damit war klar, dass es schwierig werden würde“, sagt Griese.

Der Steuerberater selbst sieht das Problem hingegen „in erster Linie“ bei der Politik. Es fehle an „starken Persönlichkeiten“ im Stadtrat, meint Sticher. „Früher gab es Fraktionsvorsitzende, wenn man mit denen klarkam, war viel möglich.“ Seiner Ansicht nach verstehe sich die Politik zu wenig mit der Verwaltung; auch weil die Verantwortlichen im Rathaus „nicht gut vernetzt“ seien. „Früher war der Stadtbaurat eine Institution“, meint Sticher – ein kleiner Seitenhieb in Richtung Hermann Aden.

Ein anderes Problem ist für den Unternehmer das politische Prozedere. „Es dauert zu lange und es wird immer nur geredet“, sagt er. Politik und Verwaltung arbeiteten oft monatelang an einem Kompromiss, statt zu handeln. „Man sollte nicht immer überlegen, ob es allen gefällt. Sonst klappt es nie“, sagt Sticher. Den Lokalpolitikern empfiehlt er, „einmal aus Hameln rauszufahren und sich in anderen Städten anzuschauen, was alles möglich ist“. Ein Beispiel nennt Sticher auch: das Hochzeitshaus, das seit fast neun Jahren leersteht. „Da sollte die Stadt Mut zeigen und moderne Elemente zulassen“, sagt der Hamelner. Für das entkernte Gebäude in der Innenstadt gab es schon öfters Ideen. 2011 waren die Pläne bereits einmal sehr konkret. Damals führte die Stadt Gespräche mit der Celona Gastro GmbH über die Eröffnung einer Filiale im Hochzeitshaus. „Mindestens 2,5 Millionen Euro“ wollte das Oldenburger Unternehmen in den Umbau stecken. Das Projekt scheiterte, weil ein Glasvorbau an dem historischen Gebäude nur schwer mit dem Denkmalschutz vereinbar war. Der Investor zog sich zurück – auch aufgrund von Widerstand aus Bevölkerung und Politik.

Nun geht es um das ehemalige britische „Flix“-Kino auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne. Vasco Hexel möchte es wiederbeleben. Diesmal erschwert der Landkreis die Pläne. Die Stadt macht indes Fortschritte. Am 13. Mai trifft sich Vasco Hexel mit Griese. Der Geldgeber hofft, dem Oberbürgermeister dann „schon recht ausgefeilte Entwürfe“ vorzeigen zu können. Und noch zwei weitere Projekte könnten demnächst auf der politischen Tagesordnung landen: der Um- und Neubau des Kampffmeyer-Industriekomplexes an der Weser sowie die geplante Strandbar am Stockhof.

Es bleibt also weiter spannend mit Hameln und den Investoren.

INFO: "Etwas ruhiger und taktisch klüger agieren"

Das Sprachrohr der regionalen Wirtschaft – und damit auch zahlreicher potenzieller Investoren – rät, differenziert auf das Thema zu blicken. So bewertet der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im Weserbergland (AdU), Jürgen Lohmann, zum einen die inhaltliche Qualität bei der Suche, Begleitung und Unterstützung von Investoren unterschiedlich und sieht zugleich auch regionale Unterschiede. Lohmann: „Eine pauschale Schelte lasse ich nicht gelten. Wir müssen alle miteinander differenzierter auf das Thema blicken.“ Schaue man ins Weserbergland, so sehe man, dass es in Schaumburg sehr prosperierende Orte gebe, sich die Lage in Hameln schon deutlich gebessert habe und man sich in Holzminden eher schwer tue bei der Investorensuche.

Lohmann führt aus: „Es gibt Orte, die sind sehr intensiv um Investoren bemüht, zum Beispiel Lauenau. Aber auch in Hameln tut sich etwas. So läuft zum Beispiel das Gewerbegebiet Hottenbergsfeld langsam voll, da ist Hameln deutlich besser geworden.“ Zum Zusammenspiel von Investoren mit der Stadt Hameln rät der AdU-Chef: „An mancher Stelle wäre es besser für Investoren, Politiker und die Verwaltungen, eher etwas ruhiger und taktisch klüger zu agieren, als es bisher manchmal geschehen ist.“TT



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