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Gestern im Kunstkreis: Schätzchen werden geschätzt

Zu dieser Sprechstunde kommen manche in Öl

Hameln. Jobst Lohmann scheint ein Optimist zu sein: „Wir kommen arm hier rein und gehen reich wieder raus“, sagt der Hamelner scherzhaft zu seiner Gattin Ulrike. Beide sitzen gespannt vor Dr. Silke Köhn, vor ihnen auf dem Tisch ein Ölbild mit einer winterlichen Landschaft. Es ist „Sprechstunde“ im Kunstkreis. Denn dort begutachtet sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Oliver Gradel, was Interessenten als vermeintliche oder tatsächliche Schätze aus Keller oder Dachboden mitbringen.

veröffentlicht am 08.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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Die Kunsthistoriker arbeiten für Museum und Ausstellung und als Fachautoren. 2002 gründeten sie als zweites Standbein, damals noch in Düsseldorf, ein Sachverständigenunternehmen für Kunstdienstleistungen, das sich der Kunst- und Antiquitätenberatung widmet. Seit vier Jahren sind sie mit ihrem Unternehmen in Beverungen ansässig.

Oft sind es Ältere, die sich um Rat und Auskunft an die Sachverständigen wenden. Sie möchten das, was sich im Laufe eines Lebens angesammelt hat, ordnen und wissen, wie mit wertvollen und vielleicht nicht ganz so wertvollen Stücken zu verfahren ist, beispielsweise, wenn ein Umzug ins Seniorenheim bevorsteht oder wenn für eine gerechte Erbteilung gesorgt werden soll. Auch für Gutachten und Inventare, in Versicherungs- und Restaurierungsfragen oder wenn etwas verkauft werden soll, stehen sie zur Verfügung. Außerdem erhält der Besucher eine Einschätzung zum Versicherungs- oder Verkehrswert.

Ihr Bild, das mit Poul Hansen signiert ist, haben die Lohmanns vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt entdeckt und für kleines Geld gekauft – „vielleicht so für 100 Euro“, glaubt Ulrike Lohmann. Aber das ganz große Geschäft lässt sich damit wohl nicht machen: „Das ist ein dänischer Sammelname, der lässt sich schwer mit einem berühmten Künstler in Verbindung bringen“, glaubt die Gutachterin. Sie schätzt das Gemälde auf etwa 50 bis 60 Jahre – „typisch für die Nachkriegszeit, die Stimmung noch etwas trüb“, sagt sie. Immerhin – 200 bis 300 Euro könne es wert sein.

„Airport-Kunst“ – Dr. Oliver Gradel begutachtet eine Vase, die von einem Basar aus Istanbul stammt. Fotos: Wal

Jetzt zieht Ulrike Lohmann eine kleine, angeschmutzte Vase aus der Tasche, in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einem Basar in Istanbul erstanden. „Sieht aus wie ein antiker Bodenfund“, lautet der erste Kommentar. Denn durch chemische Prozesse, die im Erdreich ablaufen, wird Glas milchig. Sie arbeite viel im Garten und entdecke selbst auch oft etwas, verrät die Kunsthistorikerin und stellt fest, dass die Vase nicht maschinell hergestellt worden ist. Andererseits: „Es gibt Firmen, die fertigen solche Gegenstände nachantiken Vorbildern an. Weil die bei Touristen sehr beliebt sind, werden sie auch ,Airport-Kunst’ genannt“, ergänzt Gradel nach eingehender Begutachtung; vielleicht würde es aber einige Hundert Euro wert sein. Dass das Stück wirklich antik ist, glaubt auch er nicht – „dazu ist es viel zu gut erhalten“. Aber: „Das ist eine nette Geschichte. Machen Sie die Vase doch einfach sauber“, rät Köhn.

Beide Experten haben an diesem Tag noch viel zu tun – der Kunstkreis wurde buchstäblich überrannt von Menschen, die ihre „Schätzchen“ schätzen lassen wollten, so gut kam die Idee mit der Kunstsprechstunde an. Köhn: „Wir hatten über 100 Anrufe.“ Und weil das entschieden mehr ist, als das Team bewältigen konnte, wurde zwar die Beratungszeit pro Person schon von 30 auf 20 Minuten reduziert, doch das allein reichte immer noch nicht. Deshalb wurde gestern entschieden, zwei weitere Beratungstermine anzubieten: Der erste findet am 25. Januar nächsten Jahres statt, der nächste einen Monat später (der genaue Tag wird noch festgelegt). Interessenten können sich schon jetzt für diese Sprechstunde anmelden unter der Telefonnummer 05273/366121.

Arm gekommen und reich gegangen? Nicht ganz, aber das Ehepaar Lohmann und Expertin Dr. Silke Köhn haben Spaß an der Kunst-Sprechstunde.



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