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Junger Syrer aus Hameln leidet an schwerer Bluterkrankheit

Ziwar (10) braucht Hilfe

HAMELN. Ziwar Cheikho lebt seit 2012 in Hameln. Der Zehnjährige ist schwer erkrankt, Medikamente helfen kaum noch. Eine Stammzellenspende ist für den syrischen Flüchtling die einzige Chance. Bislang war die Suche nach einem genetischen Zwilling erfolglos. Am 16. September findet eine Typisierungsaktion für Ziwar statt.

veröffentlicht am 19.08.2016 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:25 Uhr

Seit er zwei Jahre alt ist, leider Ziwar Cheikho an einer schweren Bluterkrankung. Foto: AT/ Archiv

Autor:

Andreas Timphaus

Ziwar Cheikho ist krank – sehr krank. Auch sonst hat der Zehnjährige in seinem jungen Leben schon viel erlebt. 2012 flüchtete sein Vater Ammar (32) mit ihm aus Derbassie in Syrien nach Hameln. Seine Mutter Rojin Meeich (28) und seine Brüder Simaf (9) und Mohammad (8) folgten ihnen zwei Jahre später nach. Bereits während der Flucht hing sein Leben zeitweise am seidenen Faden. Inzwischen lässt sich seine schwere Bluterkrankung – Ziwar leidet an einer Form der autoimmunhämolytischen Anämie – kaum noch medikamentös behandeln. Eine Stammzellenspende ist für ihn die einzige Überlebenschance. Bislang war die Suche nach einem genetischen Zwilling erfolglos. Eine Typisierungsaktion soll nun helfen, doch noch einen Lebensretter zu finden.

Es war der 1. August 2008 – an das Datum kann sich Ammar Cheikho noch genau erinnern. Der Syrer war auf einer Auslandsreise, als er die Nachricht erhielt, dass sein damals zweijähriger Sohn schwer erkrankt sei. Nieren und Leber waren vergrößert, der Junge litt unter Atemnot. Die Ärzte diagnostizierten eine Bluterkrankung, konnten ihm aber nicht wirklich helfen. Zunächst suchte der 32-Jährige in seiner Heimat nach medizinischer Hilfe für seinen Sohn, aber ohne viel Erfolg.

Während des Arabischen Frühlings änderte sich die politische Lage in Syrien dramatisch. Das Volk begehrte gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad auf, seit 2011 tobt ein blutiger Bürgerkrieg. 2012 fasste Ammar Cheikho den Entschluss, mit Ziwar aus seinem Heimatland zu fliehen. Über die Türkei und Griechenland ging es für Vater und Sohn auf einer abenteuerlichen Odyssee nach Deutschland. Schließlich landeten sie in Hameln.

Ammar Cheikho sagt, dass er geflüchtet sei, um medizinische Hilfe für seinen Sohn zu finden. Doch auch sein eigenes Leben war damals in Gefahr. Der Familienvater erzählt, dass er im Frühsommer des Jahres an einer Demonstration gegen das Regime teilgenommen habe. Wenig später sei er festgenommen und im Gefängnis schwer misshandelt und gefoltert worden.

Inzwischen geht Ziwar in die vierte Klasse der Papenschule. Nachmittags ist er oft auf dem Schulhof unterwegs, wo er mit seinen Freunden und Brüdern am liebsten Fußball spielt. Sein Vorbild sei der Argentinier Lionel Messi, sagt er. Auch hinter dem Haus am Ostertorwall, in dem Ziwar mit seiner Familie lebt, sowie im Keller des Gebäudes kicken und bolzen die Kinder manchmal. Sein Freund Egem Özdemir erzählt, dass Ziwar sehr nett sei, sich viel bewege und gerne Cola trinke.

Im Gespräch wirkt der schmale Ziwar, der laut Aussage seines Vaters vor wenigen Wochen nur noch 26 Kilogramm wog, zunächst sehr schüchtern. Mit gesenkten Kopf und zusammengezogenen Schultern sitzt er auf dem großen Sofa im Wohnzimmer – seine Mutter hat ihm extra für den Besuch ein weißes Hemd rausgesucht – und reagiert nur zögerlich und einsilbig auf Fragen. Erst später wird er offener und sagt: „Ich möchte nicht mehr krank sein.“

Ziwar muss täglich eine Reihe unterschiedlicher Medikamente zu sich nehmen, die sein Vater in einer großen Pillenbox aufbewahrt. Dennoch hat er häufig mit Atemnot und Problemen mit dem Magen-Darm-Trakt zu kämpfen. Er ist anfällig für Krankheiten, da sein Körper Infektionen nicht richtig abwehren kann. Die Antibiotika sollen ihnen schützen, aber nicht immer gelingt dies. Laut Aussage von Dr. Claudia Bettoni, der zuständigen Fachärztin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), sei bei Ziwar mittlerweile die maximale Medikamenten-Therapie erreicht. Als letzte Lösung bleibt eine Behandlung mit Stammzellen.

In den Datenbanken konnte bislang kein passender Spender gefunden werden. Auch die Suche im Familienkreis blieb erfolglos. Vor rund neun Monaten hatte sich Ammar Cheikho Geld geliehen und war nach Izmir geflogen. Dort sammelte er von seinen inzwischen in die Türkei geflüchteten Verwandten Speichelproben ein und ließ sie in der MHH testen. Niemand passte.

Im April wandte er sich dann an seine Betreuerin bei der Impuls GmbH, Kerstin Janack. Gemeinsam suchten sie nach einer Lösung. Mit dem Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellen-Register (NKR) fanden sie schließlich einen Partner, um eine große Typisierungsaktion durchführen zu können. Bei Menschen aus dem arabischen Kulturraum ist aufgrund der genetischen Merkmale die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich unter ihnen ein passender Spender findet. Deshalb will Janack gezielt Flüchtlingshelfer und Einrichtungen wie die Volkshochschule ansprechen und zur Teilnahme animieren.

Termin: Die große Typisierungsaktion für Ziwar Cheikho findet am Freitag, 16. September, um 12 Uhr in der Kantine der Impuls GmbH an der Ohsener Straße 106 statt.



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