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Schon mit 200 Euro Energiegenosse

Zins vom Wind – aber noch kein Ansturm

HAMELN. Wer derzeit Geld anlegen möchte, ist angesichts der Niedrigzinsen mit den herkömmlichen Sparanlagen schlecht bedient. Die Beteiligung an einer Windenergieanlage könnte eine Alternative sein, meinen Vertreter der Energie-Genossenschaft Weserbergland.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 16:10 Uhr

Drehen ein großes Rad: Reinhard Pigors, Klaus Arnold und Rainer Sagawe von der Energie-Genossenschaft Weserbergland. FOTO: Dana
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Windige Geschäfte“ sind dem deutschen Sparer ein Gräuel. Er deponiert sein Geld trotz minimaler Zinsen noch immer in großen Summen in den traditionellen Anlagen der Banken und Sparkassen. Dabei müsste beim Blick auf den Wertverlust eigentlich jeder in die Luft gehen, meinen Klaus Arnold und Reinhard Pigors. Sie jedenfalls haben es gemacht – und sind Energiegenossen geworden. Der eine ist ehemaliger Chef der Hamelner Stadtwerke und langjähriger CDU-Politiker, der andere Mathematiker und jetzt Herr über eines der neuen Windräder zwischen Afferde und Hilligsfeld. Beide Pensionäre stecken seit Jahren viel Kraft und Leidenschaft in die Energie-Genossenschaft Weserbergland (Engewe): Arnold als Aufsichtsratsvorsitzender, Pigors gemeinsam mit Rainer Sagawe als Vorstand. 130 Gesellschafter, wie die Genossen heutzutage heißen, hat die Engewe; diese wundern sich, dass es angesichts der positiven Erfahrungen nicht schon viel mehr sind.

„Strom dort zu produzieren, wo er verbraucht wird, ist überaus sinnvoll“, sagt Arnold. Und wenn die Menschen vor Ort davon auch wirtschaftlich profitieren, wenn seriös kalkuliert wird, dann sei es wirklich eine runde Sache. An diesem Geschäft könne sich quasi jeder beteiligen. Denn ein Anteil an der Engewe kostet 200 Euro, bis zu 60 000 Euro können eingebracht werden; das Stimmrecht ist aber für alle gleich. Zudem können die Mitglieder Darlehen bis zum neunfachen ihres Anteils geben. Die Renditechance sei bei geringem Risiko ebenfalls interessant. Die Darlehen haben eine Laufzeit von 20 Jahren; sie können an andere Interessenten übertragen werden, falls das Geld vorzeitig wieder flüssig gemacht werden soll.

Nachdem sich das erste Windrad der Engewe nun beständig dreht und seine Ertragskraft bewiesen hat, suchen die Energiegenossen weitere Gesellschafter. Arnold und Pigors gehen davon aus, dass die eine Million Euro, die sie jetzt in Hameln-Pyrmont einsammeln wollen, schnell gezeichnet sein werden. Mit dem Geld soll die Kreditaufnahme bei der Bank reduziert werden. Um keinen Interessenten mit plakativ großen Zahlen bei allerlei Kleingedrucktem zu verführen, garantiert die Engewe eine Jahresverzinsung von „nur“ 1,0 Prozent. Hinzu kommen aber am Ertrag gekoppelte Sonderzinsen. „Sie werden in mittelguten Windjahren bei 4,0 Prozent liegen“, erklärt Pigors. Die Gewinnausschüttung auf die Anteile werde darüber liegen.

Die Engewe erwartet eine Jahreserzeugung von 7,8 Millionen Kilowattstunden. „Das entspricht drei Vierteln der Wasserkraftanlagen an der Pfortmühle“, vergleicht Arnold. Pigors ist von dem Windrad des Typs Vestas V126 – es hat eine Nabenhöhe von 137 Metern – beeindruckt: „Schon bei einer Windgeschwindigkeit von nur zehn Metern pro Sekunde liegt die Leistung bei 3,3 Megawatt.“ So werde am Tag Strom für 5000 Euro erzeugt. Die Genossen haben sich für zwei Jahrzehnte eine Einspeisevergütung von 7,68 Cent pro Kilowattstunde gesichert – dafür war die Inbetriebnahme noch im Jahr 2017 wichtig.

Dass im Weserbergland während der Betriebsjahre der neuen Anlage plötzlich eine große Flaute herrschen wird, ist unwahrscheinlich. Aber was passiert, wenn das Windrad wegen eines Defektes lange pausiert? „Der Wartungsvertrag mit dem Hersteller garantiert uns eine 95-prozentige Verfügbarkeit“, betont Pigors. Das Unternehmen habe rund um die Uhr elektronisch ein Auge auf die Anlage und würde bei einer Störung schnell ausrücken. Diesen Service und die damit verbundene Betriebszuverlässigkeit lässt sich die Genossenschaft nach Ablauf der Garantie bis zu 140 000 Euro im Jahr kosten. Gegen „höhere Gewalt“ hat die Engewe zudem bei einer Versicherung eine entsprechende Police abgeschlossen.



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