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Neue Studie: Immer weniger Buchleser

Zigarre und Buch: Wie Philipp Rekate das Lesen zelebriert

HAMELN. Philipp Rekate zieht mehrmals hintereinander, stößt den weißen Qualm aus, der sein Gesicht vernebelt. Heute gönnt er sich eine amerikanische Zigarre. Sie ist etwas breiter als die dominikanische, die er sonst am liebsten raucht. Dazu gibt es das klassische Gedeck: Milchkaffee, Ginger Ale, Cognac – und ein Buch.

veröffentlicht am 14.09.2018 um 10:16 Uhr

Es gibt immer weniger Deutsche, die Bücher lesen. Philipp Rekate aus Hameln gehört nicht zu ihnen. Er zelebriert das Lesen – und kann so abschalten. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Immer mal wieder sitzt Philipp Rekate im Raucherbereich des Café Täglich in der Osterstraße. In dem Raum mit den Glasfenstern und den bunten Ledersesseln kann er abschalten und entspannen. „Das ist wie Urlaub. Bei mir gehört zum Lesen auch das Umfeld“, sagt er. „Ich muss mich gemütlich hinsetzen können, vielleicht eine Zigarre rauchen.“ Er liest nur gedruckte Bücher, Tablets oder andere elektronische Geräte kommen nicht infrage. „Zum Lesen gehört für mich auch die Haptik. Ich muss die Seiten fühlen können“, meint er. In seiner Wohnung in Hameln hat er sich eine eigene kleine Bibliothek eingerichtet.

Ich kann meine Leidenschaft für das Mittelalter und für andere fantastische Sachen verknüpfen, indem ich für kurze Zeit in die Rolle eines Seefahrers schlüpfe.

Philipp Rekate, arbeitet in einer Sargfabrik.

„In einem kleinen Raum meiner Wohnung steht ein Kamin. Daneben ist ein abgetrennter Bereich. Dort stehen vom Boden bis zur Decke Bücherregale. Und sie sind voll“, erzählt er. Am liebsten liest er Fantasy und Science-Fiction, aber auch historische Romane, die gut recherchiert sind. „Es gibt zum Beispiel die Uhtred-Saga, die auch verfilmt wurde. In den Büchern wird schnell deutlich, dass der Autor selber an einigen Schauplätzen war“, sagt Rekate. „Solche Sachen lese ich gerne, weil ich merke, dass sich der Autor Mühe gegeben und mit Herzblut geschrieben hat.“

Dazu passen historische Romane zu einer weiteren Leidenschaft des 33-Jährigen: dem Mittelalter. In seiner Freizeit verkörpert er selbst gern Menschen aus dieser Zeit – beim Liverollenspiel: „Man muss sich das vorstellen als eine Kombination von Laientheater und Mittelaltermarkt.“ Für das „Conquest of Mythodea“ in der Nähe von Nienburg zum Beispiel wird er für ein paar Tage zum Seefahrer. „Ich kann meine Leidenschaft für das Mittelalter und andere fantastische Sachen verknüpfen, indem ich für kurze Zeit in die Rolle eines Seefahrers schlüpfe“, sagt er.

Bücherlesen ist nicht mehr so angesagt wie vor fünf Jahren. Foto: mo
  • Bücherlesen ist nicht mehr so angesagt wie vor fünf Jahren. Foto: mo
Mit Zigarre und Cognac: Für Philipp Rekate gehört zum Lesen auch die Atmosphäre. Foto: mo
  • Mit Zigarre und Cognac: Für Philipp Rekate gehört zum Lesen auch die Atmosphäre. Foto: mo
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Neue Studie zeigt: Es gibt immer weniger Buchleser

Immer weniger Deutsche lesen in ihrer Freizeit Bücher. Das zeigt der neueste Freizeit-Monitor. Die repräsentative Studie wird von der Stiftung für Zukunftsfragen erhoben. Demnach liest weniger als ein Drittel der Deutschen noch regelmäßig ein Buch (29 Prozent). Und der Trend ist rückläufig: Vor fünf Jahren waren es noch 35 Prozent der Befragten, die regelmäßig zum Buch griffen – also mehr als ein Drittel. Klarer Gewinner der vergangenen fünf Jahre sind der Studie zufolge dagegen die Neuen Medien. Vor allem die Smartphone-Nutzung legte im Fünf-Jahresvergleich stark zu. Auch die Nutzung von Internet und Social Media ist mit Blick auf die wöchentlichen Aktivitäten angestiegen. Übrigens: Genau in der gleichen Größenordnung wie das Bücherlesen hat auch die Gartenarbeit an Reiz verloren. Dazu gehen immer weniger Deutsche einem speziellen Hobby nach.

Der Hamelner jobbt nebenbei im Museum, organisiert Kindergeburtstage im Mittelalter-Stil. Ansonsten arbeitet der kaufmännische Assistent für Fremdsprachen und Korrespondenz in einer Sargfabrik. Bei „Löwekamp“ unterstützt er die Geschäftsführung. „Der Tod gehört zum Leben dazu“, sagt er. „Und wenn ich irgendwann sterbe, dann möchte ich mein Leben genossen haben.“ Dazu gehört für ihn ab und zu auch eine Zigarre.

Seine erste rauchte er bei der Bundeswehr. „An einem Abend fehlte ein Mann in der Pokerrunde der Offiziere und Feldwebel“, erinnert sich Rekate, der damals seinen Hauptmann zu den Abenden gefahren hat. „Also meinte der Stabsfeldwebel mit gezwirbeltem Schnurrbart zu mir: ‚Rekate, können Sie pokern?‘“ Rekate konnte pokern. In einem kleinen Holzkästchen wurde ihm später eine Zigarre angeboten, sogar eine kubanische. „So bin ich auf den Geschmack gekommen.“

Und so sitzt er immer mal wieder im Ledersessel in der Osterstraße. Auf dem Tisch vor ihm: Ginger Ale, Milchkaffee und manchmal ein Cognac. In der Hand: eine Zigarre – und ein gutes Buch. „Man kann in kurzer Zeit abschalten, in dem Buch versinken“, sagt er. Für ihn ist Lesen wie Urlaub. Oder noch besser.



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