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Nach Verkauf an L’Oréal setzt Logocos auf Transparenz / Tiefgreifender Branchenwandel zeichnet sich ab

Ziel: Vertrauen wiedergewinnen

SALZHEMMENDORF. Als bekannt wurde, dass L’Oréal die Logocos AG übernimmt, ging ein Aufschrei durch die Branche. Biofachhändler räumten die Produkte des Unternehmens aus ihren Regalen, sprachen von Verrat. Für Eva Leihener-Stefan, Vorstandsvorsitzende der Logocos AG, geht es deshalb darum Vertrauen (wieder)gewinnen und vermitteln, dass verschiedene Konzepte in einem Konzern nebeneinander Platz haben. Kein leichter Job.

veröffentlicht am 06.04.2019 um 09:00 Uhr

Seit viereinhalb Monaten führt die neue Vorstandsvorsitzende der Logocos AG, Eva Leihener-Stefan, die Geschäfte in Oldendorf. Foto: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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SALZHEMMENDORF. Seit viereinhalb Monaten führt Eva Leihener-Stefan die Logocos AG in Salzhemmendorf. Die Vorstandsvorsitzende, die für den weltgrößten Kosmetikhersteller L’Oréal in Australien, Paris und Düsseldorf gearbeitet hat, macht nun an der Oldendorfer Kräuterwiese in Natur. Die Aufgabe ist „Neuland“ für sie. Dafür bringt Leihener-Stefan vom Kosmetikriesen etwas mit, was sie nach eigener Aussage besonders gut kann: Markenführung. Es wird in Zukunft nicht nur darum gehen, das Erbe von Hans Hansel zu bewahren, sondern auch, es auf breitere Füße zu stellen. Der Standort Salzhemmendorf soll dabei ebenso unangetastet bleiben, wie die bisherige Qualität der Produkte.

Naturprodukte sind mehr als ein Trend, sagt Leiherner Stefan. Das haben inzwischen auch große Konzerne erkannt. Grünes Know-How wird auch in anderen Branchen dazugekauft: Neben Logocos bei L’Oréal belegt auch Bioland bei Lidl und Demeter bei Kaufland den tiefgreifenden Wandel. Allein an der Glaubwürdigkeit muss noch gearbeitet werden.

Hier beginnt Eva Leihener-Stefans Hauptaufgabe für die nächste Zeit: Vertrauen (wieder)gewinnen und vermitteln, dass verschiedene Konzepte in einem Konzern nebeneinander Platz haben. Kein leichter Job: Als bekannt wurde, dass L’Oréal die Logocos AG übernimmt, ging ein Aufschrei durch die Branche. Biofachhändler räumten die Produkte des Unternehmens aus ihren Regalen, sprachen von Verrat. Das sei schon ein Shitstorm gewesen, sagt Leihener-Stefan, nicht zuletzt, weil Néstle bei L’Oréal beteiligt ist. Wie viele Kunden sich abgewendet haben, will die Chefin nicht sagen, sie spricht von „Einzelfällen, die besonders laut gesprochen haben“, die man aber ernst nehme. Zurückgekommen sei bisher noch keiner, man arbeite aber daran.

In der Oldenorfer Kräuterküche wird frische Kamille für die Naturkosmetik verarbeitet. foto: LOGOCOS Naturkosmetik AG

Bezüglich Nestlé verweist Leihener-Stefan darauf, dass der Konzern mit 23 Prozent bei weitem nicht der größte Aktionär ist. „Das ist die Familie Bettencourt, die weiterhin nachhaltig die Geschicke des Konzerns leitet.“

Leihener-Stefan spricht an dieser Stelle lieber darüber, dass L’Oréal inzwischen CO-2-frei in Karlsruhe produziert, oder darüber, dass der Konzern keine Tierversuche durchführe, sondern im Episkin-Zentrum des Kosmetikkonzerns mithilfe künstlicher Haut forsche. Sogar Greenpeace hat 2014 gelobt, dass das Unternehmen bis 2020 kein Palmöl mehr verwenden will. Beim Einsatz von Mikroplastik verpasst L’Oréal aus Greenpeace-Sicht allerdings akzeptablen Standard.

In Salzhemmendorf liegt der Fokus erstmal auf dem Bewahren des Gewachsenen. „Alle Produkte von Logocos unterliegen der gleichen Zertifizierung wie zuvor“, betont Leihener-Stefan. „Die Marke Logona wird exklusiv im Regal der deutschen Biofachhändler bleiben“. Es gehe darum, den „Pionierspirit wieder zu entfachen.“ Eine etwas andere Zielgruppe hat die Marke Santé, die es in über 50 Ländern und auch in Drogerien gibt. „Sie ist eher für eine breitere Kundschaft, die nach und nach verstärkt an Bioprodukten interessiert ist“, sagt Leihener-Stefan.

Eine Stellschraube für mehr Nachhaltigkeit, die in der Branche bisher eher vernachlässigt wurde, sei das Thema Verpackungen. „Ich war überrascht zu sehen, dass der Naturkosmetikmarkt hier nicht weiter ist, als konventionelle Kosmetik0“. Leihener Stefan nennt die Stichworte Nachfüllpackungen und recycelbares Plastik für Verpackungen. „Hier hilft es, einen starken Partner mit großem Team an der Seite zu haben.“ Profitieren werde Logocos zudem beim Thema Digitalisierung, Optimierung von Produktionsprozessen und strategische Markenführung.

Darüber, ob die Übernahme durch L’Oreal sich in den Bilanzen niederschlägt, möchte Eva Leihener-Stefan nicht sprechen. 2018 sei aber ebenso wie 2017 (das Unternehmen fuhr einen Gewinn von über sechs Millionen Euro ein) ein profitables Jahr gewesen.

Und wie will sie nun der Sorge der Händler, dass das Unternehmen sich entfernt von den Prinzipien eines Naturkosmetikherstellers, begegnen? „Durch Offenheit und Transparenz“, sagt Leihener-Stefan. „Ich denke nicht, dass das vorher in dieser Klarheit gesagt wurde.“

Und zur Wahrheit gehört auch: Hans Hansel hat das Unternehmen bereits vor sechs Jahren verkauft. Investoren waren laut früheren Angaben „mehrere natürliche Personen“, die das Unternehmen über eine Schweizer Holding hielten.

Alle Produkte von Logocos unterliegen der gleichen Zertifizierung wie zuvor.

Eva Leihener-Stefan, Vorstandsvorsitzende Logocos


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