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Russland will Glaubensgruppe verbieten – Hamelner und Pyrmonter Gemeinden protestieren

Zeugen Jehovas in Sorge

HAMELN. Für die Zeugen Jehovas ist Mittwoch ein besonderer Tag: In Russland findet vor dem Obersten Gericht eine weitere Anhörung darüber statt, ob die Zeugen Jehovas als extremistisch eingestuft und verboten werden sollen. Um ein Verbot zu verhindern, haben die Zeugen Jehovas eine internationale Briefaktion gestartet. Auch die Hamelner und Pyrmonter Gemeinden sind dabei.

veröffentlicht am 11.04.2017 um 18:26 Uhr

Dagmar Wehage und Siegfried Friedrichs, hier vor dem „Königreichssaal“ ihrer Gemeinde im Aubuschweg. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Im Besprechungszimmer des Königreichssaals der Zeugen Jehovas im Aubuschweg 10 sitzen die beiden „Ältesten“, Horst Haesler von den Zeugen Jehovas in Bad Pyrmont und Siegfried Friedrichs sowie Dagmar Wehage von der Hamelner Gemeinde. „Älteste“ nicht, weil Friedrichs und Haesler altersmäßig die Ältesten sind. Sondern, weil sie gemeindeintern als besonders fähig und als reife Christen gelten: fähig, die Versammlungen zu leiten und biblische Anleitung zu geben etwa. Es ist eine Aufgabe, die Männern vorbehalten ist, „wie im Ur-Christentum“, erklärt Haesler. Dagmar Wehage ist für Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

An der Wand hängt ein kleines Foto des deutschen Zweigbüros der Zeugen Jehovas in Selters: Die Luftaufnahme zeigt ein weitläufiges Areal mit riesigen Gebäudekomplexen, in denen sich Verwaltungsbüros, Wohnungen und die Druckerei befinden. Wie ein kleines Dorf. Dort wird etwa der „Wachtturm“ gedruckt, das religiöse Zentralorgan der Zeugen Jehovas.

Doch an diesem Tag soll es weniger um die Zeugen Jehovas in Deutschland gehen als vielmehr um die Glaubensgeschwister in Russland. Die russische Regierung will die Religionsgemeinschaft für extremistisch erklären und verbieten. Die Zeugen Jehovas gehen davon aus, dass die laut Friedrichs rund 170 000 Mitglieder zählende russische Gemeinde im Falle eines entsprechenden Urteils enteignet und kriminalisiert würde. In Briefen an die russische Politik appellieren Zeugen aus aller Welt nun, von dem Verbot abzusehen.

Information

Die Zeugen Jehovas stehen oft in der Kritik. Die Glaubensgruppe sei autoritär, übe Druck auf Mitglieder aus, stehe gegen Homosexualität. Wehage und Friedrichs: In ihrer Gemeinde geschehe alles auf „Basis der Freiwilligkeit“. Es gebe aber Pflichten, wie etwa predigen zu gehen. Das wisse aber jeder vorher. Willkommen sei jeder – „es sei denn, er übertritt bewusst biblische Maßstäbe“, so Haesler. Deshalb werde etwa Homosexualität nicht geduldet, da die Bibel dies verbiete. pk

Wehage holt ihr Smartphone hervor. Auf einem Foto ist ein malendes Mädchen zu sehen, dazu ein paar Sätze in kyrillischen Buchstaben. „Sogar die Kinder in unserer Gemeinde beteiligen sich an der Aktion“, sagt Wehage. Um die 140 Mitglieder zählt Friedrichs zufolge die Hamelner Gemeinde. Gut 50 Mitglieder stammten aus Russland. Seit 1985 hat sie ihren Sitz im Aubuschweg. In Bad Pyrmont ist die rund 65 Mitglieder starke Gemeinschaft in der Helenenstraße 25 – ein eigenes Altenheim inklusive – schon seit 40 Jahren ansässig, sagt Haesler.

Über die Briefaktion hinaus werden die politischen Aktivitäten der Zeugen Jehovas nicht gehen. „Wir verhalten uns politisch immer neutral, weil letztendlich kann nur Gott etwas verändern“, sagt Friedrichs. „Wie auch in der Hitlerzeit.“ Auch damals habe sich der Protest der Zeugen Jehovas – obwohl selbst verfolgt – auf das Schreiben von Briefen beschränkt, sagt Wehage. „Auch wenn sich viele Menschen kümmern – die Ergebnisse sprechen für sich“, meint Friedrichs.

Lange Zeit waren die Zeugen Jehovas als Verein organisiert. Inzwischen haben sie den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. In der gerichtlichen Begründung hieß es, dass es keine objektiven Anhaltspunkte dafür gebe, dass die Glaubensgruppe nicht rechtstreu sei. Damit sind die Zeugen Jehovas anderen Kirchen gleichgestellt.

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