weather-image
27°

Zensus: Jetzt wird gezählt – wie viele sind wir wirklich?

veröffentlicht am 10.05.2011 um 09:55 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Zensus

Hameln (ll). Rund 22 500 Personen in insgesamt 6700 Haushalten werden in den kommenden Wochen den sogenannten Erhebungsbeauftragten des Landkreises und der Stadt Hameln Auskunft über Bildung, Erwerbstätigkeit oder Migrationshintergrund geben müssen.

Seit Montag hat auch in Hameln und dem Landkreis der Zensus 2011 offiziell begonnen. Erstmals seit 24 Jahren gibt es damit in Deutschland wieder eine Volkszählung. Zur Beantwortung der Fragen sind ausgewählte Bürger verpflichtet. Aber anders als im Jahr 1987, als es viele Proteste und Boykotts gegen die Volkszählung gab, werden diesmal nicht alle Einwohner befragt, sondern hauptsächlich Daten aus bestehenden Datenbanken wie dem kommunalen Melderegister zusammengetragen. Nur zehn Prozent der Bürger werden zusätzlich direkt befragt. Außerdem werden die Menschen erfasst, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Dazu haben Stadt und Landkreis eine gemeinsame Erhebungsstelle eingerichtet. Für die Haushaltsbefragungen würden 217 eigens dafür ausgewählte Erhebungsbeauftragte eingesetzt, die sich ausweisen und zur Verschwiegenheit verpflichtet seien, sagt Romano Flammang, Leiter der Erhebungsstelle in Hameln.

Wie viele Personen leben in Ihrer Wohnung? In welcher Branche arbeiten Sie? Welchen Schulabschluss haben Sie? Alle Angaben müssen sich auf den Stichtag 9. Mai beziehen. Dabei geht es laut Statistischem Bundesamt in erster Linie darum, die exakten Einwohnerzahlen für Deutschland, die Bundesländer und die Kommunen festzustellen. Davon hingen etwa die Zahlungen im Länderfinanzausgleich oder auch die Einteilung der Wahlkreise ab. Die Ergebnisse der Volkszählung sollen auch für zukünftige Infrastrukturplanungen herangezogen werden: Die neuen Daten sollen nun Auskunft darüber geben, ob beispielsweise eher Kindergartenplätze, Schulen oder Altenheime benötigt werden, so das Bundesamt. Die derzeitigen Berechnungen basierten noch auf den Volkszählungen von 1987 in den alten Ländern und von 1981 in der damaligen DDR.

Nachdem die Interviewer in den vergangenen Wochen für ihre ehrenamtliche Tätigkeit geschult worden seien, kündigten die Erhebungsbeauftragten nun in ihren jeweiligen Bezirken Befragungstermine an. Den ausgewählten Personen sei es dabei selbst überlassen, schriftlich in Zusammenarbeit mit dem Interviewer zu antworten, die Unterlagen später per Post einzureichen oder im Internet einen Erhebungsbogen auszufüllen, sagt Flammang. Der Fragebogen enthält 46 Fragen. Das Ausfüllen des Fragebogen soll nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ungefähr zehn Minuten dauern. Wer bei der Volkszählung um Auskunft gebeten wird, darf sie nicht verweigern. Im schlimmsten Falle drohe nach erneuter Aufforderung auch ein Bußgeld.

Kritiker des Zensus bemängeln vor allem Fragen zum Migrationshintergrund und zur Religion, wenngleich die Frage nach der Religionszugehörigkeit freiwillig beantwortet werden kann. Zudem wird befürchtet, dass zusammengetragene Daten konkrete Rückschlüsse auf den einzelnen Bürger ermöglichen. Die Behörden erhoffen sich hingegen von der umstrittenen Frage nach Migrationshintergründen ein besseres Verständnis des Integrationsprozesses von Zuwanderern und ihrer Kinder. Das Statistische Bundesamt ist datenschutzrechtlichen Bedenken entgegengetreten. Kein Befragter müsse Nachteile durch den Zensus befürchten, wenn er zum Beispiel nicht korrekt an seinem Wohnort gemeldet sei, sagte Bundesamt-Präsident Roderich Egeler gestern. Die gesammelten Daten würden nicht weitergegeben an Dritte – auch nicht an Finanzämter, Sozialämter, Einwohnermeldeämter oder Sicherheitsbehörden.

Für den Zensus 2011 wird mit Gesamtkosten von 710 Millionen Euro gerechnet, die überwiegend von Bund und Ländern getragen werden. Laut Flammang seien die Kosten für die Kommunen, etwa durch die Errichtung der Erhebungsstellen, zu Beginn der Zählung schlecht abzuschätzen. Erste Ergebnisse sollen im November 2012 vorliegen. Die detaillierte Auswertung soll ab Mai 2013 präsentiert werden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare