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Ursula Wehrmann (Grüne) konfrontiert Verwaltung mit Erkenntnissen eines Diplom-Chemikers

Zank um Gutachten für das Rattenfängerhaus

Hameln. „Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die Sanierung des Rattenfängerhauses nahezu völlig abgeschlossen ist. Wir werden in 14 Tagen noch eine Staubprobe entnehmen und am 12. Mai den Abschlussbericht vorlegen. Es ist alles in Abstimmung mit der Familie Fricke und in vollem Einvernehmen gelaufen.“ Mit dieser frohen Kunde wollte Wolfgang Kaiser eigentlich der Politik versichern, dass die aufgetretenen Schadstoffbelastungen in dem historischen und städtischen Gebäude schon bald der Vergangenheit angehören werden. Und damit die Fraktionsvertreter auch merkten, dass es der Stadt ernst mit der Schadensbehebung ist, kündigte der Fachbereichsleiter Planen und Bauen noch einmal an, dass das Rattenfängerhaus zusammen mit der Kurie Jerusalem, der Vikilu und dem Reintjes-Kindergarten in die Liste der dauerhaft getesteten Gebäude aufgenommen und künftig alle fünf Jahre überprüft werde. Auch sei ein weiteres Institut beauftragt worden, in drei Monaten abermals Messungen durchzuführen, „damit wir ganz sicher sind, unser Ziel erreicht zu haben“, wie Kaiser vor dem Ausschuss für erneuerbare Energien, Bau und Umwelt begründete.

veröffentlicht am 02.04.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:09 Uhr

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Womit der Fachbereichsleiter nicht gerechnet hatte: Aus den Reihen der Politik meldete sich Widerstand in Form von unangenehmen Fragen. „Entschuldigen Sie, dass ich Wasser in den Wein gieße“, meldete sich Ursula Wehrmann zu Wort. Die Fraktionschefin der Grünen konfrontierte Kaiser mit einem Gutachten ihres Parteifreundes Dr. Helmut Burdorf, der im Beisein von Wehrmann, Kaiser und Baudezernent Eckhard Koss das Rattenfängerhaus ebenfalls in-spiziert hatte, in einigen Punkten aber zu anderen Schlüssen gekommen war. „Es kann sicher davon ausgegangen werden, dass das Holzschutzmittel Pentachlorphenol (technisches PCP) in zum Teil erheblichem Umfang mit chlorierten Dioxinen und Furanen belastet war und dementsprechend auch heute noch die Holzbalken diese extremen Gifte enthalten. Es wäre daher angezeigt, wenigstens eine Holzprobe und eine Alt-Staubprobe auf Dioxine zu untersuchen“, hat der Diplom-Chemiker in seinem Gutachten geschrieben.

Wehrmann wollte nun von der Verwaltung wissen, warum diese Proben nicht ausgeführt worden und ob sie mit etwa 800 Euro zu teuer gewesen sind. Auch teilte die Frontfrau der Grünen die Kritik Burdorfs, die Sanierung im Rattenfängerhaus bei „laufendem Betrieb“ durchgeführt zu haben. Auch, dass das Abdecken der Hölzer nicht mit „dampfdiffusionsdichtem Material“ geschehen sei, bemängelten die Grünen. Zudem widersprach Ursula Wehrmann der Darstellung Kaisers, die Sanierung sei mit der Familie Fricke im Einvernehmen gelaufen. „Da hat mir Frau Fricke in einem Telefonat etwas anderes erzählt. Jetzt über ein tolles Verhältnis zu sprechen, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Wehrmann.

„Das weise ich zurück, das nehme ich nicht hin“, konterte ein sichtlich erregter Baudezernent. Eckhard Koss betonte wie auch Kaiser, dass die Verwaltung unmittelbar nach Bekanntwerden des Schadens mit den Eheleuten Fricke „an einem Tisch“ gesessen und es eine „einvernehmliche Zusammenarbeit“ gegeben habe. Zugleich warnte der Erste Stadtrat, jetzt „Gutachter und Obergutachter“ zu bemühen, „die alle zu einer anderen Erkenntnis kommen“ und sprach von einer „seriösen Vorgehensweise“ seitens der Stadt: „Wir haben ein Institut beauftragt, und mit dem ziehen wir das jetzt durch.“

Kaiser, der sich ebenfalls getroffen zeigte („Ich bin noch auf dem Nachhauseweg ins Rattenfängerhaus gegangen, um die Sanierungsarbeiten zu überprüfen. Aber das fällt ja alles unter den Tisch“), betonte, dass die gemessene Schadstoffbelastung „nur ein Hundertstel der der Kurie“ ausgemacht habe. „Hätten wir diese Werte dort vorgefunden, hätte die Kurie nicht für 700 000 Mark saniert werden müssen“, merkte der Fachbereichsleiter an, der allerdings einräumte, dass ihn die Sanierungsarbeiten bei laufendem Betrieb selbst überrascht hätten. Da die beauftragten Gutachter jedoch versicherten, gleiche Arbeiten unter gleichen Bedingungen bereits in einem Kindergarten ausgeführt zu haben, habe sich die Verwaltung darauf verlassen. Auch stellte Kaiser fest: „Das Rattenfängerhaus war nicht verseucht, es hat eine geringe Belastung aufgewiesen.“ Deshalb seien auch keine Dioxinuntersuchungen durchgeführt worden. „Die Kostenfrage hätte sich bei einer Gesundheitsgefährdung der Menschen nicht gestellt,“ sagte der Fachbereichsleiter und betonte abermals: „Das Rattenfängerhaus ist schadstofffrei. Sie werden den Beleg bekommen. Wir hätten auch alle Balken auswechseln können. Aber das wäre eine überzogene Maßnahme im Sinne der Steuerzahler gewesen.“



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