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Zahl der Firmenpleiten wird steigen

veröffentlicht am 09.02.2010 um 20:59 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (HW). Die weltweite Wirtschaftskrise zwingt in diesem Jahr voraussichtlich mehr westeuropäische Firmen zum Gang vor das Insolvenzgericht. In Deutschland droht die Zahl der Firmenpleiten auf Rekordhöhe zu steigen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet 2010 mit bis zu 40 000 Unternehmenspleiten – ein Plus von 20 Prozent. Damit könnte sogar der bisherige Höchststand des Jahres 2003 übertroffen werden, als rund 39 500 Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Auch im Amtsgerichtsbezirk Hameln ist die Zahl der Insolvenzanträge im vergangenen Jahr um 9,5 Prozent auf 358 gestiegen.

„Und schon jetzt ist abzusehen, dass die Tendenz in diesem Jahr weiter steigen wird“, sagt Hartmut Düwel, Kundenberater der Creditreform Hameln. Derzeit gebe es keinen Silberstreif am Horizont, denn auch die heimischen Unternehmen hätten durch die Rezession stark an Substanz verloren. Gleichzeitig sei die Kreditbeschaffung für sie sehr schwierig geworden. Das erwartete Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent reiche deshalb nicht, um die drohende Insolvenzwelle zu bremsen. Vor allem Mittelständlern drohe in diesem Jahr das Aus. Aber auch die Zahl der Verbraucherpleiten wird nach Einschätzung von Creditreform 2010 in Deutschland weiter zunehmen und auf bis zu 138 000 ansteigen. Das wäre ein Plus von acht Prozent. Im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes Hameln erhöhten sich die Anträge auf Privatinsolvenz um 11,7 Prozent auf 609. „Die Zahl der Verfahrenseröffnungen stieg sogar um 15,9 Prozent auf 560 Fälle“, weiß Düwel zu berichten. Im Jahr 2008 war diese Ziffer in Hameln noch geringfügig um 3,8 Prozent auf 202 Fälle gesunken. Insgesamt 1708 Personen mussten im vergangenen Jahr – in 1110 Fällen unter Haftanordnung – eine eidesstattliche Versicherung abgeben. Deutschland und
damit auch der Region Hameln-Pyrmont drohe in diesem Jahr ein deutlich stärkerer Anstieg der Insolvenzzahlen als den Nachbarländern. Für Westeuropa erwarten die Experten der Wirtschaftsauskunftei „nur“ einen Anstieg der Firmenpleiten um bis zu 13,5 Prozent auf bis zu 210 000, was einer Trendwende gleichkäme. Denn bislang haben sich die deutschen Unternehmen in der Konjunkturkrise deutlich besser behaupten können als die meisten europäi-
schen Rivalen.
Doch das könne sich nun ändern. „Schon in den nächsten Monaten werden wir sehen, dass die Zahl der betrieblichen und privaten Insolvenzen nach oben schnellen wird“, vermutet Düwel. Am ehesten treffen werde es Firmen, deren Eigenkapitaldecke zu dünn ist, „weil die Banken nicht mehr mitspielen und die Kreditlinien schneller als bisher nach unten senken“, wie der Hamelner Creditreform-Berater erklärt. Insbesondere Firmen im Baugewerbe seien gefährdet, „weil die Auswirkungen des Konjunkturpaketes II bislang noch nicht spürbar sind“, wie Düwel begründet. Die Maßnahmen der Bundesregierung griffen vermutlich erst zum Jahresende. „Doch dann könnte es für viele Betriebe schon zu spät sein“, so der Bankkaufmann.
 Aber auch andere Branchen seien hochgradig durch Insolvenzen gefährdet. Dazu zählt Düwel nicht markengebundene Autowerkstätten, Gastronomiebetriebe und Speditionen, die dem Druck der osteuropäischen Konkurrenz nicht mehr standhalten könnten. Zu Zeiten der Krise überlege sich der Verbraucher angesichts der Preise für Speisen und Getränke einen Restaurant- oder Kneipenbesuch zweimal. „Viele Wirte meinen, mit hohen Preisen Umsatzeinbußen wettmachen zu können. Aber dieser Schuss wird nach hinten losgehen“, glaubt Düwel, für den nur dauerhaft überleben kann, wer seine Speise- und Getränkekarten mit zivilen und erschwinglichen Preisen ausstatte.
 Auf dem Speditionssektor herrsche ein gnadenloser Wettbewerb durch osteuropäische Unternehmen, „die für einen Bruchteil des hier verlangten Preises fahren“, wie Düwel weiß. Die Globalisierung treffe diese Branche besonders hart: „Mir ist ein Unternehmer bekannt, der im vergangenen Jahr aufgrund dieser Situation und der hohen Kosten für Löhne, Sprit und Maut ein Drittel Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Hört das dieses Jahr nicht auf, kann er nicht weiter durchhalten, droht die Insolvenz.“
 Was die Wirtschaft zusätzlich lähme, sei die Zurückhaltung der Privatkonsumenten.  Dass die Zahl der privaten Insolvenzen weiter steigen wird, ist für den Repräsentanten der Creditreform Hameln ebenso klar: „Die Kreditkäufe werden den Konsumenten vom Handel zu leicht gemacht. Letztlich summieren sich aber die monatlichen Raten für das neue Auto oder den Flachbildschirm. Und da reicht dann schon Kurzarbeit, um das Kartenhaus zum Einsturz zu bringen.“

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