weather-image
22°

Woran erkennt man eigentlich einen Wolf?

Sein Foto von dem Wolf ging durch die Medien – und „war ein reiner Glücksfall“, wie Robert Willeke, Leiter des Wildparks Neuhaus, von einem zufälligen Zusammentreffen spricht. Als der Förster 2008 auf seinem Hochsitz im Solling ansaß, kam ihm das menschenscheue Tier vor die Linse. Hinweise auf den Wolf, der offenbar aus dem hessischen Reinhardswald gekommen war, gab es dort mehrere – nun lag der zweifelsfreie Bildbeweis vor. Die Spurensuche hat den Förster nicht weiter interessiert. Die Waldfläche war bewachsen, das Foto reichte ihm aus. Zwar gab es später noch Zeugen, die den Sollingwolf gesehen haben wollten, aber es waren nicht mehr als Hinweise zu dem Tier, das dann im Frühjahr tot aufgefunden worden war.

veröffentlicht am 18.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 04:41 Uhr

Deutlich ist die Fährte des Wolfs im Sand zu sehen.

Autor:

Peter Jahnund Christian Branahl
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie schwierig es ist, einen Wolf in freier Wildbahn zu sehen zu bekommen oder Spuren von ihm zu dokumentieren, weiß Expertin Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro Lupus. Zusammen mit ihrer Kollegin ist sie federführend mit der Datenerfassung über die Wölfe besonders in der Lausitz beschäftigt. Dort leben inzwischen neun Rudel und ein Wolfspaar in einem geschlossenen Vorkommensgebiet, das sich über etwa 2500 Quadratkilometer vom Nordosten Sachsens bis nach Süd-Brandenburg erstreckt. „Natürlich ist hier die Chance höher, einen Wolf zu sehen, aber trotzdem wäre das ein totaler Zufall“, sagt die Wissenschaftlerin. Und obwohl Gesa Kluth die Rückzugsgebiete der Tiere besser kennt und sich beruflich mit ihnen beschäftigt, bekommt sie diese auch nur einige Male im Jahr zu Gesicht.

Hauptsächlich befassen sich die Lausitzer Experten mit anderen Methoden, um Aufschluss über die einst ausgerottete und heute in Deutschland streng geschützte Urform des Haushundes zu erhalten. Die Untersuchung von Spuren und Losung, wie der Kot genannt wird, bilden dabei den Schwerpunkt. „Das verlangt aber sehr viel Übung“, so die Expertin. „Über ganz gute Erfahrungen“ verfüge das Büro bei Losungen – über 3000 Funde seien dokumentiert im Kerngebiet der Populationen in der Lausitz. Über Genetikproben könnten auch Anfragen aus ganz Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit geklärt werden.

Eine Frage der Übung und Dokumentation seien Trittspuren, die sich schon über eine mehrere hundert Meter lange Strecke hinziehen müssten. Erst dann ließe sich die im Vergleich zum Hund beim Wolf bevorzugte Gangart, der geschnürte Trab, ersehen: ein sehr gleichmäßiger Laufstil, energiesparend und geradlinig, während Hunde als Nachfahren viele Gangartenwechsel haben. „Und selbst das werten wir nicht als Nachweis – das ist nur ein Foto“, so Kluth.

3 Bilder
Losung eines Wolfes. Haare, Knochenteile und Zähne sind immer darin zu finden.

Die Expertin aus der Lausitz ist übrigens auch von den zuständigen Behörden in Hannover um fachlichen Rat gebeten worden, wie das Foto aus dem Wald im Bereich Emmerthal eingeschätzt wird. „Wir zweifeln nicht daran, dass auf dem Bild ein Wolf zu sehen ist“, sagt Kluth. Allerdings erwarten die Mitarbeiter des Wildbiologischen Büros weitere Informationen, unter welchen Umständen das Foto entstanden ist. Außerdem sollte unbedingt versucht werden, weitere Spuren zu finden. „Jeder Hinweis kann wichtig sein“, sagt Gesa Kluth.

Um sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, den vor einigen Tagen eine Hamelnerin im Licht eines Autos am Hellberg zwischen Hastenbeck und Börry aufnehmen konnte, bitten die Wolfsexperten vom Umweltministerium in Hannover und der Landesjägerschaft um Mithilfe. Wichtige Erkennungsmerkmale des Wolfs sind sein Körperbau, das Trittsiegel und die Spur im geschnürten Trab.

Merkmale eines Wolfs sind die Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimetern, das Gewicht liegt zwischen 30 und 50 Kilogramm. Das Fell des Canis lupus lupus ist graubraun, die Zeichnung ist heller. Die Haarspitzen sind schwarz. Oft sind Unterseite der Schnauze sowie die Kehle weiß. Der Wolf trägt seinen Schwanz gerade, dieser ist buschig und zeigt am Ende des oberen Drittels einen dunklen Fleck, Violenfleck genannt.

Eigentlich leben Wölfe im Rudel zusammen. Jungtiere im Alter von einem oder zwei Jahren trennen sich bisweilen vom Familienverband. Sie siedeln sich in der Nachbarschaft an oder sie wandern viele hundert Kilometer weiter.

Britta Habbe, die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft und Mitarbeiterin des Institutes für Wildtierforschung an der Universität Hannover, verweist darauf, dass man, um Fährten des Wolfes zu suchen, nicht den Waldweg verlassen muss. „Die Wölfe laufen gern auf Sandwegen oder in Fahrspuren.“ Was den Kot anbelangt, liege dieser „an exponierter Stelle, man sieht ihn deutlich auf den Wegen“. Er enthalte stets Haare, Knochenteile und Zähne.

Ein Wolf im heimischen Wald? Nun soll diese Frage schnell geklärt werden. Das geht allerdings nur, wenn alle Beobachtungen den Experten mitgeteilt werden. Auch wenn man nicht sicher ist, ob das, was man gerade gesehen oder gefunden hat, mit dem Wolf in Verbindung steht: Jeder Hinweis ist wichtig. Wir erklären, wie ein Wolf zu identifizieren ist.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?