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Kommunale Gesellschaften reagieren auf veränderte Bedürfnisse ihrer Mieter / Modernisierung als Mittel gegen Leerstand

Wohnen ohne Barrieren steht oben auf der Wunschliste

Hameln (ll). Der zunehmende Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft bestimmt in Zukunft auch das Angebot und die Nachfrage an Wohnraum in Hameln. Die neuen Herausforderungen für heimische Bauherren und Hausbesitzer heißen altersgerechte Wohnungen. Aber nicht nur das: Der grundlegenden Veränderung von Wohn- und Lebensstilen muss ebenso Rechnung getragen werden.

veröffentlicht am 05.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:41 Uhr

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„Wohnungen für die Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern machen längst nicht mehr den Hauptanteil unseres Angebots aus“, erläutert Andreas Wahl, Geschäftsführer der Hamelner Wohnungsbau-Gesellschaft (HWG). „Zielgruppengerechte Angebote“ sind laut Wahl für das Portfolio der HWG erforderlich, um in Zeiten des demografischen Wandels marktfähig bleiben zu können. Neben der großen Gruppe der Menschen, deren Bedürfnisse ganz nach einem möglichst barrierearmen Wohnen im Alter ausgerichtet sind, mache ein weiterer Personenkreis einen Löwenanteil bei der Bereitstellung von geeignetem Wohnraum aus: die stetig steigende Zahl von Alleinlebenden. „Die Single-Haushalte nehmen enorm zu“, sagt Andreas Wahl.

Die Notwendigkeit, sich auf die Bedürfnisse älterer Menschen einzustellen, ist für den HWG-Chef eindeutig: Gut 40 Prozent der HWG-Mieter sind bereits über 60 Jahre alt. Und die meisten von ihnen planen laut Wahl, noch bis ins hohe Alter in ihren Wohnungen zu leben. Dementsprechend ändern sich die Ansprüche: Von niedrig angebrachten Lichtschaltern über schwellenfreie Durchgänge bis hin zu einem zweiten Handlauf am Treppenaufgang sind umfassende Katalogkriterien im Hamelner Wohnungsbau entstanden. Heinz Brockmann, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH), unterstreicht dies. Bei Hamelns zweitem größeren Wohnungsbauträger sieht die Lage ähnlich aus: 64 Prozent der Mieter seien über 65 Jahre alt, sagt Brockmann. Die WGH setze dabei besonders auf Service-Leistungen, die das Wohnen im Alter attraktiver machen. Sogenannte „haushaltsnahe Dienstleistungen“ wie ein Handwerker-Notdienst oder ein mobiler Friseur könnten von WGH-Mietern jederzeit über eine zentrale Telefon-Hotline bestellt werden.

Seit nunmehr vier Wochen wohnt Edgar Hoffmann in seiner barrierearmen Zwei-Zimmer-Erdgeschosswohnung. Der 70-jährige Rentner ist aus Bielefeld nach Hameln gezogen, um näher bei den Kindern zu sein. Aus der Drei-Zimmer-Wohnung im dritten Stock in Bielefeld-Sennestadt ging es für den Witwer in die ebenerdige Hamelner Zwei-Raum-Wohnung. Breite Türen, ein niedriger Einstieg in die Badewanne, eine Dusche gänzlich ohne Einstiegshürde und die wohlig-warme Fußbodenheizung gestalten seinen Wohnalltag angenehmer. Als „optimales Wohnen“ bezeichnet Hoffmann die räumliche Situation seiner dritten Lebensphase. „Hier möchte ich nicht mehr ausziehen“, sagt er.

Olga, Laura und Melanie sind ebenfalls vor kurzem erst eingezogen. Von Edgar Hoffmann trennen sie genau 523 Meter Luftlinie und ungefähr eine Lebensphase. Die drei jungen Frauen im Alter von 22, 20 und 17 Jahren befinden sich zurzeit in der Berufsausbildung und teilen sich eine geräumige 4-Zimmer-Wohnung. Genauer gesagt: Sie teilen sich Wohnzimmer, Küche und Bad. Das „eigene Reich“ umfasst etwa 15 Quadratmeter zu erschwinglichen Mietpreisen.

Die Frauen-WG ist das Beispiel für einen Weg, dem Leerstand in den Gebäuden des Wohnungsbaus aus den 60er und 70er Jahren entgegen zu wirken. Denn die auf die Bedürfnisse von Familien abgestimmten, Zuschnitte in vielen Hamelner Altbau-Wohnungen stießen kaum mehr auf Interesse: Wie Andreas Wahl berichtet, stehen viele größere Wohnungen aus dem HWG-Bestand bereits heute leer. Das Konzept: Die HWG schwimmt gegen den Strom und angelt sich dabei mit attraktiven Wohnangeboten samt vollausgestatteter Einbauküche und eigenem DSL-Zugang für jedes WG-Mitglied vor allem die jüngeren Leute.

Nichtsdestotrotz stehen aber Wohnraumangebote für ältere Menschen im Mittelpunkt. Brockmann betont, dass alle leerstehenden Erdgeschosswohnungen aus dem WGH-Bestand grundsätzlich barrierearm modernisiert würden. Mit Erfolg: Der Leerstand in modernisierten Wohnungen hält sich nach seiner Aussage in Grenzen. „Sobald Modernisierungen vollzogen sind, ist die Wohnung auch schon wieder vermietet“, sagt er.

Möchte aus seiner barrierearmen Wohnung nicht mehr ausziehen: Mieter Edgar Hoffmann vor der Dusche.

Foto: ll

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