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Wohin mit 1000 Gästen? Aula zu klein für doppelten Abi-Jahrgang

veröffentlicht am 24.06.2011 um 10:06 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (bha). Wer Oliver Meinecke von der HMT kennt, weiß um seinen staubtrockenen Humor und kann diesen Satz einordnen: „Ich überlege noch, wie ich die restliche Freizeit meiner Techniker mit Veranstaltungen auffülle…“ Die haben nämlich in diesem Schulentlassungssommer allerhand um die Ohren. Die Entlassungsfeier der Abiturienten der Elisabeth-Selbert-Schule, die gestern stattfand, war dabei die kleinste Herausforderung. Anlass zum Rotieren gibt auch im Hallenmanagement der Hameln Marketing und Tourismus GmbH: der doppelte Abi-Jahrgang.

Konnten die Gymnasien ihre Schüler sonst in den schuleigenen Aulen verabschieden, weichen sie in diesem Jahr auf andere Räume aus: 1000 Teilnehmer passen weder in die Aula des Albert-Einstein-Gymnasiums, noch ins Schiller oder Vikilu. Eltern, Großeltern, Geschwister von fast 200 AEG-Abgängern gehen deswegen heute Nachmittag statt in die Schule in die Rattenfänger-Halle. Und lösen damit die Eltern, Großeltern, Geschwister von fast 200 Schiller-Abgängern ab.

"Schiller baut auf, wir bauen ab“, erzählt Katharina Köpps vom Albert-Einstein-Gymnasium. Die Schulen, die sonst miteinander im Wettbewerb um Schüler stehen, arbeiten Hand in Hand, damit heute alles klappt. Die Kosten für Miete und Blumendeko werden geteilt, die Musikinstrumente, die Technik des Schillers können vom AEG genutzt werden.

„Wir haben zwei Jahre im Voraus geplant“, erzählt Lehrer Lutz Schlotthauber vom Schiller-Gymnasium. Seine Schüler wie auch die AEG-Abiturienten haben einiges auf die Beine gestellt, um die Entlassungsfeiern und die Bälle zu finanzieren. „2200 Euro kostet die Entlassung, der Ball über 2600 Euro“, so Schlotthauber. Mittels Kuchenverkauf, Sponsoren und der Inventur, die der Abi-Jahrgang geschlossen bei Marktkauf gemacht hat, ist Geld zusammengekommen, erzählt Ines Küster vom AEG. Der Erlös vom Verkauf der Eintrittskarten – 37,50 Euro zahlt ein Schiller-Gast inklusive Getränke außer Wein und Sekt – trägt ebenfalls zur Kostendeckung bei.

10 Uhr bis etwa 13 Uhr Schiller; Umbau, Stühlerücken, 15 Uhr bis Ende AEG, Abbau, Umbau für den festlichen Abi-Ball, den das Schiller ebenfalls in der Rattenfänger-Halle feiert. Dafür siedelt die Albert-Einstein-Gesellschaft am Samstag traditionsgemäß nach Buchhagen ins Gasthaus Mittendorf um – wo heute Vormittag das Viktoria-Luise-Gymnasium Entlassung feiert. „Wir rechnen mit 1000 Leuten“, sagt Stephan Mittendorf und ergänzt flapsig: „schon krass“, der doppelte Abi-Jahrgang und seine Auswirkungen. Statt vier Feiern richtet Mittendorf diesmal sechs aus. Auch das Vikilu feiert dort seinen Abschlussball.

Zwischen Feier-Vorbereitungen und Freizeit hat Lutz Schlotthauber derzeit noch andere Doppel-Jahrgang-Arbeiten zu bewältigen: Jede einzelne Abi-Note jedes einzelnen Schülers will manuell in die Datenbank des niedersächsischen Kultusministeriums eingegeben werden. „Da sitze ich schon seit Tagen dran“, erzählt der Lehrer. Landesweit geschieht das derzeit für 50 000 Abiturienten und 200 000 Klausuren, die geschrieben wurden. „Bis zum 30. Juni können die Schulen melden“, sagt Corinna Fischer vom Kultusministerium. Verlässliche Aussagen zu den Noten kommen frühestens Ende Juli. Mit Spannung wird von Betroffenen erwartet, ob sich die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre auf den Notenschnitt auswirkt und ob es Unterschiede zwischen den zusammengelegten Klassen gibt.

Ines Küster hat nach zwölf Jahren Abitur gemacht und erinnert sich an die Anfänge des gemeinsamen Jahrgangs. Alle seien ziemlich skeptisch gewesen, ob das gut geht. Zunächst seien vor allem bei den Sprachen Leistungsunterschiede deutlich geworden, erzählt auch ihre Mitschülerin Katharina Köpps. Zum Ende aber seien die zwei Jahrgänge zu einem geworden – der heute richtig feiern kann. Ines Küster hat auf jeden Fall allen Grund dazu: verkürzt, und einen Schnitt von 1,7. Damit zählt sie zu den Besten ihres Jahrgangs.

Für die Mitarbeiter von Oliver Meinecke aber ist nach den heutigen Feiern noch lange nicht Schluss. Morgen feiert die Eugen-Reintjes-Schule im Weserbergland-Zentrum, am 1. Juli die Elisabeth-Selbert-Schule in der Rattenfänger-Halle, „und nach einem spektakulären Nachtumbau“ geht es dort am 2. Juli weiter mit dem Ernestinum-Gymnasium – aus Rinteln.



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