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Es gibt Unterschiede zwischen akuter und chronischer Erkrankung / Schweregrad entscheidend

Woher kommt eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse?

Wernfried B. (43) aus Hameln fragt: Ich hatte eine Bauchspeichelentzündung, bin jetzt aber wieder gesund. Niemand konnte mir sagen, was die Erkrankung bei mir ausgelöst hat. Ich würde gern wissen, wodurch eine solche Entzündung entstehen kann.

veröffentlicht am 10.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 06:41 Uhr

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Dr. Werner G. Gehring antwortet: Die meisten akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündungen, sogenannte Pankreatitiden, verlaufen mild und heilen unter konservativer Therapie aus. Probleme können schwere Verlaufsformen – insbesondere die nekrotisierende Pankreatitis – bereiten, die immer noch eine hohe Sterblichkeit aufweisen.

In Norddeutschland erkranken etwa 20 von 100 000 Einwohnern jährlich an einer Pankreatitis. Die meisten Personen erkranken im Alter zwischen 35 und 44 Jahren. Nach dem Verlauf werden die akute (plötzliche) Pankreatitis und die chronische (sich langsam entwickelnde) Pankreatitis unterschieden. Bei der chronischen Form sind 70 bis 80 Prozent der Fälle vermutlich durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht worden.

Nach dem Schweregrad können die ödematöse Pankreatitis (verläuft meistens leicht und selbstlimitierend) und die nekrotisierende Pankreatitis (benötigt Intensivtherapie und ist mit einer Sterberate von 25 bis 45 Prozent behaftet) unterschieden werden.

Weiterhin wird auch das Bild einer autoimmunen Pankreatitis beschrieben. Diese kann im Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten, geht mit einer Erhöhung der Immunglobuline Typ Ig G 4 im Serum einher und bessert sich unter der Behandlung mit Corticosteroiden.

Folgende Symptome und Beschwerden weisen auf eine Pankreatitis hin:

Akute Bauchschmerzen sind das wichtigste Symptom. Typisch ist ein starker, bohrender und anhaltender Schmerz im Oberbauch, der auch in den Rücken, Brustkorb, die Flanken oder den Unterbauch ausstrahlen kann und sich in sitzender oder kauernder Position bessert.

Übelkeit;

Erbrechen; eventuell Fieber;

Blähungen – aufgrund der geringeren Darmbeweglichkeit;

eventuell Gelbsucht;

eventuell Subileus (Vorstufe des Ileus), gegebenenfalls Ileus (Darmverschluss);

Bauchdeckenspannung (Peritonismus; Peritonitis);

beschleunigter Herzschlag; niedriger Blutdruck;

Kreislaufschock, mit nachfolgender Oligurie (‹ 500 ml Urin/24 Std) bzw. Anurie (‹ 100 ml Urin/ 24 Std).

Zur Krankheitsentstehung der Pankreatitis gibt es folgende Angaben: Man geht davon aus, dass der Entzündungsprozess durch eine Autodigestion (Selbstverdauung) des Organs durch Enzyme wie Trypsinogen, Chymotrypsinogen, Proelastase und andere ausgelöst und aufrechterhalten wird. Dabei läuft eine sogenannte Reaktionskaskade ab – Enzyme aktivieren sich gegenseitig. Bei der akuten Pankreatitis handelt es sich um eine plötzliche Entzündung, durch die es zu einem Ödem des Pankreas und zu einem Zellschaden kommt, der zu einer Freisetzung der Verdauungsenzyme führt. Diese führen dann wiederum zu einem Ödem sowie auch zu Nekrosen (Gewebetod). Durch eine weitere Aktivierung von zum Beispiel Kallikrein kann es zu einer Schocksymptomatik kommen, die das klinische Bild weiter verschlechtert.

Eine exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI; Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, die mit einer ungenügenden Produktion von Verdauungsenzymen einhergeht) mit der Folge einer Maldigestion („schlechte Verdauung“) kann nach einer akuten Pankreatitis auftreten; nach einer chronischen Pankreatitis ist der Zeitpunkt des Auftretens nicht vorhersehbar. Nach zehn Jahren tritt bei einer chronischen Pankreatitis bei über der Hälfte und nach 20 Jahren bei fast allen Patienten eine exokrine Insuffizienz auf. Mehr als die Hälfte des Organs muss zerstört sein, damit es zu einer Steator-rhoe (Fettstuhl) kommt.

Die chronische Pankreatitis ist der Folgezustand einer nicht ausreichend therapierten akuten Pankreatitis. Dabei kann man verschiedene Formen unterscheiden, wie die umschriebene Nekrose oder die diffuse Fibrose (krankhafte Vermehrung des Bindegewebes).

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Dr. Werner Gehring ist Arzt in Bad Münder.

Bauchschmerzen sind das wichtigste Symptom einer Bauchspeichelentzündung.

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