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Straßen in der Stadt so miserabel geräumt wie nie – und die Verwaltung hat keine Erklärung dafür

Wo war gestern eigentlich der Winterdienst?

Hameln (ni). Hat der Hamelner Winterdienst gestern die Zeit verschlafen? Waren die Schneepflüge defekt, die angehängten Salzstreuer verstopft? Oder warum sah’s auch morgens auf den Straßen noch so aus, als hätte sich das Räumkommando des städtischen Betriebshofes mal eine Auszeit gegönnt? Fest steht: Straßen und Überwege waren gestern Morgen miserabel geräumt. Ein Rätsel bleibt allerdings, warum das so war.

veröffentlicht am 14.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 11:41 Uhr

Rutschiger Schnee auf dem Übergang Kastanienwall/ Sedanstraße.
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Uwe Depping redet nicht um den heißen Brei herum. Der Leiter des Betriebshofes hat „ja schließlich selbst gesehen, wie es auf den Straßen aussah“. Nämlich so, wie es keinesfalls aussehen sollte, wenn in der Nacht gerade mal 25 Zentimeter Neuschnee gefallen sind. Und vor allem: wenn nach 23 Uhr keine Flocke mehr vom Himmel gerieselt ist. Dass die Mannschaft des Betriebshofes den neuerlichen Wintereinbruch verpennt hat, weist er weit von sich. Die drei Räum- und Streufahrzeuge seien sogar zweimal im Einsatz gewesen, hätten ihre erste Tour um 20 Uhr begonnen und um 1.30 Uhr beendet und seien um 4 Uhr zur zweiten Runde gestartet. Bei so viel Einsatz, sollte man meinen, hätten die 160 Straßenkilometer, die der Winterdienst unter den Pflug nimmt, eigentlich blitzsauber sein müssen. Waren sie aber nicht, „was von uns auch nicht bestritten wird“, sagt Depping, ohne allerdings eine Lösung des Rätsels anbieten zu können: Warum trotz Schneeschiebens und Salzstreuens „morgens noch so viel Schnee auf den Straßen lag “, gesteht er kleinlaut ein, „dafür haben wir keine plausible Erklärung“.

Gerüchte, wonach sich die Stadt mit dem Streuen zurückhält, weil ihr angeblich das Salz auszugehen droht, entbehren laut Verwaltung jeder Grundlage. Das Lager ist noch zur Hälfte gefüllt, Nachschub rollte bereits gestern Nachmittag wieder an. 15 bis 20 Gramm Salz pro Quadratmeter – das ist beim Betriebshof die Faustregel; davon abgewichen wurde auch gestern nicht – „vielleicht war es ein bisschen zu wenig“, orakelt Depping und macht nicht den Eindruck, als stellte ihn dieser Versuch einer Erklärung wirklich zufrieden. Und auch der zuständige Fachbereichsleiter Ralf Wilde belässt es – weil sich nachvollziehbare Gründe für den vielen Schnee auf den Straßen nicht finden lassen – bei der Beteuerung: „Es ist alles versucht worden.“

Mit wenig Erfolg, wie etliche Hamelner gestern Morgen schmerzhaft erfahren mussten. „Hier war die Hölle los“, beschreibt Krankenpfleger Sven Winkler den Vormittag in der Notaufnahme des Sana-Klinikums Hameln-Pyrmont. Winkler war für die erste Aufnahme zuständig, seine ärztlichen und pflegerischen Kollegen im Behandlungsraum arbeiteten wie am Fließband, das gesamte OP-Team war im Einsatz. Gebrochene Handgelenke und Unterarme, Sprunggelenke und Oberschenkel, Kopfplatzwunden – das Repertoire typischer Sturzverletzungen beschäftigte die Mediziner; und sie versorgten doppelt so viele Patienten wie an „normalen“ Vormittagen. Prof. Winfried Berner, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, berichtet von Patienten, die unter dem Schnee die Eisflächen nicht sehen konnten „und dann völlig unverhofft und absolut unkontrolliert zu Fall kamen“. Krankenschwester Gesche Cook ist aufgefallen, dass nicht etwa die Senioren den überwiegenden Teil der Patienten stellten, sondern „dieses Mal auch viele Verletzte im jüngeren und mittleren Alter dabei waren“.

Schippen und Streuen an der Ecke Wittekind- und Königstraße.
  • Schippen und Streuen an der Ecke Wittekind- und Königstraße.
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Dass die Stadt Hameln mit ihrem auf Buslinien und Hauptverkehrsstraßen, Steigungen und gefährliche Kreuzungen beschränkten Winterdienst nicht sonderlich seniorenfreundlich ist, ist Wilde durchaus bewusst. „Natürlich könnten wir mehr machen, aber dafür müssten wir auch mehr Geld in die Hand nehmen“, so der Fachbereichsleiter. Mit dem vorhandenen Personal sei es jedenfalls nicht zu leisten, in allen Straßen Schnee zu schieben und zu streuen. Wer nicht mehr gut zu Fuß oder auf den Rollator angewiesen ist, hat darum in den meisten Hamelner Vierteln schlechte Karten. Auf dem geräumten Bürgersteig ist ein Vorankommen noch möglich, die andere Straßenseite zu erreichen, aber so gut wie ausgeschlossen.

Unter solchen Bedingungen wird für viele ältere Menschen der Einkauf zu einem echten Problem. Wer nicht auf die Hilfe freundlicher Nachbarn oder eines Angehörigen zurückgreifen kann, findet beim Einkaufsdienst des Paritätischen in Hameln Unterstützung. Silvia Künne organisiert diesen Service, der unter der Telefonnummer 576114 zu erreichen ist. Sie sammelt die aufgegebenen Bestellungen, schickt Zivis und junge Leute, die ihr freiwilliges soziales Jahr absolvieren, mit Einkaufszetteln los und sorgt dafür, dass die Einkäufe am Ende auch bei der richtigen Adresse ankommen. Abgerechnet wird dieser Service nach Zeit: Eine Stunde kostet sieben Euro.

Die Treppen zum Tunnel am Rathausplatz waren gestern Morgen zwar frei, die Rampe daneben aber war nicht geräumt und darum auch nicht zu benutzen.

Fotos: Wal

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