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Das große Tankstellensterben ist auch an Hameln nicht spurlos vorbeigegangen

Wo sind sie nur geblieben?

Hameln. Früher gab es sie an jeder Ecke — die Tankstellen. Heute sind sie aus dem Stadtbild Hamelns nahezu verschwunden. Den 24-Stunden-Service und den Druck der Mineralölkonzerne konnten viele Besitzer nicht bewältigen. So wurden von 2006 bis 2016 allein 656 Tankstellen in Deutschland geschlossen.

veröffentlicht am 21.04.2016 um 11:45 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:46 Uhr

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Hameln. Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als es den Sprit fürs Auto noch in der Lohstraße gab? Oder am 164-Ring? Zusammen waren es vier „Tanken“ mitten in der Stadt, an denen man früher Kraftsoff nachfüllen konnte – gestört hat es offenbar niemanden. „Damals wurde an jeder Ecke eine Tankstelle gebaut“, erinnert sich Alfred Frengel, der an der Aral-Tanke an der Deisterstraße mit 17 Jahren eine Ausbildung zum Tankwart begann, und dort von 1956 bis -63 arbeitete. Die Aral, die bis heute gut frequentiert ist, gehörte früher Fritz Pütger, der bereits damals Tag und Nacht geöffnet hatte und aus einer damals hochmodernen „Glaskanzel“ den Überblick über das Geschehen hatte. An 14 Zapfsäulen bot er Sprit von sechs verschiedenen Mineralölfirmen an: Aral, BP, Esso, Nitag, Gasoline und Gasöl, erzählt Frengel. Einen Firmen-Mix boten damals auch andere an. Bis zu 5000 Liter habe man an der Deisterstraße am Tag verkauft. Und gewaschen: „Damals haben wir noch intensive Wagenpflege betrieben und im Sommer bis zu 150 Wagen am Tag gewaschen.“

Doch nicht nur viele Tankestellen in Zentrumsnähe sind mittlerweile aus dem Stadtbild verschwunden, auch an anderen Stellen wurden sie abgebaut, umgebaut, umfunktioniert. An einer der ältesten, der ehemaligen Tankstelle Schröder an der Deisterstraße (gegenüber Scala), residiert heute ein Reifenservice. Der Betrieb von Tankstellen lohnte sich für viele Betreiber im Laufe der Zeit nicht mehr. Wer etwas verdienen wollte, musste im Laufe der Jahrzehnte flexibel sein.

Druck der

Mineralölkonzerne wurde größer

„Vielen war die Umstellung auf den 24-Stunden-Service zu viel“, erinnert sich Anneliese Drexler, die mit ihrem Mann Roland die Shell-Tanke am Reimerdeskamp betrieben hat, wo sich einst vier Tankstellen befanden. „Der Druck der Mineralölkonzerne wurde größer damals, das wollten viele nicht mitmachen.“ Während die Besitzer und Pächter ihre Haupteinnahmen früher mit dem Verkauf von Sprit und Autoteilen wie Scheibenwischerblättern Zündkerzen oder Scheinwerferbirnen sowie Reparaturen erzielten, sichern heute lange Öffnungszeiten und ein breites Angebot im Tankstellenshop das finanzielle Überleben – nur durch den Verkauf von Sprit kann heute kein Pächter mehr überleben.

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An der Pyrmonter Straße gab es Tankstelle Hunold/Erbstein.

Aber wann begann eigentlich das große Tankstellensterben? Der größte Rückgang lässt sich in den 70er Jahren ausmachen: Zwischen 1970 und 1980 sank die Zahl von rund 46 091 auf 27 528 Stationen. Das Tankstellennetz in Deutschland schrumpft auch weiterhin – nur nicht mehr so schnell: Von 2006 bis 2016 wurden 656 Tankstellen geschlossen (Angaben: statista).

Eine Tankstelle, die tapfer ums Überleben kämpft, ist die Tankstelle von Stefan Wilde in Wehrbergen: Während die Ortsumgehung für das Dorf eine Wohltat war, bedeutete sie seine Tanke weniger Kunden. Zu abgelegen war sie auf einmal. Aber bisher laufe es noch, so Wilde.

Die größte Ausdehnung verzeichnete das bundesdeutsche Tankstellennetz übrigens 1969, damals wurden 46 684 Stationen registriert. Allerdings hatten sie zu dieser Zeit viel weniger Zapfsäulen als heute und waren deutlich kleiner.

Rund 21 Tankstellen gab es früher geschätzt in Hameln, einige sind bis heute dabei. Doch so wie früher wird es kaum: Am Reimerdeskamp, am Hastenbecker Weg und an der Klütstraße konnten sich Kunden jeweils zwischen vier verschiedenen Anbietern entscheiden, in Wehrbergen zwischen zwei. Eine weitere stand in der Morgensternstraße, am Ohrberg und an der Basbergstraße. An der Deisterstraße und zwei Stationen an der Pyrmonter Straße kann man bis heute tanken.

Derzeit gibt es 16 Tankstellen in Hameln, wenn man das Gewerbeaufsichtsamt in Hildesheim fragt. Dort werden allerdings auch heute noch die Tankstellen an der Basbergbergstraße und am 164er-Ring geführt…

Schicken Sie uns ihre Bilder von heute stillgelegten Tankstellen oder historische Aufnahmen an redaktion@dewezet.de



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