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Viele Tiere durch Krankheit verendet / Stechmücken übertragen für Vögel gefährlichen Usutu-Virus

Wo sind die Amseln hin?

HAMELN. Ihr lautes Gezeter ist nur noch spärlich zu hören. Amseln sind nur noch selten zu sehen. Und das ist kein reines Weserbergland-Phänomen. In ganz Deutschland haben sich etliche Vögel mit einem Virus infiziert – zu Tausenden sind sie daran verendet.

veröffentlicht am 20.12.2018 um 15:22 Uhr
aktualisiert am 20.12.2018 um 18:43 Uhr

Ein Amselweibchen streitet sich mit einem Männchen am Futterplatz. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Angebotene Apfelhälften bleiben unangepickt liegen. Auch Früchte der Ebereschen hängen noch an den Ästen. Wie schon im Herbst Trauben und Beeren an Büschen blieben. Eigentlich war auf die Amsel als ungebetener „Erntehelfer“ immer Verlass. Jetzt sind diese Vögel nur noch selten zu sehen.

Und das ist kein reines Weserbergland-Phänomen. In ganz Deutschland haben sich etliche Vögel mit einem Virus infiziert – zu Tausenden sind sie daran verendet. Ursache ist das Usutu-Virus, das von Stechmücken auf Vögel übertragen wird, heißt es beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika. Vermutlich haben es Zugvögel vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt.

In Deutschland trat das massive Vogelsterben erstmals im Jahr 2011 auf. Anfangs waren lediglich wärmebegünstigte Regionen im Süden betroffen. Seit 2016 stellen Wissenschaftler eine Ausbreitung nach Norden fest. In diesem Jahr hat es vor allem in Niedersachsen, Bremen und Hamburg massenhaft Schwarzdrosseln dahingerafft.

Durch das Virus verursachte Todesfälle von Vögeln treten jeweils während der Stechmückensaison von Mai bis September auf. Die Mücken seien in dieser Zeit vollgepackt mit und Viren übertragen die Erreger besonders intensiv, sagen Experten. „Eigentlich war es ein schlechtes Mückenjahr, trotzdem kam es vermehrt zu den Infektionen“, weiß Julian Heiermann, Referent für Umweltinformationen beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Offenbar fällt das starke Auftreten von Usutu-Infektionen nicht mit einer großen Zahl an Stechmücken zusammen, die in diesem Jahr wegen der großen Trockenheit gerade in Norddeutschland eher in kleinen Mengen auftraten. Das lässt Forscher vermuten, dass die für die Virenvermehrung innerhalb der Mücken wichtige Wärme einen größeren Effekt auf die Virenverbreitung hat als die bloße Zahl an Stechmücken als potenzielle Überträger.

Die Symptome: Die Vögel wirken apathisch, sie fliehen nicht mehr, wenn sich Menschen ihnen nähern, und sterben binnen weniger Tage. „Typisch für erkrankte Tiere ist auch, dass sie sich am Kopf und Hals kratzen, Federn verlieren und fast schon wie kleine Geier aussehen“, beschreibt Heiermann Krankheitsanzeichen von betroffenen Tieren.

Auch eine Übertragung von Usutu-Viren auf den Menschen scheint in Deutschland möglich, sei aber noch kein Grund zu Sorge und werde von Blutspendezentren gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen weiter beobachtet, vermeldet das BNITM. Eine Übertragung der Viren über Stechmücken soll eher zufällig erfolgen und könne zum Usutu-Fieber führen, so das Hamburger Institut. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge.

Information

Stunde der Wintervögel zwischen 4. und 6. Januar

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ruft Vogelfreunde auf, in der Zeit vom 4. bis 6. Januar 2019 bei der neunten bundesweitstattfindenden „Stunde der Wintervögel“ mitzumachen. „Neben den Standvögeln, die das ganze Jahr über bei uns bleiben, lassen sich auch zusätzliche Wintergäste wie Birkenzeisige beobachten, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa zogen“, so der Nabu. Über 136 000 Vogelfreunde haben sich Anfang 2018 an der vorherigen Aktion beteiligt und Zählungen aus über 92 000 Gärten übermittelt – für die Naturschutzorganisation ein neuer Rekord. Ziel soll nicht sein, möglichst viele Vögel zu beobachten, sondern ein realistisches, über die Jahre vergleichbares Bild zu erhalten. Die Tageszeit spielt beim Zählen keine Rolle. Es soll von jeder Art die höchste Anzahl von Vögeln notiert werden, die sich während einer Stunde gleichzeitig beobachten lassen. Anhand der gemeldeten Daten will sich der Nabu einen Überblick über die Bestände und deren Vorkommen verschaffen.

Was genau die Amseln so anfällig macht, wissen die Forscher noch nicht. Auch in anderen Vogelarten wie Haussperlingen und Staren haben Wissenschaftler das Virus entdeckt. Doch diese Vögel wurden nicht häufiger verendet aufgefunden. „Auch bei uns haben sich mehrere besorgte Tierfreunde gemeldet, die die Amseln vermissen“, sagt Oliver Nacke, Ornithologe beim Nabu-Kreisverband Hameln-Pyrmont. Zudem wurden beim Nabu zwei verendete Vögel abgegeben. Die Tiere wurden zu Untersuchungszwecken eingeschickt. Eine Rückmeldung, ob die Amseln durch eine Usutu-Infektion verendeten, hat der Vogelexperte noch nicht erhalten.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass mal ganz viele Vögel im Garten sind und plötzlich mehrere tagelang verschwunden bleiben, meint Heiermann. „Wir vom Nabu sagen nicht, dass sich der Bestand der Amseln um 20 bis 30 Prozent verringert hat, weil wir es nicht genau wissen. Wir warten jetzt sehnsüchtig unsere nächste Vogelzählung Anfang Januar ab“, so der Nabu-Sprecher.

Bei der diesjährigen bundesweiten Zählung im Januar war die Amsel noch der am fünfthäufigste beobachtete Vogel. 287 395 Mal kreuzten Beobachter die Schwarzdrossel auf ihren Zählbögen an. Die Art war in neun von zehn Gärten vertreten.



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