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Zwischenbilanz: Mehr Frühstücksgäste im Senior-Schläger-Haus / Bedürftige werden immer jünger

Wo Obdachlose ein Stück Zuhause finden

Hameln (ww). 35 Brötchen pro Tag haben die Organisatoren anfangs eingeplant, inzwischen müssen an manchen Tagen 50 und mehr vom Bäcker gegenüber geholt werden: Seit dem 15. Oktober gibt es wieder das Obdachlosenfrühstück im Senior-Schläger-Haus. Bereits zum 16. Mal decken die Hamelner Kirchengemeinden die Tische für all die Menschen in der Stadt, die kein warmes Zuhause haben, von Obdachlosigkeit bedroht oder bedürftig sind. Bis zum 5. April sind hier zwischen 7.30 Uhr und 9 Uhr all diejenigen willkommen, die sich an Kaffee und Tee wärmen, an Brötchen, Aufschnitt und Obst stärken möchten; für viele wird diese erste Mahlzeit des Tages die einzige bleiben.

veröffentlicht am 09.12.2012 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 01:41 Uhr

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„Wir stellen in diesem Jahr fest, dass wir verstärkt Zulauf bekommen“, berichtet Johannes Fuchs, der neben dem Referenten der katholischen St.- Augustinus-Gemeinde, Stefan Keil, und dem evangelisch-reformierten Pastor Martin Hoffmann einer der Koordinatoren des Obdachlosenfrühstücks ist. Im Vorjahr seien im Schnitt zehn bis 20 Besucher am Tag ins Senior-Schläger- Haus gekommen, der Rekord in diesem Jahr liegt bislang bei 34 Frühstücksgästen. „Obwohl wir uns freuen, dass unser Angebot so gut angekommen wird, können wir auf diesen Rekord doch gerne verzichten, denn er ist eigentlich ein trauriger“, sagt Johannes Fuchs.

Die Struktur der Besucher, erklärt Annika Burgdorf, habe sich in den vergangenen Jahren verändert. „Die Personen, die zu uns kommen, sind zwar zum größten Teil über 20 Jahre alt, im Schnitt werden sie aber immer jünger“, sagt die Sozialarbeiterin. Auch nähmen mehr Männer als Frauen das Angebot wahr, wenige Familien, „zum Glück hatten wir in diesem Jahr erst ein Kind hier“, zeigen sich die Koordinatoren erleichtert.

„Das sind ganz verschiedene Menschen, die aus ganz verschiedenen Gründen auf ganz verschiedenen Arten und Weisen obdachlos sind“, erklärt Stefan Keil weiter: Manche der Besucher würden bereits seit mehreren Jahren auf der Straße leben und auch schlafen, „Platte machen“, wie es hier heißt, sind in den Hamelner Einrichtungen also keine Unbekannten.

„Oft kommen aber auch Menschen zu uns, die kurzfristig in Not geraten oder aus ihren Wohnungen geflogen sind und nun nicht wissen, wohin sie sollen“, so Keil. Zudem seien unter den Gästen viele Durchreisende ohne festen Wohnsitz, die sich von einer Stadt zur nächsten treiben lassen und nie länger als ein paar Tage an einem Ort blieben.

„Für uns spielt es keine Rolle, ob jemand obdachlos ist oder in einer Wohnung lebt und in eine Notsituation geraten ist“, stellt Pastor Martin Hoffmann klar. Armut könne jeden erreichen, von heute auf morgen – „deshalb ist es auch so wichtig, nicht von oben herab auf unsere Gäste zu blicken, sondern Hilfe auf Augenhöhe anzubieten“, so Hoffmann. Außerdem: „Die innere Heimatlosigkeit kann genauso erdrückend sein wie die Wohnungslosigkeit.“

An den Sonntagen, wenn alle anderen Anlaufstellen geschlossen sind, gibt es daher im Senior-Schläger-Haus zwischen 14.30 Uhr und 17 Uhr Kaffee und Kuchen, denn, so erklärt der Pastor: „Einsamkeit wird vor allem am Wochenende erlebt, und hier finden die Bedürftigen Wärme und ein kleines Stück Zuhause.“

Die Organisation des Frühstücks wird Woche für Woche von einer anderen Kirchengemeinde übernommen, 15 Gemeinden und ein Service-Club sind derzeit mit im Boot, 25 Wochen lang wird gefrühstückt. Und die Organisation umfasst auch das Befüllen des Kühlschranks: Lebensmittel für rund 100 Euro stellt jede Gemeinde zur Verfügung, finanziert aus Spenden.

Spenden kann übrigens auch das Senior-Schläger- Haus gut gebrauchen, Geld genauso gut wie Materialspenden. Sozialarbeiterin Burgdorf: „Vor allem für den Winter brauchen wir Schlafsäcke, Decken, Regenjacken und Handtücher, die wir dann verteilen können.“



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