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Chinesen glänzen mit „Konfuzius“

Wo Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden

Hameln. Mehr als 2000 Jahre liegen die Anfänge der chinesischen Akrobatik zurück: Sie reichen vermutlich bis in jene Zeit, in der auch Konfuzius (551 bis 479 v. Chr.) lebte. Was liegt da näher, als die Weisheiten dieses großen Philosophen mit ungewöhnlicher Artistik zu verschmelzen und die einst von Konfuzius gepredigte Einheit von Körper, Geist und Seele in akrobatischer Perfektion auf der Bühne sichtbar zu machen?

veröffentlicht am 08.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Atemlosigkeit beim Publikum

Dem Chinesischen Nationalcircus gelang dies am Dienstagabend in der Rattenfänger-Halle scheinbar mühelos und mit so fantastischer Leichtigkeit und Anmut, dass das harte Training für diesen Auftritt, die eiserne Konzentration und der körperliche Kraftakt hinter den spektakulären Nummern allenfalls zu erahnen waren. Da war nichts zu spüren von Anspannung und blank liegenden Nerven. Stattdessen: Atemlosigkeit beim Publikum und immer wieder aufbrandender Szenenapplaus angesichts schier unglaublicher Kunststücke.

Jonglagen, Kontorsion, Equilibristik – die klassischen Elemente der Artistik werden vom Chinesischen Nationalcircus virtuos bedient und in der „Konfuzius“-Show als zauberhafte Collage voller Poesie und Verspieltheit inszeniert. In einer Videoeinspielung schlüpft Produzent und Tourneeleiter Raoul Schoregge selbst in die Rolle des Konfuzius, setzt nachdrücklich zwischen den Show-Teilen Zäsuren, wenn er aus dem Leben des chinesischen Lehrmeisters erzählt und dessen Weisheiten zitiert. Philosophische Sprüche wie „Die Lebensspanne ist dieselbe, ob man sie lachend oder weinend verbringt“, „Keine Straße ist zu lang mit einem Freund an der Seite“, „Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer“, oder die wohl bekannteste konfuzianische Lebenslehre „In der Ruhe liegt die Kraft“ gehen den artistischen Inszenierungen voraus: Sie bereiten den Weg für eine Choreographie, die das Gesagte künstlerisch umzusetzen versucht. Das verlangt vom Publikum viel Fantasie, ist oft nicht leicht nachvollziehbar. Doch selbst wenn sich der tiefere Sinn nicht immer erschließt, wirkt der Zauber der Darbietungen, bei denen nicht und das ansprechende Bühnenbild eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

Ob Rhönrad, Seilakrobatik, Teller-Jonglage, das Spiel mit Tonnen, Trommeln, Hüten, Fächern oder Fahnen – immer ist mit den Requisiten dieser Show auch ausgefeilte, schwerelos wirkende Körperkunst verbunden. Da werden menschliche Pyramiden gebaut, scheinen Knochen aus Gummi zu bestehen, mutieren Artisten zu liebenswerten chinesischen Löwen.

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Ein Traum: die Musik von Lang Lang. Mit ausgeprägtem Gespür für Emotionen unterlegt der weltweit gefeierte Pianist die Choreographie von Sun Qing Qing mit sanften oder dramatischen Klängen, entführt das Publikum in eine Welt, die westliche und fernöstliche Klänge virtuos in Einklang bringt.

Am Ende: stürmischer Applaus, Begeisterungspfiffe und stehende Ovationen für ein Ensemble, das nun schon zum sechsten Mal in Hameln gastierte und nach „Buddha“ im vergangenen Jahr auch mit der aktuellen „Konfuzius“-Show seine Fans nicht enttäuschte.

Leichtigkeit, Anmut und Poesie prägen die Körperkunst des Chinesischen Nationalcircus: Mit „Konfuzius“ begeisterte das Ensemble in der Rattenfänger-Halle. Fotos: Dana

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