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Pläne für Senioren-Parcours kommen in der Politik gut an – doch noch sind zentrale Fragen offen

Wo ist Platz für einen Bewegungspark?

Hameln (ni). „Seniorenspielplatz“ hießen die ersten Pilotprojekte noch etwas despektierlich. Inzwischen tragen sie würdevollere Bezeichnungen wie „Bewegungsparcours“ oder „Bewegungspark“ und erobern Deutschlands Städte: kleine Sportanlagen an zentral gelegenen Orten und ausgestattet mit Geräten, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt sind, an denen sich aber durchaus auch Jüngere gern bewegen. Bad Pyrmont hat seinen Bewegungspark schon, Hameln soll ihn erhalten – wünscht sich jedenfalls der Seniorenrat der Stadt.

veröffentlicht am 05.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:41 Uhr

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Norbert Raabe, von der Pyrmonter Anlage genau so begeistert wie von ihrem Nutzen überzeugt, hat dem Seniorenrat die Idee nahegebracht. Bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Familie und Kultur versuchte der für seinen Pragmatismus bekannte Geschäftsführer des Paritätischen, auch die Politik dafür zu gewinnen. Das vermeintlich größte Hindernis – nämlich die Frage des Geldes – räumte er beiseite: „Auf städtische Mittel würden wir gern verzichten, weil es dann viel zu lange dauert“, sagte Raabe. In Pyrmont hätte der Seniorenbeirat 25 000 Euro für die Anschaffung der Geräte gesammelt, „das schaffen wir in Hameln auch“. Die Stadt solle lediglich einen geeigneten Platz zur Verfügung stellen.

Aber was heißt geeignet? Gute Erreichbarkeit, zentrale Lage, Bänke und Toiletten in der Nähe, nicht direkt auf dem Präsentierteller aber auch nicht irgendwo hinter Hecken oder Mauern verborgen – Raabe und Werner Schäfer vom Seniorenrat zählten die Kriterien auf und zogen daraus den Schluss: Der Bürgergarten erfüllt sie am besten. Bänke gibt es dort schon, ein öffentliches WC ebenfalls, und außerdem sei die Grünanlage mitten in der Stadt schon heute ein beliebtes Ziel der Senioren. Ralf Wilde, Leiter des Fachbereichs für Umwelt und technische Dienste, war von dieser Wahl allerdings nicht so begeistert. Sein Einwand: Im Bürgergarten fänden viele Veranstaltungen statt, die Geräte könnten im Weg stehen oder von weinseeligen Besuchern demoliert werden. Er versuchte Raabe, Schneider und dem Ausschuss das Scharnhorstgelände oder auch die Grünanlage am 164er Ring schmackhaft zu machen. Die beiden Christdemokraten Gerhard Paschwitz und Walter Klemme gaben dem Bürgergarten den Vorzug, ihr Fraktionskollege Axel Kienscherf plädierte gemeinsam mit Werner Sattler (SPD) für das Scharnhorstareal, die Grüne Ulrike Metje brachte als Alternative das Werder ins Spiel. Die Standortfrage blieb ungeklärt.

Pyrmont hat mit seinem Bewegungspark bislang gute Erfahrungen gemacht. „Das Angebot wird sehr gut genutzt, von weit mehr als 100 Menschen in der Woche“, weiß Pressesprecher Wolfgang Siefert. Der Standort sei in der Kurstadt optimal gewählt, nämlich „an einem viel frequentierten Weg“. WC und Bänke waren dort schon vorhanden, Schilder, um auf das Angebot aufmerksam zu machen, nicht nötig – alles Faktoren, die sich günstig auf die Kosten ausgewirkt hätten.

Gegen einen Bewegungspark für Hamelns Senioren erhob sich in der Politik keine Stimme, Bedenken wurden gleichwohl geäußert – und zwar hinsichtlich Pflege, Wartung und somit Folgekosten der Anlage. Raabes Angebot, die Unterhaltung der Geräte ließe sich über die Freiwilligenagentur sicher ehrenamtlich organisierten, wollte und konnte Wilde nicht annehmen: „Wenn die Geräte auf städtischem Grund stehen, sind wir dafür verantwortlich. Wenn dort etwas passiert, weil ein Gerät nicht in Ordnung war, haften wir“. Aus dieser Verantwortung komme die Stadt nicht raus. Unterhaltung aber koste Geld, darüber müsse sich die Politik im Klaren sein. Doch wenn es politisch gewollt sei, so Wilde, „dann können wir natürlich zu allen Spielplätzen, die wir jetzt schon warten auch diesen Spielplatz noch warten.“

Im Gegensatz zu Wilde, in dessen Fachbereichs-Budget sich die möglichen Folgekosten niederschlagen würden, zeigte Hamelns Stadträtin Gaby Willamowius große Sympathien für den Vorstoß des Seniorenrates und ließ weniger Vorbehalte gegenüber einem Bewegungspark erkennen. Die Dezernentin, die mit der von ihr angestoßenen Initiative „Hameln in Bewegung“ versetzen will, fand: „Das passt wunderbar dazu.“ Sie empfahl Paritäten und Seniorenrat, als offizielle „Projektträger“ bei der Stadt Hameln einen Förderantrag für den Parcours zu stellen und sich um Zuschüsse zu bewerben, die die Eugen-Reintjes-Stiftung für „Hameln-in-Bewegung“-Projekte zur Verfügung gestellt hat.

In Bad Pyrmont wird der Bewegungspark für Senioren gut angenommen. Das Foto zeigt Hans-Georg von Bodecker, damaliger Pyrmonter Seniorenbeirats-Vorsitzender, und Wiebke Martensen vom Jugendparlament bei der Eröffnung im vergangenen Jahr. Die Rattenfängerstadt soll jetzt nachziehen, fordert der Hamelner Seniorenrat.

Foto: Archiv/yt



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