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Bis Oktober werden drei Flächen untersucht / Haverbecker protestieren schon / Nabenhöhe 100 Meter

Wo in Hameln sollen sich Windräder drehen?

Drei Gebiete – zwei bei Haverbeck und eins bei Hilligsfeld – sollen bis Oktober auf ihre Eignung untersucht werden. Vorkommen von Rotmilan, Fledermaus und Uhu spielen dabei eine entscheidende Rolle.

veröffentlicht am 03.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 09:21 Uhr

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Windräder drehen sich bei Fischbeck, hier von Halvestorf aus gesehen. Im Gegenteil zur Stadt Hessisch Oldendorf müssen Standorte in Hameln erst noch untersucht werden.Foto: Dana

Hameln (CK). Es scheint so etwas wie die Quadratur des Kreises zu sein: Alle sind für erneuerbare Energien, aber keiner möchte Windräder gewissermaßen vor seiner Haustür haben. Auch während der letzten Sitzung des Ausschusses für erneuerbare Energien, Bau und Umwelt wurde der Konflikt deutlich. Da ging es um einen Beschlussvorschlag zur Änderung des Flächennutzungsplanes. Und diese Änderung soll es ermöglichen, Vorranggebiete für Windenergieanlagen darzustellen, also mögliche Standorte, auf denen Windräder gebaut werden könnten.

Der Beschluss ist nach Auffassung der Verwaltung nötig, denn durch die Ausweisung von Flächen sind andere Standorte künftig ausgeschlossen. Vorerst aber sollen drei infrage kommenden Flächen erstmal auf ihre Eignung untersucht werden. Das machte auch Stadtplanerin Michaela Klank den Ausschussmitgliedern deutlich: „Es geht nicht um eine Festlegung von Standorten. Der Änderungsbeschluss zum Flächennutzungsplan soll nur für Rechtssicherheit sorgen.“

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Aufgrund verschiedener Kriterien, die dem Ausschuss in einem Zwischenbericht genannt wurden, gibt es zurzeit sieben Eignungsflächen für Windenenergieanlagen, die bereits auf die Anforderungen an den Artenschutz untersucht worden sind. Für das weitere Vorgehen hat die Verwaltung eine Vorauswahl getroffen und davon drei Flächen zu einer weiteren Untersuchung und Kartierung von Brutvögeln und Fledermäusen vorgeschlagen, die bis Oktober auf ihre Eignung geprüft werden sollen: „Lietberg“ nordwestlich Hilligsfeld sowie je eine Fläche südwestlich und eine südöstlich Haverbeck. Für diese drei Flächen soll die Darstellung als Vorranggebiet für die Windenergienutzung erfolgen, sofern die weiteren Untersuchungen zu Fledermausvorkommen und Brutvögel nicht dagegen sprechen.

Im Ortsrat Haverbeck hatte es bereits im Vorfeld Kritik gegeben; manche befürchten, dass die „Spargel“ die Landschaft verschandeln, dass keine Neubürger mehr in diesem Ortsteil bauen werden, sollten hier Windräder entstehen. Die Stadt könne ja an ihren Rändern solche Anlagen bauen, lautete eine – allerdings unrealistische Forderung – in Haverbeck. Denn für alle Windenergieanlagen gibt es diverse Ausschlusskriterien, an denen sich die Stadt orientieren muss. Und weist sie gar keine Vorranggebiete aus, könnte ein potenzieller Investor nach Belieben (fast) überall bauen.

Apropos Investoren: Sie haben ein wirtschaftliches Interesse an möglichst hohen Windrädern. Deshalb soll, anders als noch 1998, als Hameln ein Vorranggebiet „Am Babser Wege/Am Hespen“ im Bereich Afferde ausgewiesen hatte, die Nabenhöhe nicht mehr auf maximal 85, sondern auf etwa 100 Meter begrenzt werden, plus Rotorblätter. Anders, so die Überzeugung von Betreibern aus anderen Regionen, seien Windräder nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Kleine Fläche

kaum wirtschaftlich

Besonders wirtschaftlich wäre die damalige Fläche, die zu rund 85 Prozent in der Gemarkung Afferde liegt, ohnehin nicht zu betreiben gewesen. Denn aufgrund der Größe des Areals könnten hier lediglich drei Windräder entstehen; innerhalb dieser Vorrangfläche sind bislang noch keine Windenergieanlagen errichtet worden. Ohnehin sollte nach Meinung der Verwaltung die Aufhebung dieser Vorrangfläche geprüft werden, falls, etwa die Fläche „Lietberg“ in Betracht kommt.

Die jetzt zu untersuchenden Flächen erfüllen bereits manche Voraussetzungen: Vor allem das Areal nordwestlich Hilligsfeld – es ist mit rund 35 Hektar bei weitem das größte – kann nach den Worten der Verwaltung die angestrebte Konzentrationswirkung erfüllen. Die Flächen rund um Haverbeck könnten als Alternativstandorte infrage kommen. Da es aber bereits einen Standort westlich von Lachem gibt, sollte dann nur einer der beiden Vorrang-Standorte für Hameln ausgewiesen werden, heißt es. Haverbecks Ortsbürgermeister Thorsten Sander sieht das erstmal gelassen: „Das ist nur eine Voruntersuchung, vor allem auf Umweltverträglichkeit. Und es gibt immer Befürworter und Gegner.“

„Windenergie ist

viel zu teuer“

Friedrich-Wilhelm Meyer wohnt in Hilligsfeld und hält Windenergie prinzipiell erstmal für „viel zu teuer“. Aber wenn man Kernkraftwerke abschalten und dadurch teilweise ersetzen wolle, dann bitte dort, wo Windanlagen „etwas bringen“. „Sie sind weit genug weg vom Ort, dann sollte man das so hinnehmen“, sagt der Hilligsfelder.

Fakten:

Ausschlusskriterien

Windenergieanlagen im Gebiet der Stadt Hameln und ihrer Ortsteile müssen mindestens 750 Meter Abstand zu einer Wohnbebauung haben. Stark in den Fokus gerückt ist der Arten-, besonders der Vogel-und Fledermausschutz, da vor allem Großvogelarten wie der Rotmilan oder der Uhu oft mit Windrädern kollidieren.

Zu berücksichtigen ist bei der Planung außerdem, ob Flächen im Landschaftsschutzgebiet liegen, was im Zweifelsfall aber unter Umständen aufgehoben werden könnte. Zu bereits bestehenden Anlagen sollten ferner fünf Kilometer Abstand gegeben sein. Die Empfehlungen stehen jedoch unter dem Vorbehalt der Abwägung im Einzelfall. Übrigens: Jede Standortuntersuchung kostet etwa 7000 Euro.

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