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Der „Rundweg Wehl“ ist eine der schönsten Wanderstrecken von neun markierten Routen

Wo Hamelns Stadtwald seinen Reichtum zeigt

Hameln. Wälder, Lichtungen, Bäche, Täler, verschlungene Pfade, undurchdringliches Dickicht, überraschende Ausblicke: Hamelns Stadtforst hat zu jeder Jahreszeit seinen Reiz. Hier gibt es unendlich viel zu entdecken. Stadtförster Ottmar Heise kennt sein Revier. Und will es auch anderen schmackhaft machen. Im Stadtforstamt wurde deshalb ein Projekt verwirklicht, das neun Rundwanderwege ausweist und markiert. Eine der schönsten und abwechslungsreichsten Strecken ist Route 8, der „Rundweg Wehl“.

veröffentlicht am 02.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 07:21 Uhr

Wertvolles Totholz: ein Baumstumpf mit Zunderschwamm.

Autor:

Karin Rohr
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Schon zum Auftakt des mit gelben Hinweisschildern gut markierten Waldpfades – ein Höhepunkt: der verwunschen gelegene Weiher unweit des Lokals „Forsthaus Wehl“. „Das ist ein ehemaliger Fischteich, der in ein Feuchtbiotop umgewandelt wurde“, erzählt Heise. Forellen gibt es hier nicht mehr – „die brauchen Fließgewässer“, aber Stichlinge und andere Teichfische. Und Lurche, Molche, Feuersalamander. „Mit ganz viel Glück sieht man sogar einen Eisvogel“, weiß Förster Heise. Und ab und zu entdecke man auch mal einen Graureiher am Ufer. Das „fliegende Juwel“ lässt sich an diesem Morgen zwar nicht blicken – aber, da, im Schilf, steht er: der Reiher. „Alles für den Showeffekt“, meint Heise schmunzelnd: „Den habe ich extra bestellt.“ Der Graureiher und Heises Dackelhündin Birka ignorieren sich gegenseitig.

Zunächst geht’s am Ostrand des Friedhofs Wehl entlang. Der Wehlbach begleitet uns. Heise zeigt auf einen Buchenstumpf, an dem sich Zunderschwamm ausbreitet: „Der heißt so, weil man damit Feuer machen kann“, erklärt der Förster. Und sein Wirt, der abgestorbene Baumstamm, sei wertvolles Totholz: „Fünf Bäume pro Hektar bleiben für Totholz stehen.“ Verrottende Baumstümpfe und Stämme sind mit ihren Insekten und Mikroorganismen ein wichtiges Glied in der „Lebensgemeinschaft Wald“ und Nahrungsquelle für viele Tiere. Dagegen stößt der wuchernde Sachalin-Knöterich am Wegesrand bei dem Förster auf keine Gegenliebe. „Der kommt durch Gartenabfälle in den Wald und breitet sich leider tierisch aus.“

Vorbei geht’s an einem Hochwasser-Rückhaltebecken für Starkregenfälle, das wie ein kleiner Teich ausschaut. Einige Bäume tragen rote Markierungen – „für Hiebsmaßnahmen“, führt Heise aus. Der Pflege des Waldes – gut 15 verschiedene Arten finden wir allein auf dem „Rundweg Wehl“ – gilt Heises besonderes Augenmerk: Auf den fließenden Übergang vom „Altbestand“ zur „Naturverjüngung“ weist der Förster hin und erklärt, wann eine „Auslichtung“ der nachwachsenden Jungbäume vorgenommen werden müsse. Beim Abstecher zu „Hoyers Eiche“ führt der idyllische Waldpfad über eine hölzerne Brücke und vorbei an Bäumen, die mit einem „H“ gekennzeichnet sind: „H steht für Habitat“, so Heise. Es bedeute, dass dieser Baum nicht gefällt werde, sondern natürlich absterben dürfe – und zu Totholz wird. Die markante „Hoyers Eiche“, die vor 500 Jahren wohl als Grenzbaum gepflanzt wurde, hat bislang alle Wetterunbilden überlebt. Auch „Kyrill“. Andernorts hat der Orkan unübersehbar gewütet. Auf den so entstandenen freien Waldflächen haben lichtliebende Bäume ihre Chance genutzt: Birken und Erlen zum Beispiel.

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„Hoyers Eiche“ trotzt seit 500 Jahren allen Wetterunbilden.

Weithin sichtbar am Wegesrand: Vogelbeerbäume mit ihren roten Früchten. Auch Binsen entdeckt man, ja, sogar Heidelbeerpflanzen, die eigentlich untypisch für unsere Mischwälder sind. Immer wieder bilden riesige Farne große Teppiche. Auch unter Nadelhölzern wie Fichten, Douglasien oder Lärchen. Von der auf dem Rundweg liegenden Ützenburg, einer Fluchtburg aus dem 10. Jahrhundert, ist nichts mehr zu sehen: Hier wurde später Keupersandstein abgebaut. Inzwischen erobert sich der Wald den ehemaligen Steinbruch zurück. Sensationell ist der Ausblick an der Ützenburg. Er wird extra freigehalten. Und so schweift der Blick über das Wesertal bis zum Bückeberg und Grohnde. Schier unmöglich, alles aufzuzählen, was man am Wegesrand entdeckt, wenn man offenen Auges die Natur durchstreift. Eine gute Stunde dauert diese längste Rundtour. Es gibt auch kürzere.

Den Flyer mit allen neun ausgewiesenen Routen durch Hamelns Stadtwald gibt’s bei der Tourist-Info.

Der schmale Waldpfad zu „Hoyers Eiche“ führt über eine Holzbrücke: Stadtförster Ottmar Heise kennt sein Revier wie kein anderer.

Wer ein Auge für Strukturen hat, wird im Wald überall fündig: Dieser Stumpf zeigt, dass der Baumstamm hohl war.

Ausblick an der Ützenburg: Von hier aus überschaut man das Wesertal bis zum Bückeberg und Grohnde.



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