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Vier Pfeifer-Plakate zierten im Laufe der Jahre das Kaufhaus in der Osterstraße: Jetzt ist Schluss

Wo der Rattenfänger ausgespielt hat …

Hameln. Es geschah anno 2003: Da wurde am 11. April, pünktlich um 11 Uhr, das letzte von vier Rattenfänger-Plakaten enthüllt, die im Laufe der Jahre die Fassade des ehemaligen Karstadt/Hertie-Hauses zierten. Diese Zeiten sind vorbei: Nach Abschluss der aktuellen Renovierungsarbeiten soll dort kein Plakat mit dem Pfeifer mehr hängen. das würde vom Stil her auch nicht passen: Denn die Rossmann GmbH, die die Immobilie erworben hat, gab der Fassade eine neue Optik – mit größeren Fenstern und grauen Granitplatten, die den Obernkirchener Sandstein auflockern.

veröffentlicht am 25.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Hamelns traditionsreiches Kaufhaus, dessen Warenhaus-Ära 1961 mit Kepa begann, sich 1978 mit der Übernahme durch Karstadt fortsetzte und schließlich mit Hertie und dem britischen Investor Dawnay Day in die Insolvenz ging, hatte dem Rattenfänger immer wieder eine Plattform gegeben – in Form von Transparenten, die gut sichtbar an der anspruchslos gestalteten Hausfront zur Osterstraße die Sage aufgriffen. Vom Stil her haben sich alle vier Plakate deutlich unterschieden: Mal war die Darstellung des Pfeifers eher kindlich-naiv, ein andermal wirkte sie wie eine Buch-Illustration, und zum 700-jährigen Rattenfängerjubiläum zierte eine grafisch anspruchsvolle, abstrahierte Darstellung des sagenhaften Flötenspielers die Kaufhaus-Fassade. Dieser Entwurf von Klaus Zimmer, dem ehemaligen Kultur-Chef der Dewezet, ist bis heute das wohl bekannteste Plakat, auch wenn es nicht das letzte war, das aufgehängt wurde. Zimmers Rattenfänger kam so gut an, dass er als Glasfenster umgesetzt wurde und seither die Marktkirche schmückt.

„Stadt und Verkehrsverein hatten damals einen Plakatwettbewerb ausgeschrieben“, erinnert sich Zimmer. Zunächst wollte er sich nicht beteiligen, wurde dann aber durch Eiko Hartmann, den Direktor des Verkehrsvereins, dazu animiert. „Ich war überrascht, dass mein Entwurf einstimmig angenommen wurde“, sagt Zimmer. Weil das Motiv wie ein bleiverglastes Fenster angelegt war, sprach sich der Rat der Stadt später für das Kirchenfenster aus, das dann durch Spenden finanziert wurde. Die Ausführung übernahm die Hamelner Fachfirma Artmeier. Wie viele Jahre das Zimmer-Plakat dort hing, lässt sich heute nicht mehr genau nachvollziehen. Aber das Motiv wurde touristisch weltweit vermarktet – „bis nach Japan“, weiß Zimmer.

In den 90er Jahren warb Karstadt an der Hausfassade mit zwei Rattenfänger-Motiven, die bereits Schriftzüge mit der Sage trugen und an den Auszug der Kinder erinnerten. Als am 11. April 2003 der damalige Karstadt-Filialleiter Thomas Wlost zu den Klängen von Rattenfänger Michael Boyer das Transparent enthüllte, das der frühere Schauwerbeleiter Karl Binder zum 25-jährigen Bestehen des Hamelner Kaufhauses geschaffen hatte, ahnte er nicht, dass dies das letzte Plakat sein würde, das die Kaufhaus-Fassade ziert. Die Rossmann GmbH hatte gleich signalisiert, dass sie an dem sechs mal sechs Meter großen Pfeifer-Transparent nicht interessiert sei. Was mit dem Plakat geschehen soll, muss Projektleiterin Wiebke Wittfoot erst noch klären, beziehungsweise prüfen, wem dies eigentlich gehört. Denn die Stadt scheint es nicht haben zu wollen. Die Plane auf Seilkonstruktion, die „schon etwas ausgefranst“ sei, wurde vorläufig auf der Baustelle gesichert.

4 Bilder

Das letzte Plakat, das an dem ehemaligen Karstadt/Hertie-Haus in der Osterstraße hing (ganz li.), schuf Karl Binder. Der an ein Glasfenster erinnernde Entwurf (li.) stammt von Klaus Zimmer.

Auch die beiden anderen Transparente (unten) hingen zwischenzeitlich an der Fasse des Kaufhauses.

Fotos: Archiv



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