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Suche nach der GDL wird zur Geduldsprobe

Wo, bitte, geht’s zum Streik?

Hameln. Tausende Berufspendler, die – eigentlich – täglich mit der Bahn zur Arbeit fahren, sind gestern wegen des XXL-Bahnstreiks zuhauf aufs Auto umgestiegen. Fahrgemeinschaften haben sie gebildet oder sind mit dem Bus gefahren, sie sind früher aufgestanden, haben Umwege in Kauf genommen. Und haben auf das Verständnis ihrer Chefs gehofft, wenn sie am Ende zu spät ins Büro oder in die Werkstatt gekommen sind. Für den Streik an und für sich haben bundesweit nach einer Umfrage des Nachrichtensenders n-tv tatsächlich nur noch 21 Prozent der Deutschen Verständnis.

veröffentlicht am 06.11.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

von thomas thimm und lotta drügemöller
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„Ich weiß auch

nicht, wer streikt, und wer nicht“

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat bekanntlich Lokführer, Rangierführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren und Trainer zu einem viertägigen und damit zum längsten Arbeitskampf in der Geschichte der Deutschen Bahn aufgerufen. Das Ergebnis in Hameln: Der Bahnhof war gestern gruselig leer, Züge fuhren nur sporadisch. Es waren aber nicht nur keine Fahrgäste da, sondern auch keine Streikenden, die vor Ort – und vielleicht auch mal vor potenziellen Fahrgästen – Flagge gezeigt hätten. Um herauszufinden, wo die Streikenden gestern waren und was sie den Tag über gemacht haben, haben wir uns auf die Suche nach Streikenden, Streikposten und Streikbüro gemacht.

Leichter gesagt als getan. Wer denkt, man könne die GDL in Hameln einfach mal anrufen, der irrt. Im Telefonbuch ist sie nicht zu finden, auf der Homepage ist keine Telefonnummer vermerkt. Eine bereits am Mittwoch an die GDL-Ortsgruppe Hameln verschickte E-Mail mit der Bitte um Rückruf blieb bis gestern Abend unbeantwortet. Auch der Umweg über die GDL-Ortsgruppe Hannover endet in einer Sackgasse. Der dortige Ortsgruppen-Vorsitzende Jan Manfras sagt auf die Frage, ob er uns mit streikenden Lokführern zusammenbringen könne: „Das ist schwierig. Ich weiß auch nicht, wer streikt und wer nicht.“ Außerdem sei ja die Ortsgruppe Hameln zuständig. Ja, eben. Deshalb hatten wir es dort ja auch versucht. Ob Manfras mit einer Telefonnummer aushelfen kann? Klare Antwort: „Nein.“

Dann versuchen wir es eben am Streiktag selbst direkt vor Ort am Hamelner Bahnhof. Doch weder vor noch im Bahnhof sind streikende Lokführer oder Spuren davon zu sehen. Die drei arbeitenden Mitarbeiter des Bahn-Servicecenters antworten auf die Frage, wo die Streikenden denn seien: „Das wissen wir nicht. Beim letzten Mal standen die zwischen Gleis zwei und drei. Vielleicht verstecken die sich ja auch, um nicht verprügelt zu werden.“

Zwischen Gleis zwei und drei? Dort ist auch niemand. Keine Streikposten, keine Streikplakate, keine streikenden Lokführer. An den Gleisen ist nur der übliche Streikhinweis zu lesen: „Zug fällt aus“.

Versuchen wir es beim Deutschen Beamtenbund, denn schließlich ist die GDL dort organisiert. Ein Anruf in der Geschäftsstelle des Niedersächsischen Beamtenbundes in Hannover soll Klarheit bringen. Auf die Frage „Können Sie uns sagen, wo wir das Streikbüro der GDL finden“, hören wir zunächst ein gequältes Lachen. Dann sagt Heike Bischoff vom Beamtenbund: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das muss aber die GDL Nord wissen, die ist für Niedersachsen zuständig.“

Also weiter zur GDL Nord. Bei dem dortigen Bezirksvorsitzenden Hartmut Petersen kommen wir gefühlt mal einen halben Schritt weiter. Petersen weiß zumindest, dass es in Hameln kein Streikbüro gibt – aber in Hannover. Und Petersen verspricht: „Ich gebe das weiter. Da meldet sich jemand aus Hannover.“ So warten wir bis Redaktionsschluss auf einen Anruf, eine Mail oder irgendetwas. Aber es kommt nichts. Schade, GDL.

Gähnende Leere am Hamelner Bahnhof: Keine Fahrgäste, aber auch keine Streikenden von der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Seit Tagen ist die Gewerkschaft abgetaucht.Dana



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