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Eine verwirrende Dreiecksbeziehung: das Hamelner BHW, die Postbank und die Deutsche Bank

Wird es den Namen BHW nach 2020 noch geben?

HAMELN. Am Ende geht es immer um Zahlen. Gewinn, Rendite, Prozentsätze, Bilanzen, Strategien. Die Deutsche Bank und deren Tochter Postbank ist ein prima Beispiel dafür, wie Köpfe und Strategien mehrfach wechseln können – weil die Zahlen es erfordern. Hamelns BHW ist Teil des Zahlen-Dreiecks Frankfurt–Bonn–Hameln.

veröffentlicht am 04.11.2017 um 06:00 Uhr

Zahlen geben Struktur – manchmal führen sie aber auch zum genauen Gegenteil. Foto: Bilderbox
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Als Deutschlands Bankenprimus im November 2010 die Mehrheit an der Postbank in der Tasche hatte, mimte der Mann mit dem Hang zu großen Gesten den strategisch denkenden und visionär handelnden Boss. Der seinerzeitige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ließ bekanntgeben, dass sich die stark auf das Kapitalmarktgeschäft fixierte Deutsche Bank nach dem globalen Vertrauensverlust durch die Bankenkrise der Jahre 2008 und 2009 nun mit der Postbank ein zweites Standbein einkaufe. Ein Standbein namens inländisches Privatkundengeschäft. Das sollte fortan wieder etwas gelten. Basics in der Bankfiliale um die Ecke – anstatt abgehobener Höhenflüge zwischen New York und Tokio.

Die Postbank – und die hat seit 2006 stets die Hamelner Bausparkassen-Tochter BHW im Schlepptau – sollte relativ schnell in die Deutsche Bank integriert werden. Doch dann trat Frankfurt zunächst einmal wieder ganz kräftig auf die Bremse, wenig später war sogar von einem Verkauf der Postbank die Rede, und nun soll die gelbe Bank also doch in die blaue Bank integriert werden. Der Volksmund sagt dazu: „Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln.“

Wie es zu den Strategiewechseln kam? Nun, es ist weder Geheimnis noch Wunder, dass mit neuen Vorstandsvorsitzenden auch jeweils neue Ideen in die Manager-Etagen von Banken einziehen. Da macht die Deutsche Bank keine Ausnahme. Ackermann ging 2012, es kamen Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Dann musste zuerst Jain gehen, Fitschen wenig später ebenfalls. John Cryan kam. Vier Vorstandschefs in fünf Jahren. Da muss man sich schon mal hin- und herorientieren dürfen.

Nun aber kommt die Deutsche Bank bei der Integration der Postbank voran. Das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank und die Postbank werden rechtlich zu einer Bank mit zwei Marken verschmolzen. 13 000 Beschäftigte der Deutschen Bank und 18 000 Beschäftigte der Postbank werden dann unter einer Regie arbeiten. Die „Deutsche Privat- und Firmenkundenbank“ werde von einem Führungsteam aus einer Zentrale mit den zwei Standorten Frankfurt und Bonn gesteuert, heißt es in einem Brief der Deutsche-Bank-Vorstände Frank Strauß und Christian Sewing an die Mitarbeiter. Und weiter: „Wir haben uns vorgenommen, diesen Schritt im zweiten Quartal 2018 zu vollziehen.“

Damit will die Deutsche Bank einen Marktführer mit mehr als 20 Millionen Kunden in Deutschland aufbauen. Die Postbank soll sich um den Bedarf für das tägliche Bankgeschäft kümmern, die Deutsche Bank um die Beratung der Kunden. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagt Strauß: „Die Deutsche Bank konzentriert sich auf das beratungsintensive Geschäft, hier wollen wir der Risikomanager unserer Kunden sein. Die Postbank ist die Bank für das tägliche Geschäft, gut erreichbar, mit einem hohen Anteil an Online-Konten.“ Ursprünglich wollte die Deutsche Bank die Postbank verkaufen, nun will der deutsche Branchenprimus mit gemeinsamer IT und Verwaltung im umkämpften Heimatmarkt schlagkräftiger werden. So soll ab Ende 2018 in Kooperation mit der Norisbank eine neue Digitalbank an den Start gehen, mit der die Deutsche Bank für jüngere Kunden attraktiver werden will.

Sewing sagt in der „Rheinischen Post“: „Wir schaffen eine Bank, bedienen aber mit unseren zwei etablierten Marken weiter die unterschiedlichen Wünsche unserer Kunden.“ Durch die Kombination beider Banken gewinne man an Kraft, um profitabel und nachhaltig zu wachsen – vor allem im Hinblick auf Innovationen, Investitionen und Service. Von 2022 an erhofft sich die Bank erhebliche Synergien von jährlich 900 Millionen Euro. Das dürfte nicht nur technische Abläufe betreffen, sondern auch Personalstrukturen. Dieses hatte Gesamtbetriebsrat Timo Heider bereits im Jahr 2010 im Gespräch mit der Dewezet vorausgesagt: „Wir müssen davon ausgehen, dass es Einsparungen im Personalbereich geben wird.“

Bei den Synergieeffekten dürfte auch etwas mit eingerechnet sein, was den 3000 Mitarbeiter starken Hamelner BHW-Standort angeht. Auch hier gilt es, Synergieeffekte zu heben – das ist kein Geheimnis. Schließlich gibt es im Gesamtkonzern zwei Bausparkassen: BHW und DB Bauspar. Dazu kündigen Strauß und Sewing in ihrem Brief an die Mitarbeiter an, Überschneidungen beseitigen zu wollen: „So werden wir beispielsweise unsere beiden Bauspareinheiten BHW und DB Bauspar bis 2020 zusammenlegen.“ In klaren Zahlen: Das wird dann in zwei bis drei Jahren erledigt sein. In Hameln macht man sich in der Belegschaft seit vielen Jahren immer mal wieder Gedanken und Sorgen um Standort und Arbeitsplätze. Allerdings gehört zur Klarheit an dieser Stelle auch die Erkenntnis, dass bislang niemand den Standort Hameln in Frage gestellt hat. Henning Göbel, Sprecher des Vorstands der BHW Bausparkasse, sagt: „Das Zusammengehen von BHW Bausparkasse und DB Bauspar ergibt Sinn. Mich freut es sehr, dass dadurch in der neuen Konstellation Bausparen und Baufinanzierung seinen Platz hat. Wir fühlen uns dafür gut aufgestellt.“

Zu einem Zahlen-Verwirrspiel der besonderen Art ist es im Zuge der Standortfrage Hameln und der gerade abgeschlossenen Tarifverhandlungen gekommen: Der Tarifstreit bei Postbank und BHW ist beigelegt, es gibt in drei Schritten unter dem Strich 4,9 Prozent mehr Gehalt, der Kündigungsschutz für die etwa 18 000 Beschäftigten ist bis Mitte 2021 verlängert worden. Die Gewerkschaft Komba vermeldete im Zuge dessen allerdings auch eine Standortsicherheit bis zum Ende des Jahres 2023. Diese Zahl wurde weder von der Postbank noch vonseiten des BHW oder der Gewerkschaft Verdi bestätigt. Dennoch – Komba-Chefin Petra Fecho sagte auf Nachfrage: „Die Zahl 2023 haben wir im Eckpunktepapier verhandelt. Bis dahin gilt ein Einigungszwang zwischen Arbeitgeberseite und Gewerkschaften, wenn es um Themen wie Standortschließung oder Verlagerung gehen sollte.“ Da die Gewerkschaften einer Schließung oder Verlagerung nicht zustimmen würden, gebe es de facto Sicherheit bis 2023.

Aktuell kämpft die Deutsche Bank gegen ein schrumpfendes Geschäft, der erhoffte Aufschwung lässt weiter auf sich warten. Was Probleme macht, ist ausgerechnet das einst so einträgliche Investmentbanking. Für das dritte Quartal hat das Geldhaus gerade letzte Woche ein rückläufiges Geschäft melden müssen. Analysten und Anleger zeigen sich überwiegend enttäuscht. Doch Bankchef Cryan sieht in der Quartalsbilanz „viele Belege dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind“. So schaffte es das Institut dank geringerer Aufwendungen etwa für Rechtsstreitigkeiten und faule Kredite, mehr zu verdienen. Unter dem Strich standen 649 Millionen Euro Gewinn – gut doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. „Die Erfolge bei den Kosten verdienen Lob“, erklärte Analystin Magdalena Stoklosa von Morgan Stanley gegenüber dpa. Was ihr und anderen Experten aber fehlt, waren Anzeichen für eine Wende im Tagesgeschäft. Denn da sieht es trübe aus: Die Erträge – also die gesamten Einnahmen der Bank – sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Zehntel auf knapp 6,8 Milliarden Euro. Die Bank leidet wie andere Institute unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen. Zudem machen ihr die anhaltend ruhigen Kapitalmärkte zu schaffen, weil dies die Provisionseinnahmen schmälert.

Es sind die Zahlen, die die Deutsche Bank geradezu dazu zwingt, den Konzern radikal umzubauen. Schließlich will Deutschlands Nummer eins endlich wieder Anschluss an die internationale Konkurrenz finden.

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