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Politik fragt nach Kostensprung bei der Bauplanung: Wie konnte das passieren?

„Wir wollen keine Schnickschnack-Halle“

Hameln. Irritation, Angriffslust, Katerstimmung: Nach der Nachricht vom unerwarteten Kostensprung beim Neubau der Sporthalle Nord schwankt die Hamelner Politik zwischen diesen Gemütslagen. 570 300 Euro mehr müssen für die Dreifachhalle eingeplant werden, teilte die Verwaltung am Montag mit. Lokalpolitiker aller Couleur stellen nun in Variationen die Frage: Wie konnte das passieren?

veröffentlicht am 15.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 06:41 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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In den Augen von CDU-Fraktionschef Claudio Griese, Sprecher der Mehrheitsgruppe aus CDU, Grünen und Unabhängigen, muten die drei größten Posten, um die es nun geht, „eigentümlich“ an: Die Zahlungen an die Architekten steigen durch eine neue Honorarordnung deutlich – um knapp 140 000 Euro. Die Kosten für bewegliche Sportgeräte wurden schlicht vergessen (knapp 122 000 Euro) und die Ausgaben für die Außenanlagen waren deutlich zu niedrig angesetzt. Hier sind 255 000 Euro zusätzlich notwendig. „Dabei haben wir doch über Verkehrsflächen und Parkplätze gesprochen“, sagt Griese, „mich wundert sehr, dass das nirgendwo Niederschlag gefunden hat.“ Auch der Posten Sportgeräte hätte bei einer Turnhalle wohl kaum überraschen dürfen. Wenn die Halle nun teurer ausfalle, sagt Griese, müsse geklärt werden, „an welcher anderen Stelle gespart werden kann“.

Auch Grünen-Fraktionschefin Ursula Wehrmann stellt den Hallen-Neubau nicht in Frage. Vereine und Schulen seien darauf angewiesen. „Wenn wir noch länger warten, wird alles noch teurer“, ist sie überzeugt. Aber: „Ich verstehe gar nicht, dass man nicht gewusst hat, dass Honorarerhöhungen anstanden“, sagt sie. Und zu den neuen – beweglichen – Turngeräten, die nun so sehr ins Geld gehen, fragt sie: „Wo sind denn die aus der alten Halle geblieben? Haben sie die alle entsorgt?“ Nach Auskunft der Verwaltung gilt das zumindest für einen Teil der Geräte: Diese – noch aus den Anfangstagen der abgerissenen Sporthalle – seien alt und defekt gewesen. Zudem würden Geräte nun in anderen Hallen weiterverwendet, um dort Ausgaben für Neuanschaffungen zu sparen. Nur ein „kleiner Restbestand“ an Sportgeräten sei noch im Container eingelagert.

Aus Sicht von SPD-Fraktionschef Volker Brockmann ist das Projekt Halle Nord bisher „ziemlich schiefgelaufen“. Den Grund dafür vermutet er in Arbeitsüberlastung: „Die Mehrheitsgruppe hat die Besetzung der Stadtbaurats-Stelle unpassend lange herausgezögert.“ Also hätte dessen Arbeit von Fachbereichsleiter Volker Mohr miterledigt werden müssen. „Ähnliches erleben wir jetzt im Fachbereich 3“, sagt der SPD-Fraktionschef. Eine Wiederbesetzung der vakanten Stelle im Fachbereich „Bildung, Familie und Kultur“ lehnt die Mehrheitsgruppe ab. Brockmann wünscht sich von der Verwaltung deshalb nun eine Aufstellung des chronologischen Ablaufs, wann in Sachen Halle Nord welche Entscheidung getroffen wurde. „Aber die Halle wird gebaut, da gibt es kein Vertun und auch keine Verzögerung mehr“, betont der SPD-Politiker.

Für FDP-Fraktionschef Hans Wilhelm Güsgen ist der Zeitplan – in diesem Frühjahr sollen die Bagger anrollen – nicht in Stein gemeißelt: „Im Augenblick ist doch Ruhe im Schacht“ – Schulen und Vereine seien versorgt, argumentiert er. Warum also nicht die Planung noch einmal überdenken? „Wir haben gesagt, wir wollen keine Schnickschnack-Halle mit Super-Extras für den Vereinssport – doch die haben wir bekommen.“ Besonders die Mehrheitsgruppe sei „sehr großzügig“ gewesen, sagt Güsgen. „Abspecken“ lautet für ihn nun die Devise. Ob Außen-WC oder Geräteausstattung – ihm erscheint manches an der neuen Halle „eine Schüppe zu viel“.

Peter Kurbjuweit von den Linken will an Neubau und Zeitplan hingegen festhalten. Für ihn steht nun Ursachenforschung an erster Stelle. Die Frage laute: „Wie kann man so etwas künftig verhindern?“ Schließlich seien gleich drei große Posten – Turngeräte, Außenanlagen und die neue Honorarordnung – in der Kostenplanung übersehen worden. Und das, obwohl doch „alle irgendwo beteiligt waren“. Ein entsprechender Antrag von ihm und seinem Fraktionskollegen Lars Reinke (Piraten) sei in Arbeit.



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