weather-image
23°

Pilot-Projekt zur Motivation und Integration von benachteiligten Jugendlichen startet am Donnerstag

„Wir wollen ganz neue Horizonte eröffnen“

Hameln (git). Am Tisch des Integrationsbüros der Paritätischen Dienste an der Kaiserstraße 80 sitzen drei Männer mit einer Vision. Es ist eine Vision von jungen Menschen einer Berufsvorbereitungsklasse, die ihr Schuljahr mit einer guten Zukunftsperspektive beenden. Es ist eine Vision von Arbeitgebern, die sich im Berufsvorbereitungsjahrgang (BVJ) nach geeigneten Auszubildenden erkundigen. Am Donnerstag, 11. Juni soll ein Projekt für eine BVJ-Klasse ins Leben gerufen werden. Es soll diesen jungen Menschen mit einem besonderen Kompetenzpass eine bessere Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen.

veröffentlicht am 09.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 18:41 Uhr

270_008_4118230_hm204_1006.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir wollen ganz neue Horizonte eröffnen und ressoursenorientiert handeln“, erklärt der Integrationsbeauftragte Dr. Feyzullah Gökdemir. Er fühlt sich in der Pflicht, denn ein Großteil der Schüler und Schülerinnen der BVJ-Klassen besteht aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund. „Ich höre immer wieder von den Jugendlichen, ’ich kriege sowieso irgendwann Harz IV‘, ‚mich will eh keiner‘“, berichtet der zweite Mann am Tisch, der Pädagoge der Elisabeth-Selbert-Schule, Robert Thürmer.

Schwänzen an der Tagesordnung

In Thürmers Unterricht, einer Klasse im Berufsvorbereitungsjahr, landen junge Menschen, die ihre Schule ohne Abschluss verlassen haben oder diese sogar vorzeitig abgebrochen haben. Ihre Schulpflicht ist in der Regel noch nicht erfüllt. Sie haben die Möglichkeit, im BVJ ihren Hauptschulabschluss nachzuholen und sich dabei auf die zukünftige Berufswelt vorzubereiten. Das allerdings ist gar nicht so einfach, denn die meisten der Jugendlichen kommen aus sozial benachteiligten Familien. „Viele schaffen den Hauptschulabschluss nicht, weiß Thürmer zu berichten. „Vom Elternhaus gibt es wenig oder gar kein handlungsorientiertes Verhalten.“ Oft seien die Schüler die einzigen aus der Familie, die durch die Schule überhaupt irgendeinen geregelten Tagesbeginn hätten. Schulschwänzen sei daher an der Tagesordnung. Die Folge: Die Schüler/innen würden sich selbst in der Schule permanent als Versager erleben.

„Als Pädagoge mit den üblichen schulischen Methoden komme ich da nicht sehr weit. Da wächst ein Potenzial heran, das sich zu einem gesellschaftlichen Problem entwickeln könnte“, mutmaßt Gökdemir. Deshalb sucht er mit Thürmer nach Motivations- und Integrationslösungen. Mit Peter Noack von der Akademie Überlingen, dem dritten Visionär im Bunde, haben die zwei einen ersten Kooperationspartner gefunden. Die Akademie Überlingen wird am 11. Juni stellvertretend für künftige Betriebe das nötige „Know-how“ liefern.

Zur Zeit sind zwar Berufspraktiken im Laufe eines BVJ vorgesehen. Bei der Elisabeth- Selbert-Schule heißt es beispielsweise auf der Informationsseite im Internet: „Du hast ein Jahr lang die Möglichkeit, Dich in den Berufsfeldern Agrarwirtschaft, Ernährung, Gesundheit, Hauswirtschaft und Körperpflege zu testen.“ Das soll laut Lehrplan im Vollzeitunterricht geschehen. Thürmer ist das aber mittlerweile zu wenig. Er möchte mehr für seine Schülerinnen und Schüler tun. „Ich will mit den Jugendlichen in die Betriebe gehen, ich möchte wissen, was erwarten die Ausbilder von den Jugendlichen, was kann ich ihnen als Pädagoge zur Hinführung auf die Ausbildungsreife raten? Nur so können wir die Rahmenbedingungen besser abstecken und den Jugendlichen die richtigen Möglichkeiten bieten, um ihre eigenen Kompetenzen kennenzulernen. Sie sollen natürlich auch die Möglichkeit bekommen, sich im jeweiligen Beruf kurzzeitig beweisen zu können.“

Einblicke in Berufsfelder

Thürmer hofft zudem auf einen zusätzlichen Anreiz für die Schüler, die BVJ-Klasse dann erfolgreich abschließen zu wollen. „Wir wollen mit dem Projekt umsetzbare Zukunftsperspektiven aufzeichnen“, sagt der Pädagoge. Donnerstag werden nun zwölf Jugendliche einer BVJ-Klasse der Elisabeth-Selbert-Schule in fünf Stunden unterschiedliche Berufsfelder kennenlernen. In der Wehler Marsch erhalten sie Einblicke in Floristik und Gartenbau. In der Königstraße werden die Berufsfelder Mediengestaltung und Gastronomie vorgestellt.

Das Pilotprojekt soll sich in den nächsten Jahren fest etablieren und ein Netzwerk von Schule und Betrieben mit sich ziehen, hoffen die Organisatoren. „Langfristig soll das Projekt sogar in das Erlangen eines besonderen Kompetenzpasses eingebettet werden“, erklärt Thürmer. Die Jugendlichen könnten dann diese Qualifikation zusätzlich zu ihrem regulären Zeugnis erwerben. Der Kompetenzpass soll nach Angaben der Projektorganisatoren aus sechs Modulen bestehen. Geplant sind die Bereiche Erlebnispädagogik, Computerpass, Betriebsbesichtigungen, Knigge und Antiaggressionstraining.

Planen gemeinsam das Projekt:

Robert Thümer (v. li.), Dr. Feyzullah Gökdemir und Peter Noack.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?