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„Midgets“ blicken auf ihre Band zurück

„Wir waren echt der Renner“

Hameln. An der Stirnwand des Saals der Gaststätte steht ein riesiges Schlagzeug. Gleich daneben ein Ständer mit fein säuberlich aufgereihten Auftrittsjacken, mit viel Glitzerzeug auf den Revers. An den festlich eingedeckten Tischen im Saal dominieren lautstarke Erinnerungsgespräche. „Weißt Du noch, damals, als wir …“ ist ein Satz, der an diesem Abend nicht nur einmal zu hören ist – die „Midgets“ feiern ihr 50-Jähriges. „Das ist also so eine Art musikalische goldene Hochzeit“, sagt Franz von Kiedrowski aus Völksen. Der Pianist hat jahrelang Tanzmusik mit den „Midgets“ gemacht.

veröffentlicht am 08.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Die wurden aber eigentlich als Schüler-Beatband gegründet. Ziemlich genau vor 50 Jahren, erinnern sich die beiden Gründungsväter Günter Hoffmann und Günther Schmidt. „Wir waren in Parallelklassen des Schiller-Gymnasiums“, erzählt der heute 67-jährige Günter Hoffmann. „Da habe ich so um 63/64 in einer Skiffle-Band mitgespielt, und als dann die Beatles kamen, haben wir natürlich auch eine Beatband gegründet.“ Beatles, Rolling Stones und später dann die Kinks, das seien die Idole der damaligen Schüler gewesen. „Klar, so’n Hit wie Satisfaction von den Stones, das war für uns das Größte“, berichtet Günther Schmidt. „Wir haben damals natürlich auch von einem großen Hit geträumt, und sogar an eine englische Plattenfirma geschrieben, dass wir ganz tolle Sachen drauf hätten“, ergänzt Hoffmann. „Denen haben wir sogar einige unserer Aufnahmen geschickt, aber war natürlich nix.“

Die ersten Auftritte habe die Schüler-Beatband im damaligen christlichen Jugenddorf in einer Baracke im Hafengebiet gehabt. „Wenn ich mich recht erinnere, gab’s da im wöchentlichen Wechsel mal Dixieland-Musik und mal Beat“, erzählt Günther Schmidt weiter. „Ja, und als Verzerrer haben wir immer ein Stück Pergamentpapier vor den Verstärker geschoben, denn ein Pedal dafür wie heute gab’s damals natürlich nicht. Das Papier war nach einer Nummer natürlich zerfetzt, aber es klang trotzdem irre gut.“

Während der eine Günter nach dem Abitur 1967 in Köln Theater- und Musikwissenschaften studierte und später beim WDR arbeitete, wurde der andere Günther Maschinenbauer. Der Musik aber sind beide treu geblieben.

2 Bilder

Mit dem Namen der Band „The Midgets“ habe es eine besondere Bewandtnis, erklären die beiden. Und so viel sei schon verraten: Mit „Zwergen“, was midgets übersetzt heißt, hat das nichts zu tun. Günter Hoffmann klärt auf: „Also ich hatte damals einen grünen Lloyd.“ „Und vor dem Hamelner Eiscafé Mosena parkte immer ein schwarzer MG Midget, ein Traum von Auto, daneben ein alter Spitfire und ein Porsche. Deren Besitzer haben uns abends oft nach Pyrmont in eine angesagte Musikkneipe mitgenommen, wenn in Hameln nix mehr lief. Deshalb also die ‚Midgets‘.“

33 Jahre lang bestand die Band, die allmählich von Beat auf Tanzmusik umschwenkte. „Das wurde nämlich sehr gut bezahlt“, sagt Schmidt. „Wir haben die ganze Region bespielt und bei den Hamelner Tanzschulen so manchen Abschlussball musikalisch gestaltet.“ Später kamen noch zwei Sängerinnen, ein Saxofonist und ein Pianist dazu. 1997 lösten sich die „Midgets“ dann auf, doch Musik machen sie heute in verschiedenen Formationen immer noch. „33 Jahre und rund 22 verschiedene Musiker haben bei uns mitgemacht. Über die Jahre sind wir eine große Familie geworden, die Midget-Familie. Die Musik, die verbindet uns eben.“

Und so gibt es an diesem Jubiläumsabend reichlich Erinnerungen, etwa an das große Benefizkonzert für die Opfer der Überschwemmung in Fischbeck. „Das muss so um 1966 gewesen sein“, mutmaßt Günter Hoffmann. Der ein Jahr jüngere Günther Schmidt hat bei einem Midget-Auftritt sogar seine spätere Ehefrau kennengelernt. „Wir sind bis heute zusammen“, berichtet er stolz, und hüllt sich bei der Frage, wie denn die Beatmsuik der frühen Jahre so auf die damalige Damenwelt gewirkt habe, in vornehmes Schweigen. „Darüber schweigt der Gentleman“, schmunzelt er. „Ist aber super angekommen“, nimmt der andere Günter kein Blatt vor den Mund. „Auch ohne Pilzkopffrisuren waren wir echt der Renner. Und sind es doch auch heute noch, oder?“

Im Gründungsjahr 1964 waren die Beatles ihre Idole. Im Bild oben (1965) ist Günter Hoffmann ganz rechts zu sehen, Günther Schmidt sitzt an den Drums. Im Laufe der Jahre änderte sich die Zusammensetzung der Hamelner Band „Midgets“ immer wieder: 22 Musiker haben mitgewirkt. Das Foto unten rechts entstand beim Jubiläumstreffen anlässlich des „50.“.eaw



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