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Die Revival-Welle rollt: Skaten ist wieder richtig in – doch Hameln hat der Community kaum etwas zu bieten

„Wir surfen die Straße“

Skaten ist derzeit wieder mal richtig angesagt: In Hameln fahren die Skater im Wald, in Parkhäusern und manchmal auch auf der Anlage vor dem Regenbogen. Doch der reicht der schnell wachsenden Skater-Community in Hameln schon lange nicht mehr aus, sie wünscht sich mehr.

veröffentlicht am 24.04.2016 um 18:05 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Hameln. Ein gleichmäßiges Wrommm, Wromm begleitet die Schwünge von Marvin Theus in der Halfpipe am Bildungshaus Regenbogen. Es ist sonnig, und wenn der 21-Jährige die Augen schließen würde, könnte er sich vorstellen, in Kalifornien zu sein. Dort, wo die Surfer-Boys in den 50er Jahren die verrückte Idee hatten, Rollen unter ihre verkürzten Surfboards zu schrauben und die berühmten Z-Boys Anfang der 70er in einem heißen Sommer begannen, im „low-the-ground-Style“ (also weg aus der Vertikalen) durch die Pools der illustren Nachbarschaft in Beverly Hills und Pacific Palisades skateten.

Seither kam das SkateboardFieber in Wellen, eines aber hat sich bis heute nicht geändert: Das Gefühl von Freiheit auf dem Board, der Spaß dabei und der ultimative Kick, nach dem Marvin, Tino und die anderen suchen. Sie wollen ihre Grenzen austesten. „Skaten ist megacool“, sagt Marvin, „wo andere nur eine gerade Straße sehen, sehen wir die Strecke – wir surfen die Straße“. Der Ehrgeiz, neue Tricks zu beherrschen, ist groß. „Wenn man eine Woche geübt, geschwitzt und geblutet hat, ist man komplett glücklich“, sagt Marvin.

Keine Frage: Skaten ist erneut in den Fokus gerückt, das befand unlängst sogar Skateboardhändler und -ikone Titus Dittmann, der die Rollbretter in Deutschland Ende der 70er Jahre populär gemacht hat, auch wenn es ihm nach mehr als 40 Jahren Skateboard-Jugendkultur schwer falle, von einem Trend zu sprechen.

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Auch Cara und Linda sind im Skate-Fieber.

Trendtauglich sind die Möglichkeiten, sich mit den Brettern von der Erwachsenwelt abzugrenzen, noch immer. Einfach anders zu sein. Schon deshalb, weil selbst die etablierten Berufsjugendlichen sich nicht die Knochen polieren wollen.

Die Jungs, die sich regelmäßig treffen, schwören auf die Skatergemeinschaft. Lässig seien die Leute, entspannte Freigeister. „Neue Leute kennenlernen geht ganz schnell unter Skatern. Wir sind eine große Familie.“ In Hameln umfasse die inzwischen an die 40 Leute. Mit den BMX-Fahrern seien es noch mehr. Wenn sie losfahren, dann meist mit 10 Leuten, sagt Tino Koletsos (19). Die Hamelner Gruppe sei in diesem Jahr noch mal kräftig angewachsen. Auch Mädchen sind dabei. Sie haben ihr Board dabei wie die Jungs, allerdings eher um von A nach B zu kommen, anstatt die Treppe hinunterzuskaten.

Für die Suche nach guten Plätzen außerhalb des Skateparks geht viel Zeit drauf: Der Untergrund muss gut sein und die Strecke soll Herausforderungen bieten. Deshalb fahren sie auf geteerten Straßen durch Wälder, an Promenaden und nachts in leeren Parkhäusern. In Hameln, Hannover und manchmal sogar in Bielefeld. Auch zum Regenbogen kommen sie regelmäßig, weil es der einzige Platz in der Stadt ist, an dem einige Elemente für Skater aufgebaut sind. Zufrieden sind sie damit nicht. Es fehlen Speed-Elemente, Rails, die Anordnung ist ebenso ungenügend wie der Boden. In den Skatepark fahren sie lieber nach Rinteln oder Hessisch Oldendorf, „die haben eine tolle Anordnung, dort macht es viel mehr Spaß“, sagt Marvin. So was wünschen sie sich auch. Klar waren sie vor knapp zwei Jahren dabei, als die Skater vor dem Rathaus für einen Skatepark demonstrierten. Was daraus geworden ist, wissen sie nicht.

Man habe auf die jungen Leute in der Verwaltung vergebens gewartet, hieß es im letzten Bericht der Dewezet zum Skatepark aus dem Rathaus. Doch als Ronny Fischer, Organisator der letzten Demo, am vergangenen Dienstag ins Rathaus kam, habe man dort nichts mit ihm anfangen können. Er ist enttäuscht. Immerhin versucht er seit gut fünf Jahren etwas zu bewegen, ist ständig mit Mitarbeitern der des Regenbogens und einem Mitglied der Grünen im Gespräch. Zuletzt ging es um die Nutzung der Mehrzweckhalle am Gundolph-Park – auch für Skater. Weil die Elisabeth Selbert-Schule nun durch die veränderte Situation auf dem Linsingen-Kasernen-Gelände dort bauen will, stehen die in den Sternen. „Ich verstehe das alles nicht“, sagt Fischer.

Auch Tino findet es „sehr schade“, dass nicht mehr für junge Leute getan wird. Selbst Steffen Niehus, der in Hameln ein duales Studium absolviert und erst seit zwei Tagen in der Stadt wohnt, ist enttäuscht. In Münster sei die Fläche fünf Mal so groß. Marvin, Tino ein paar andere sind dabei, einen Film zu drehen, 800 Euro gibt es für den besten Beitrag vom Skateboardhersteller Titus. Es soll um die Hot-Spots der Stadt gehen, auch um das, was nicht so toll ist für die Skater. Das dürfte der Hamelner Community nicht all zu schwer fallen.

Einen rasanten Film gibt es unter www.youtube.com/watch?v=HYjj77Dcxdw

Am Samstag, 18. Juni, startet der „Regenbogen-Skate-Contest“ ab 14 Uhr für Skater ab 10 Jahren. Anmeldungen sind bis zum 26. Mai im Regenbogen möglich.



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