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Wie wirkt sich die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank auf Hameln aus? / Appel tritt ab

„Wir stehen in einem aggressiven Wettbewerb“

Hameln (HW). Mit verhaltenem Optimismus haben Hamelns Verwaltungs- und Bankspitzen auf die Übernahme der BHW/Postbank durch die Deutsche Bank in Frankfurt reagiert. Niemand vermag jedoch vorauszusagen, was sich hinter dem Deal verbirgt und welche Auswirkungen auf die Rattenfängerstadt damit verbunden sind. „Ich gehe davon aus, dass die Arbeitsplätze dauerhaft gesichert sind. Das ist das A und O und hat Auswirkungen auf die Kaufkraft, denn BHW/Postbank ist immer noch der größte Arbeitgeber Hamelns“, sagt Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann und ergänzt: „Sonstige Auswirkungen welcher Art auch immer sind für mich derzeit nicht erkennbar.“

veröffentlicht am 02.12.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 13:21 Uhr

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Wie die Verwaltungschefin betont, steht sie in engem Kontakt mit Vorstand und Betriebsrat des Hamelner Unternehmens. „Und bislang sind mir noch keine Signale gesendet worden, dass sich etwas ändern könnte. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nichts erkennbar: weder eine annehmliche noch eine bedrohliche Situation“, so die Oberbürgermeisterin, die jedoch nicht davon ausgeht, dass sich mit der Übernahme der Postbank durch den Frankfurter Finanzgiganten die Gewerbesteuersituation in der Rattenfängerstadt verbessern wird. „Das ist nicht absehbar“, erklärte Lippmann gestern auf Anfrage.

Heinz-Walter Wiedbrauck, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Hameln-Stadthagen, hält sich ebenfalls bedeckt und benutzt den Konjunktiv: „Es wäre positiv für Hameln, wenn das BHW als Bausparkasse erhalten bliebe und die Aktivitäten der Deutschen Bank mit aufnehmen könnte. Dann wären die Arbeitsplätze gesichert, könnten sogar neue entstehen und die Kaufkraft bliebe erhalten.“ Für die Hamelner Bankenlandschaft werde sich dagegen laut Wiedbrauck nichts ändern: „Wir stehen in einem aggressiven Wettbewerb, und das wird so bleiben“, sagt der Banker, für den der Übernahmegrund jedoch klar erkennbar ist: „Die Deutsche Bank versucht, sich ein starkes Standbein im Privatkundengeschäft aufzubauen und will sich nicht länger nur auf das Investmentbanking verlegen.“ Von daher passe nach den Zukäufen von Berliner Bank (2006), Norisbank (2006) und Sal. Oppenheim (2009) die Übernahme der Postbank in die Strategie der Deutschen Bank.

Alois Drube, Vorstandschef der Stadtsparkasse Hameln, sieht in der Übernahme vornehmlich eine „Kapitalmarkttransaktion“, deren strategisches Ziel er noch nicht erkennen könne. „Es gibt jetzt eine Bank weniger in Deutschland, aber daraus lässt sich nichts ableiten. Ob das Auswirkungen auf Hameln haben wird, vermag ich noch nicht einzuschätzen. Dazu weiß ich zu wenig über die Hintergründe“, bekennt der Vorstandsvorsitzende.

Für seinen Amtskollegen Friedrich-Wilhelm Kaup von der Sparkasse Weserbergland ist der Deal dagegen nicht überraschend gekommen. Sein Institut sei darauf vorbereitet gewesen: „Die Deutsche Bank will dahin, wo wir als Marktführer schon sind. Es ändert nichts an unserem bewährten Geschäftsmodell mit den Erfolgsfaktoren: Fair. Menschlich. Nah.“

Deweil hat Frank Appel angekündigt, mit Wirkung zum 31. Dezember sein Mandat als Aufsichtsratsmitglied und damit auch als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Postbank AG niederzulegen. Mit dem Verlassen des Gremiums trägt Appel der geänderten Aktionärsstruktur bei der Postbank Rechnung und macht damit den Weg für den Übergang auf die neue Mehrheitseigentümerin Deutsche Bank AG frei. Rainer Neske, verantwortlicher Vorstand für den Privat- und Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank, soll in den nächsten Wochen in das Aufsichtsgremium der Bonner Bank bestellt werden.

Stefan Jütte, Vorsitzender des Vorstands der Postbank, dankte dem scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden für die konstruktive Zusammenarbeit: „Appel hat die Postbank als Vorsitzender des Aufsichtsrats und Vertreter der Deutschen Post maßgeblich dabei unterstützt, die Turbulenzen der Finanz- und Bankenkrise erfolgreich zu bestehen. Dafür gebührt ihm der Respekt und Dank der gesamten Postbank.“

Nach wie vor größter Arbeitgeber Hamelns: Die BHW/Postbank, die jetzt von der Deutschen Bank in Frankfurt übernommen worden ist. Foto: Dana

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