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Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer will Betreuung von Asylbewerbern beim Jobcenter verbessern

„Wir müssen in die, die hier sind, investieren“

Hameln. „Wir haben einen langen Weg vor uns“, sagt Brigitte Pothmer mit Blick auf die Aufgabe, die hier ankommenden Menschen aus Kriegs- und Krisenländern in die Berufswelt zu integrieren. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag fordert deshalb eine bessere Betreuung bei den Jobcentern: „Wir brauchen ein Einstiegsprogramm für Asylbewerber.“ Eine Kombination von Praktika in Betrieben und parallel stattfindenden Sprachkursen würde dem System Struktur geben und gleichzeitig Flexibilität gewährleisten, meint Pothmer.

veröffentlicht am 09.02.2016 um 18:51 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Die Bundestagsabgeordnete hat am Dienstag das Hamelner Jobcenter besucht, auch um sich zu erkundigen, wie die Integration von Langzeitarbeitslosen funktioniert. „Wir müssen sehr sensibel bei dem Thema sein, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass Asylbewerber bevorzugt werden“, sagt die 60-Jährige. Der Arbeitsmarkt sei aus ihrer Sicht „wirklich gut“ auf die Neuankömmlinge vorbereitet, wenn – und das ist die Voraussetzung – es geschafft werde, die Flüchtlinge zu qualifizieren. Dann wäre auch die Zahl von 350 000 Migranten realistisch, die der Arbeitsmarkt laut Bundesarbeitsagentur pro Jahr verkraften könne. „Bis 2025 werden uns 6,5 Millionen Fachkräfte fehlen“, sagt Pothmer.

Zwar verfügt nur ein geringer Anteil der Flüchtlinge formal über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Dennoch glaubt Pothmer, dass besonders unter den Zuwanderern die Gruppe der unter 25-Jährigen – die laut der Grünen-Politikerin 25 Prozent der Flüchtlinge ausmache – gut zu integrieren sei, „wenn wir nicht alles falsch machen“. In keinem Fall dürfe man die Fehler wiederholen, die in der Vergangenheit gemacht wurden. „Bei den Gastarbeitern dachte man, dass sie nach einigen Jahren wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Das hat sich aber als Trugschluss erwiesen.“ Man dürfe jetzt nicht das Signal setzen, dass die Flüchtlinge nur zeitweise in Deutschland seien und in fünf Jahren wieder verschwinden. „Wir müssen in die, die hier sind, investieren. Natürlich wird das viel Geld kosten. Aber ich bin der gleichen Meinung wie viele namhafte Forscher: Es wird sich auf lange Sicht auszahlen“, sagt Pothmer.

Im Hamelner Jobcenter sollen bald 7,5 Stellen für die Flüchtlingsaufgabe geschaffen werden. Diese neuen Stellen werden aber laut Pothmer nicht ausreichen, obwohl ein Großteil der Flüchtlinge noch gar nicht beim Jobcenter angekommen sei. „Das liegt am Flaschenhals BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), das nicht mit der Bearbeitung der Asylanträge hinterherkommt“, erklärt sie und fügt hinzu: „Allein 4,5 der Stellen sind in Hameln für die Leistungsberechnung eingeplant. Daran sieht man, dass die Jobcenter personell nur unzureichend aufgestellt sind.“

Die Grünen-Politikerin sieht noch weitere Baustellen. Aus ihrer Sicht gehört die sogenannte Vorrangprüfung abgeschafft. Bei dieser Prüfung wird ermittelt, ob sich nicht auch ein geeigneter Kandidat mit deutschem oder EU-Pass für eine Stelle findet, auf die sich ein Asylbewerber bewirbt. „Das verzögert nur den Prozess und ist eine weitere Hürde für die Asylbewerber“, meint Pothmer. Zudem müsse die Regelung zum Bleiberecht während der Berufsausbildung verbessert werden. „Es kann nicht sein, dass sowohl die Betriebe als auch die jungen Asylbewerber während der Ausbildung fortwährend fürchten müssen, dass eine Abschiebung erfolgt“, erklärt sie.

Die Grünen-Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik, Brigitte Pothmer, will die Betreuung von Flüchtlingen in den Jobcentern verbessern.at



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