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Offene Moschee lockt viele Gäste an, lässt aber auch Fragen offen

„Wir leben Religion in unseren Handlungen“

Hameln. Das Teppichmuster im großen Gebetsraum der Moschee verläuft schief durch den Raum. „Das ist natürlich nach Mekka ausgerichtet“, erfahren die zahlreichen Besucher vom Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde, dem 54-jährigen Bilgin Onur. Im Vorraum stapeln sich die Schuhe im Regal, und die im Schneidersitz auf dem hellen Teppich hockenden Gäste erfahren die wichtigsten Regeln einer Weltreligion, der viele momentan mit Unsicherheit und Skepsis begegnen.

veröffentlicht am 04.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Onur erläutert die „Fünf Säulen“, zu denen neben der Pilgerfahrt nach Mekka auch das Fastenbrechen, das Bekenntnis zum Glauben und die Armenabgabe gehören. „Wer mehr als 82 Gramm Gold besitzt, oder einen entsprechenden Gegenwert, der gilt als reich und muss 2,5 Prozent an die Armen abgeben.“ „Soziale Verantwortung“ ist das Leitthema des Tages. Im ehemaligen Fabrikgebäude in der Hunoldstraße haben die Gemeindemitglieder seit 2001 ausschließlich in Eigenleistung neben den Gebetsraum auch Unterrichtsräume im Erdgeschoss geschaffen. „Man muss die Religion richtig kennen und lernen“, erklärt Onur seinen Gästen. Türkisch? Arabisch? „Wir sind international“, sagt er. „Unsere Sprache ist Deutsch, Grundvoraussetzung für Integration und Wohlfühlen.“

Die Besucher sind beeindruckt, nicht nur von der Pracht des Raumes, sondern auch von der Ernsthaftigkeit, mit der die Inhalte des Korans in tägliches Leben umgesetzt werden. „Wir leben unsere Religion in unseren Handlungen“, verdeutlicht Onur am Beispiel von auf die fünf täglichen Gebete abgestimmten Reiseplanungen. Nur wer seine Religion kenne, der sei in der Lage, Missbrauch durch Extremisten zu erkennen. „Bei der Vermittlung der Inhalte des Korans steht die Moschee in der Verantwortung“, stellt Onur fest. Auch in der Türkei sollten Christen und Juden wie einst in den Karawansereien zum gemeinsamen Beten zugelassen werden, immerhin sei die Türkei ein „Vielvölkerstaat“.

Wie erwartet stellen die Besucher auch Fragen zur aktuellen Situation des Islam. Wie steht es mit Kontakten zur hannoverschen, sehr aktiven Szene der Extremisten? Nein, man wisse kaum, was da vor sich gehe, könne deshalb dazu nicht viel sagen, weicht Onur aus. Gleichberechtigung von Mann und Frau? Für die Frauen sei ein Nebenraum eingerichtet. Uwe Filpe aus Emmerthal überzeugt das nicht. „Ich habe viele islamische Länder bereist, in Istanbul hat man mir erklärt, dass sich die Männer von vor ihnen knienden Frauen möglicherweise sexuelle abgelenkt fühlen könnten.“

Sunniten? Schiiten? Aleviten? Onur erläutert die Unterschiede. Zum Thema der Terrormiliz IS, die derzeit in Irak und Syrien für Schrecken sorgt, aber holt er weit aus, wirft dem Westen Versäumnisse vor. Dass mit Bombardierungen der Konflikt nicht geregelt werden könne, sei klar. „Nicht recht überzeugend“, nennt Besucher Helmut Propst Onurs Erklärungen. Er will nachfragen. „Also, das gleitet jetzt in Politik ab“, beendet eine Besucherin die sich anbahnende Kontroverse. „Fühle mich abgewürgt“, murrt Propst. Nach dem offiziellen Teil wird der Dialog im Nebenzimmer weitergeführt.

„Die islamische Glaubensszene in Hameln lebt und formiert sich“, sagt auch Feyzullah Gökdemir vom Integrationsbüro des Landkreises. Erstes Kennenlernen ist da ein wichtiger Schritt, auch wenn nicht alle Fragen zufriedenstellen beantwortet werden konnten. Ein Grund mehr, den interreligiösen Dialog fortzusetzen.



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