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Schulzentrum Nord – wie läuft es ohne Generalunternehmer?

„Wir haben’s ganz gut im Griff“

HAMELN. Während die Entscheidung hinsichtlich der Auftragsvergabe für den Bau der Elisabeth-Selbert-Schule noch aussteht, blickt die Stadt Hameln auf erste Erfahrungen zurück: Das derzeit größte Bauprojekt der Stadt, das Schulzentrum Nord, wird nach Protest der heimischen Handwerker ohne Generalunternehmer (GU) gebaut, stattdessen werden die anstehenden Gewerke von der Stadt einzeln ausgeschrieben.

veröffentlicht am 14.01.2018 um 13:56 Uhr
aktualisiert am 15.01.2018 um 08:30 Uhr

Großbaustelle Schulzentrum Nord. Die Stadtverwaltung ist mit dem bisherigen Fortschritt zufrieden. Fotos: dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Laut Stadtbaurat Hermann Aden, der seinerzeit auch lieber auf einen GU gesetzt hätte, läuft es bislang gut. Um ein abschließendes Urteil zu fällen, sei es jedoch noch viel zu früh. „Wenn’s so weitergeht, ist es gut“, sagt Aden über die Projektkoordination in Eigenregie, allerdings liegen hinter ihm und allen Beteiligten auch erst vier Monate seit der Grundsteinlegung. Offizieller Baubeginn war vor fast einem Jahr, am 1. Februar.

Um den „zusätzlichen Koordinierungsaufwand“, der ohne Einbindung eines Generalunternehmers für die Stadt entstehe, stemmen zu können, waren extra für das „SZ Nord“, wie es verwaltungsintern genannt wird, in der Abteilung Zentrale Gebäudewirtschaft vier zusätzliche Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt worden. Deren Verträge sind bis zum Ende der Bauzeit befristet, was nach jetzigem Kenntnisstand voraussichtlich Ende 2020 sein werde.

Die Stadtverwaltung hat nicht nur die eigenen Reihen verstärkt, sondern holt sich auch von außen Unterstützung. „Wir haben einen Dienstleistungsvertrag mit einem Architekturbüro geschlossen für die Bauleitung“, sagt Aden. „Dafür geben wir mehr Geld aus – 150 000 Euro.“ Denn ein Zusatzaufwand entsteht nach Adens Schilderungen durch die einzelnen Ausschreibungen. „Die Aufträge müssen ja nicht nur ausgeschrieben werden, sie müssen bewertet und begleitet werden. Auch die Koordination zwischen den Betrieben, den Gewerken und der Schule will gewährleistet sein. „Parallel lassen wir uns von einer Anwaltskanzlei begleiten“, erzählt Aden; deren Fachanwälte für Vergaberecht unterstützt die Stadt bei Fragen im laufenden Vergabeverfahren.

„Ich glaube, wir haben’s ganz gut im Griff“, stellt Aden fest, und untermauert diese Einschätzung damit, dass „wir uns im Zeitfenster und im Wesentlichen im Kostenrahmen befinden“. Für kritische Ohren klingt „im Wesentlichen“ letztlich doch nach Abweichung und teurer, doch Aden winkt ab. „Einige Ausschreibungen fallen mal günstiger, andere etwas teurer aus“, erklärt er.

Der Großteil der Bauzeit liegt noch vor allen Beteiligten, Aden will sich heute nicht zu einer Aussage mit dem Tenor „auch ohne GU ist alles gut“ hinreißen lassen. Bis Ende 2020 könne noch viel passieren; solange alles funktioniere, wie vorgesehen, „ist alles gut“. Schwierig könnte es dann werden, wenn ein beauftragtes Unternehmen ausfiele, beispielsweise durch Insolvenz. Wenn das dann auch noch zu einem kritischen Zeitpunkt passierte, in den Sommerferien, in denen nicht schnell für Ersatz gesorgt werden könne… wäre das schlecht. So eine Krise wäre mit einem Generalunternehmer aus städtischer Sicht einfach zu lösen: „Mir doch egal, woher du einen neuen Subunternehmer bekommst – aber denk an die Konventionalstrafe!“, schildert Aden überspitzt die Haltung, die er als Stadtbaurat dann an den Tag legen könnte. Weil ein GU nicht ans Vergaberecht gebunden ist, könnte der einfacher Ersatz beschaffen als eine Kommune.


Info: Am Dienstag, 16. Januar, entscheidet der Kreistag, ob die Elisabeth-Selbert-Schule am Standort Linsingen-Kaserne durch einen Totalunternehmer gebaut wird oder der Landkreis Gewerke einzeln ausschreibt.

Information

Damit heimische Handwerksbetriebe eine Chance haben, an Aufträge für das Schulzentrum Nord zu kommen – die mit einem Generalunternehmer geringer ist – hatten Vertreter verschiedener Innungen im Juni 2016 vor dem Rathaus protestiert. Der Rat hatte daraufhin doch mehrheitlich für die Vergabe einzelner Gewerke gestimmt. Eine erste Zwischenbilanz zeigt, in welchem Umfang Betriebe aus der Region bislang am Schulzentrum eingebunden worden sind. Die Zahlen stammen von der Stadtverwaltung; Stichtag war der 31. Dezember 2017.

6,22 Millionen Euro an Auftragswert sind bislang vergeben worden. 24 Millionen Euro stehen noch aus.

Aufträge im Wert von einer Million Euro sind davon an Unternehmen gegangen, deren Firmensitz im Postleitzahlenbereich 31… liegt. Das entspricht 16,13 Prozent der Auftragssumme.

Zehn regionale Unternehmen wurden beauftragt, was 37 Prozent von der Gesamtzahl der Unternehmen ausmacht.

27 Einzelaufträge wurden erteilt.

In Anbetracht der Auftragswerte, die in der Region verblieben sind, spricht Stadtbaurat Hermann Aden von einem „verbesserungswürdigen Schnitt – da ist noch Luft nach oben.“ Vor allem für größere Gewerke, wie „mehrere tausend Meter Metallfassade“, hätten heimische Betriebe gar nicht erst Bewerbungen eingereicht. Derzeit würden kleinere Gewerke auch im Bereich Elektroarbeiten vergeben, bei denen auch kleinere Betriebe Aussicht auf Erfolg haben könnten.bha



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