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Wesermühlen-Investor äußert sich erstmals zum Großprojekt / Planung soll vorangetrieben werden

„Wir haben nichts zu verheimlichen!“

HAMELN. Hochzeitshaus, Klüt-Restaurant, Wesermühlen – an leerstehenden Immobilien von beträchtlicher Größe hat Hameln derzeit keinen Mangel. Doch während sich das Hochzeitshaus im Besitz der Rattenfängerstadt befindet, sind das Restaurant auf Hamelns Hausberg und der Industriekomplex an der Weser in privater Hand. Die früheren Wesermühlen wechselten im Januar 2016 für einen Betrag unter einer Million Euro den Besitzer. Doch seit dem Verkauf der Industriebrache hat sich nichts getan – zumindest nichts Sehenswertes.

veröffentlicht am 12.02.2018 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 17.02.2018 um 16:03 Uhr

Derzeit nur eine Industriebrache: das Areal mit den ehemaligen Kampffmeyer-Mühlen. Foto: wfx
Dr. Guido Erol Hesse-Öztanil

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Dr. Guido Erol Hesse-Öztanil Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Bis heute war der neue Inhaber der früheren „Kampffmeyer Mühlen“ an der Ruthenstraße streng darauf bedacht, anonym zu bleiben. Die strikte Geheimhaltung sorgte in Hameln für Irritationen und gab Anlass für Spekulationen. Muss die Stadt bei ihrer angestrebten Aufwertung des Weserufers künftig mit einer hässlichen Groß-Ruine leben?

Recherchen der Dewezet führten bis in die Schweiz, wo der unbekannte Käufer seinen Wohnsitz haben soll, was sich jetzt bestätigt hat. Die Immobilie an der Weser wurde an den Geschäftsmann Eliezer Haim Nayman in Zürich veräußert. Sein ebenfalls in der Schweizer Bankenmetropole wohnender Schwager Abraham Weinmann hat sich jetzt während einer Geschäftsreise von London aus mit uns in Verbindung gesetzt. Er spreche im Namen seiner Familie, in deren Besitz sich die Wesermühlen befinden. Ihm gehe es darum, den Sachstand mitzuteilen und so eventuellen Falschmeldungen entgegenzutreten: „Wir haben nichts zu verheimlichen. Wir wollen etwas Gutes für Hameln realisieren!“ Hinter dem „wir“ steht ein sogenanntes Family Office, also ein Unternehmen, das sich mit der Verwaltung großer Privatvermögen befasst. Family Offices sind vor allem in der Schweiz und in England angesiedelt.

Seine Familie, die sich auf Umbau, Renovierung und Neubau von Immobilien spezialisiert habe, verfolge weiterhin das Vorhaben, in dem ehemaligen Mühlengebäude einen Mix aus Dienstleistung, exklusivem Wohnen und Gastronomie umzusetzen. Auch über ein Hotel werde nachgedacht. „Wir sind vor allem in der Schweiz tätig und haben dort einige Projekte erfolgreich umgesetzt“, erklärt Weinmann und verweist dabei unter anderem auf einen in Solothurn erstellten Wohnkomplex mit 42 Einheiten und weitere Projekte in Zürich sowie im Kanton Zug. „Doch in Deutschland betreten wir Neuland.“ Deshalb habe man sich zunächst mit den Rahmenbedingungen vertraut machen müssen. Immerhin gelte es, rund 30 000 Quadratmeter einer neuen Nutzung zuzuführen. In Gesprächen mit der Stadt war auszuloten, wie sich die künftige Erschließung des Gebäudes darstellen soll. Ein aus Sicht Weinmanns entscheidender Punkt. „Wenn hier ein attraktives Wohngebiet entstehen soll, dann muss auch die Erreichbarkeit besser und das Ambiente attraktiver sein als dies derzeit der Fall ist.“ Vom Restaurant Me Lounge gibt es keinen direkten Weg zum Gebäude, der durch die Güterwaggons der Firma Kaminski nahezu versperrt ist – und zudem keinen schönen Anblick demjenigen biete, der in einer teuren Penthauswohnung in der künftigen Wesermühle wohne. „Ich habe die Stadt aufgefordert, das zu ändern, also für die Waggons des Unternehmens eine andere Fläche zu finden. Auch die Gleise müssten natürlich entfernt werden.“ Hier scheint sich eine Lösung abzuzeichnen, so Weinmann. Die Stadt bestätigt, mit dem Zürcher über dieses Thema gesprochen zu haben und mit Kaminski in Kontakt zu stehen, hält sich jedoch bedeckt bei der Frage nach einer Alternativfläche für den Hamelner Waggonbauer.

Das alles habe viel Zeit gekostet und zu Verzögerungen geführt, heischt der Geschäftsmann um Verständnis. „Das hat auch uns gefrustet.“ Die Gespräche mit Hamelns Stadtbaurat Hermann Aden seien bislang immer „positiv verlaufen“, betont Weinmann, der stets zusammen mit Architekt Dr. Avni Halili von AE-Project („Architecture & Engineering“) in Adens Büro vorstellig wurde. „Ich arbeite seit über zehn Jahren mit Herrn Halili zusammen. Er ist sehr professionell.“ Das Planungsbüro AE-Project hat seinen Sitz im baden-württembergischen Warthausen im Landkreis Biberach, übernimmt (laut Website) „Projektentwicklung, Monitoring, Sanierungsplanung“ und wird wohl für die Baukontrolle vor Ort verantwortlich sein.

Stadtbaurat Aden selbst bezeichnet die bisherigen Gespräche mit dem Investor als „konstruktiv“. Das letzte Treffen liege gerade mal zwei Wochen zurück und auch vor Weihnachten war Architekt Dr. Halili in Hameln, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Unter anderem wurden Fragen der Bauleitplanung geklärt. Es finde ein „gegenseitiger Informationsaustausch“ statt und dies sei nach Aden auch wichtig, da die Stadt bekanntlich eine Neugestaltung des Weserufers im Rahmen ihres Zukunftsprojekts „Hameln 2030“ plane. Das Thema Wasser spiele hierbei eine zentrale Rolle und der richtige Ansatz sei der, die Nachnutzung der Kampffmeyermühlen auch in das Gesamtkonzept zu integrieren.

Nach Abraham Weinmann werde derzeit ein Team von Architekten zusammengestellt, um die weiteren Planungen vorzunehmen. Dabei werde man sich auch auf die Erschließung des Wesermühlen-Areals konzentrieren. Für diese Aufgabe sollen vor allem örtliche Büros herangezogen werden, mit denen man bereits in Kontakt stehe. Im Winter dieses Jahres könnte dann der Bauantrag gestellt werden. „Ich würde mich freuen, wenn wir in den nächsten 15 bis 18 Monaten die Baubewilligung haben.“ Weinmann rechnet mit einem Investitionsvolumen von rund 45 Millionen Euro. Ist er sicher, auf seine Kosten zu kommen? Antwort: „Ich habe noch nie ein Projekt umgesetzt, bei dem ich nicht hundertprozentig sicher war, dass es kein Geld bringt.“ Hameln habe das Potenzial für solch ein Projekt – „davon sind wir überzeugt“.

Vermutlich musste der Investor jetzt Farbe bekennen, da ihm die wenig schmeichelhafte Antwort von „AE-Project“ auf eine Anfrage der Dewezet vorlag. Dort hatten wir uns zunächst nach dem Stand des Wesermühlen-Projekts erkundigt. Robert Friedel von AE-Project teilte daraufhin mit, dass in den vergangenen zwei Jahren außer vereinzelten Gesprächen mit der Stadt nichts geschehen sei. Es sei eine unbefriedigende Situation, an der das Büro selbst keine Schuld trage. Die beiden mit der Planung befassten Unternehmen „aeproject wie auch Goldstreetinvests können nur einen Bearbeitungsfortschritt aufweisen, wenn die Investoren reagieren und Rückmeldung geben“. Doch das sei augenblicklich nicht der Fall, was Friedel bedauert. „Leider sind wir in dieser Konstellation nur zweitrangig, da im Hintergrund die Investoren eigentlich den Zeitplan und die Investitionssumme vorgeben.“

Denjenigen, die sich darüber wundern, dass seit dem Verkauf der Industriebrache keine Fortschritte zu erkennen sind, hält Stadtbaurat Aden entgegen: „Zwei Jahre finde ich angesichts der Größenordnung dieses Projekts nicht so dramatisch und aus städtischer Sicht kann ich ein sorgfältiges und profundes Vorgehen nur begrüßen.“

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