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Will die Stadt sich aus der Verantwortung stehlen?

veröffentlicht am 14.02.2011 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (ni).  Für den Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom ist es eine Frage der "Gedenkkultur", für Politik und Verwaltung offenbar nur ein Thema von nachgeodneter Bedeutung: Am Umgang mit den Kriegerdenkmälern in der Stadt mit ihren aus heutiger Sicht fragwürdigen Inschriften und martialischen Darstellungen scheiden sich die Geister.

Der Obelisk steht auf dem Hamelner Garnisonsfriedhof trägt die Jahreszahlen „1870-1871“. Darunter sind die Worte eingemeißelt: „Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung“. Davor liegt ein Gebinde aus Tannenzweigen, auf der blau-weiß-rot gestreifter Kranzschleife prangt der Aufdruck „Stadt Hameln“. Heinz Georg Schneider dreht sich angesichts dieses Arrangements der Magen um, denn nichts daran weist auch nur andeutungsweise darauf hin, dass die Stadt heute auf Distanz geht zu der befremdlichen Inschrift.

Gemeinsam mit dem Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom hat Schneider im November 2009 einen Vorstoß unternommen, die Kriegerdenkmäler in Hameln durch erläuternde Texttafeln in das Denken und Fühlen ihrer Entstehungszeit einzuordnen und ihnen außerdem eine Mahnung vor Kriegen und ihren Folgen an die Seite zu stellen. Die Politik fand das Anliegen zwar löblich, aber nicht wichtig genug, um für das Projekt 10 000 Euro, verteilt auf drei Jahre, zu bewilligen. Statt dessen sollte die Verwaltung prüfen, ob sich Sponsoren finden lassen, mit deren Hilfe sich die Idee in die Praxis umsetzen lässt. Jetzt hat die Verwaltung den beiden Initiatoren mitgeteilt, dass die versprochene Suche nach Sponsoren leider erfolglos verlaufen sei und sie sich nun bitte selbst um Geldgeber kümmern sollten.

Gelderblom und Schneider sind über das Schreiben der Stadt genau so enttäuscht wie verärgert. Dem Brief ist zu entnehmen, dass die Verwaltung bei der Bingo-Stiftung um finanzielle Unterstützung angefragt hat. „Die völlig falsche Adresse“, sagt Gelderblom, denn die Stiftung fördere nur Projekte im Bereich im Bereich Umwelt-, Natur- und Denkmalschutz. Darunter ließen sich die Informationstafeln für die Kriegerdenkmäler aber beim besten Willen nicht einreihen. Also hätte sich die Stadt ihre Anfrage gleich sparen können, beziehungsweise mit einer Absage rechnen müssen. Dass die Verwaltung die aktive Sponsorensuche nach diesem einen Fehlversuch nun gänzlich einstellen und an die Urheber der Idee delegieren will, verstimmt Gelderblom gehörig. Tafeln mit erklärenden Texten bei den Denkmälern aufzustellen, sei eine „stadtpolitische Aufgabe“, spielt er den Ball zurück und sieht Rat und Verwaltung in der Pflicht, Verantwortung für eine angemessene Gedenkkultur in der Stadt zu übernehmen.



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