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Auf den Spuren des Namens des Hamelner Hausberges und seinen Namensvettern

Wieso eigentlich „Klüt“?

HAMELN. Der Klüt ist ein Hamelner Wahrzeichen. Er war einfach schon immer da, thront und wacht seit Anbeginn der Stadtgeschichte über das Weserstädtchen. Aber was bedeutet das Wort und gibt es noch andere Klüts?

veröffentlicht am 14.05.2018 um 12:03 Uhr
aktualisiert am 14.05.2018 um 15:00 Uhr

Der Hamelner Klüt von Osten aus gesehen. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Er war einfach schon immer da, thront und wacht seit Anbeginn der Stadtgeschichte über das Weserstädtchen, diente den Hamelnern über Jahrhunderte als Quelle für Rohstoffe, Ackerzeugnisse und tierische Lebensmittel. Für die meisten Einwohner gehört er so selbstverständlich zu Hameln dazu, dass sich wohl nur die wenigsten mal gefragt haben dürften, woher der Klüt eigentlich seinen Namen hat. Und was der bedeutet. Geschweige denn, ob es noch andere Klüts gibt.

Gibt es aber. Ganz in der Nähe. In Detmold. Ein Ortsteil der Stadt im Lipperland heißt ebenfalls Klüt. Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Namensvetter des Hamelner Hausbergs im Jahre 1409, wie Dr. Wolfgang Bender vom nordrhein-westfälischen Landesarchiv in Detmold mitzuteilen weiß. Auf der Wikipedia-Seite des Detmolder Ortsteils heißt es: „Der Name Klüt stammt vom lippischen Ausdruck für Erdklumpen (Kluten).“ Bender bestätigt das unter Bezugnahme auf den Archivar Otto Preuß. Nach Preuß, von dem 1893 das Buch „Die Lippischen Flurnamen“ erschien, hängt der Ortsname Klüt mit dem niederdeutschen Wort Klute (feminin) beziehungsweise Kluten (maskulin) zusammen und bedeutet: Erdklumpen.

Dies deckt sich mit den Angaben in der „Flurnamensammlung des Landkreises Hameln-Pyrmont“, wie der Hamelner Stadtarchivar Olaf Piontek auf Anfrage mitteilt. Dort tauchen die Flurnamenbezeichnung „Auf dem Klüth“, mundartlich gesprochen „Up’m Klüte“ auf. „Bei den Erläuterungen zu diesem Flurnamen ist ebenfalls von einem möglichen Zusammenhang mit mundartlich ‚klot‘, also Klumpen, die Rede“, führt Piontek aus. Vermutlich ist der Hamelner Klüt etwas älter als der 1409 erstmals erwähnte Klüt in Lippe. Der Hamelner Hausberg wird laut Stadtarchivar Piontek urkundlich erstmals bereits im Jahr 1368 erwähnt. Damals sei es um die Eigentumsverhältnisse eines Hopfenberges „vor dem Klute“ gegangen. Apropos Berg: Auch die Ortschaft Klüt verfügt über einen Klütberg. Nur heißt er etwas anders: Klüterberg, ein Nachbarort von Klüt. Und das sind noch lange nicht alle Klüts, die es so gibt: siehe Kasten.

Das Ortsschild des Detmolder Stadtteils Klüt. Foto: Bernhard Preuß
  • Das Ortsschild des Detmolder Stadtteils Klüt. Foto: Bernhard Preuß
Und dann gibt es noch den Pop-Star Kluet: Der Orang-Utan aus einem Zoo in Australien. Foto: Screenshot/Youtube
  • Und dann gibt es noch den Pop-Star Kluet: Der Orang-Utan aus einem Zoo in Australien. Foto: Screenshot/Youtube

Klüt – darauf reimt sich Düth. So wird der Dütberg auf der anderen Seite der Stadt, zwischen Rohrsen und Afferde, genannt. Wenn Klüt also Klumpen heißt, was bedeutet dann wohl Düth? In der Flurnamensammlung des Landkreises Hameln-Pyrmont wird vermutet, dass sich der „Duet“ wohl von Tiu oder Ziu, dem germanischen Gott, auch: Tyr, ableitet. Demnach hätten am Dütberg sogenannte „Go-Versammlungen mit Gericht, Gottesdienst und Markt der Ostermark“ stattgefunden. So gesehen stellen Klüt und Düth, auch wenn kein tatsächlicher Zusammenhang zwischen ihren Namen besteht, einen gewissen Gegensatz dar: hier der Klüt, der Erdklumpen, das Weltliche, da, auf der anderen Seite, der Düth, der germanische Gott, das Göttliche.

Information

Was es sonst noch so für Klüts gibt

Die meisten „Klüts“ gibt es im Detmolder Klüt: Dort gibt es den Gasthof Zum Klüt, den Rasensport-Verein Klüt, die Kita-Klüt und so weiter …

  • Außerdem gibt es Plum’n un Klüt: Dabei handelt es sich um ein „altes Geheimrezept“ einer Oma aus Norddeutschland, wie auf der Internetseite www.geschmackundliebe.de nachzulesen ist. „Plum’n un Klüt ist Plattdeutsch und steht für ,Pflaumen und Klöße‘ – ein typisches Sommergericht“, heißt es da.
  • In Drage bei Hamburg gibt es offenbar ein Traditionsgericht namens Büddel Klüt. Auch dort steht Klüt wohl für Klumpen oder Kloß. „So ein Büddel Klüt braucht Zeit und Muße in seinem Wasserbad (…) Eine Stunde verbringt der ,Büddel‘ im Wasserbad, bevor er den Mehl-Rosinen-Kloß frei gibt“, heißt es auf der Website der Harms-Genusshandwerkerei in Drage.
  • Einem Ökologen namens Jan-Dieter Ludwigs zufolge ist Klüt auch der plattdeutsche Name für den Vogel Säbelschnäbler.
  • Im Rheinischen Braunkohlerevier war Klüt beziehungsweise Klütten auch die Bezeichnung für vorindustrielle und von Hand hergestellte Braunkohle-Presslinge, wie es bei Wikipedia heißt. Ferner leite sich Klütt/Klüt vom niederdeutschen Kluit beziehungsweise rheinischen Klüt ab – was auch dort (Erd-)Klumpen bedeute.
  • „Klüt und der Klabautermann“ heißt ein 1963 erschienenes Kinderbuch von Lotte Betke (1905-2008).
  • Kluet lautet auch der Name eines Volkes in Indonesien. Die Sprache des Kluet-Volkes heißt Alas-Kluet.

Und dann gibt es noch den Pop-Star Kluet: Der Orang-Utan aus einem Zoo in Australien machte 2016 von sich reden, als er mit einer App auf dem Smartphone eine Jazz-Melodie komponierte. Daraus ging der – für den Schutz der Orang-Utans – zum Kauf angebotene Song „Give me a Klue“ hevor.



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