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Um 1383 Prozent verschätzt?

Wieso das Baumgutachten teurer wurde als gedacht

HAMELN. Laut Ratsbeschluss sollte ein Gutachterbüro beurteilen, welche Bäume in den Ortsteilen schützenswert sind. 130 000 Euro hat das Gutachten gekostet – mit etwa 8 500 Euro hatte die Verwaltung noch vor einem Jahr kalkuliert. Wie konnte zu dieser gewaltigen Abweichung vom Plan kommen?

veröffentlicht am 19.05.2017 um 16:07 Uhr
aktualisiert am 19.05.2017 um 18:10 Uhr

Für 130 000 Euro ließ die Stadt prüfen, welche Bäume in den Ortsteilen geschützt werden müssen. Foto: Dana
Michael Zimmermann

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Wie schützenswert sind die Bäume in den Hamelner Ortsteilen? Das sollte laut Ratsbeschluss ein Gutachterbüro beurteilen. Das Ergebnis liegt, wie berichtet, vor. Für Unverständnis sorgt jedoch die Kostensteigerung: Mit etwa 8500 Euro hatte die Verwaltung nämlich noch vor einem Jahr kalkuliert, gut 9400 Euro hatte sie dafür in den Haushalt 2016 eingestellt. 130 000 Euro hat das Gutachten schließlich gekostet – 1383 Prozent der geplanten Summe. Normalerweise würden solche Posten immer so großzügig berechnet, dass böse Überraschungen ausbleiben, heißt es aus dem Rathaus. Wie konnte es dann trotzdem zu dieser gewaltigen Abweichung vom Plan kommen?

Die Kosten seien im Vorfeld auf Basis der erwarteten Anzahl schützenswerter Bäume ermittelt worden, erklärt ein Sprecher der Stadt. Bevor der Auftrag erteilt wurde, sei schwer abzuschätzen gewesen, wie hoch diese Anzahl in den Ortschaften wirklich sein würde. Die Verwaltung sei zunächst davon ausgegangen, dass etwa 800 Bäume geschützt werden müssten, habe aber von Anfang an die Option vorgesehen, den Auftrag bei Bedarf noch zu erweitern. In der Berechnung enthalten seien die Vorauswahl potenziell geeigneter Bäume, die Erstellung eines Steckbriefs für jeden Baum sowie die anschließende Aufbereitung und das Einarbeiten der Daten für die Datenbank. Jeder einzelne Baum habe erfasst und vor Ort begutachtet werden müssen, so der Stadtsprecher. Schließlich müsse man sich einen Baum vor Ort sehr genau ansehen, wenn das Ergebnis seriös und vor allem auch rechtssicher sein soll.

Dabei sei allerdings übersehen worden, „dass bis zu diesem Ziel eine sehr viel größere Menge Bäume vorbegutachtet werden musste.“ Um am Ende auf die rund 1000 ermittelten Bäume zu kommen, die unter Schutz stehen sollen, musste also in den Ortschaften anhand von Luftbildern zunächst ein sehr viel größerer Baumbestand in Augenschein genommen werden. Insgesamt 16 300 Laubbäume mit mindestens vier Metern Kronendurchmesser und Nadelgehölze mit mindestens sechs Metern Kronendurchmesser seien so ausgewählt und kartiert worden – sowohl in der Feldmark als auch in bebauten Gebieten.

Diese Kosten seien weder der Verwaltung noch dem Gutachter im Vorfeld so offenkundig gewesen, dass man regulierend hätte eingreifen können, sagt der Rathaussprecher. „Als dann die Ergebnisse der Vorauswahl vorgelegen haben, war die Abrechnung in dieser Größenordnung nur noch begrenzt nachzujustieren.“ Erst Ende März habe das gesamte Ausmaß endgültig festgestanden – da sei es zu spät gewesen noch steuernd einzugreifen. Die folgende Zeit sei dann mit der hausinternen Abstimmung und der möglichen Deckung der Auftragssumme verbracht worden. Erst danach habe die Abteilung damit begonnen, die Vorlage für den Umweltausschuss zu erstellen. Deshalb hätten die Ausschussmitglieder auch nicht früher informiert werden können.

Immerhin: Pro Baum lägen die tatsächlichen Kosten deutlich unter der ursprünglichen Kalkulation. Während Verwaltung und Gutachterbüro nämlich anfangs von 15 Euro pro Baum ausgingen, waren es am Ende nur noch acht Euro. Das würde bei den regelmäßigen Überprüfungen dann wieder Geld einsparen.

Die Mehrausgaben sollen nun zum Teil aus Haushaltsresten der Umweltabteilung kommen, der Rest durch Verschiebungen im aktuellen Haushalt aufgefangen werden. Was in der Abteilung nach hinten gestellt wird, also an welcher Stelle das Geld jetzt fehlt, lässt sich nach Auskunft aus dem Rathaus aber noch nicht konkret sagen. Dies hänge auch davon ab, wie weit einzelne Projekte im Jahr 2017 entwickelt und realisiert werden könnten.

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