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Nostalgie in der Kaserne

Wiedersehen mit ehemaligen Soldaten

HAMELN. Terry Nolan ist einer von etwa 100 ehemaligen Soldaten aus Großbritannien, die an diesem Wochenende der Einladung von Thomas Haeckel, Vorstandsmitglied im British-German-Club Hameln, zu einem Wiedersehen gefolgt sind. Auf dem Programm stand auch der Besuch ihrer ehemaligen Wirkungstätte, der Linsingen-Kaserne.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 20:01 Uhr

Terry Nolan, einst Stabsfeldwebel bei den Pionieren Ihrer Majestät in Hameln, ärgert sich über das Unkraut, das aus dem Pflaster vor dem Regimentsstein in der Linsingen Kaserne wächst. Kurzerhand kniet der 73-Jährige sich hin und rupft es aus. Foto:
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Terry Nolan fackelt nicht lange: Geschmeidig kniet sich der 73-jährige Brite, er ist fit wie ein Turnschuh, vor dem Regimentsstein hin – nicht etwa aus Ehrfurcht, sondern um etwas von dem hochwachsenden Unkraut aus der Pflasterfläche zu ziehen.

Danach schweift sein Blick über den Exerzierplatz, der ebenso mit Grünzeug übersät ist. Die Stimme des früheren Soldaten im 28. Pionier-Regiment Ihrer Majestät drückt Enttäuschung, ja, sogar ein bisschen Verachtung aus, als er erklärt: „Niemals hat das so ausgesehen, als ich hier Dienst getan habe!“

Aber, fügt er hinzu, er sei ja schließlich nicht hier, um für derlei Dinge Sorge zu tragen. Tatsächlich ist Terry Nolan, er lebt übrigens seit dem Ende seiner Dienstzeit im Jahr 1984 weiterhin in Hameln, einer von etwa 100 ehemaligen Soldaten aus Großbritannien, die an diesem Wochenende der Einladung von Thomas Haeckel, Vorstandsmitglied im British-German-Club Hameln, zu einem Wiedersehen gefolgt sind. Und da bei diesem Treffen nicht zuletzt Erinnerungen an frühere Zeiten aufgefrischt werden sollen, steht am Sonntagmorgen der Besuch ihrer ehemaligen Wirkungsstätte, der Linsingen-Kaserne an der Süntelstraße, auf dem Programm. Terry erinnert sich gern an die alten Zeiten. „Das war gar nicht schlecht, als die britische Armee hier stationiert war“, bekundet er. Als er unserer Zeitung dann noch die Sache mit dem letzten Besuch von Königin Elisabeth II. in der Garnision erzählt, grinst er diebisch. Warrant-Officer (Stabsfeldwebel) Terry Nolan war damals Leiter des Busdienstes der Briten in Hameln. Als solcher sorgte er dafür, dass immer ausreichend jubelndes Publikum an den Besuchspunkten der Queen vor Ort war. Er hatte etwa 500 Zivilisten – die Soldaten mussten ja paradieren – um sich geschart, lud sie in seine Busse und fuhr sie zu den jeweils nächsten Orten, wo er sie stets rechtzeitig wieder ausgeladen hatte, ehe die Königin dort aus ihrer Limousine stieg. „Und es hat funktioniert“, ist er heute noch stolz auf sein logistisches Glanzstück. „Die Queen hat‘s nicht gemerkt“.

Im Gegensatz zu Terry Nolan, der ja quasi „um die Ecke“ wohnt, hat der 63-jährige Eddie McGinty die weite Anreise aus Glasgow auf sich genommen, um an dem Ehemaligentreffen teilnehmen zu können. Zwischen Dezember 1973 und Juli 1977 sowie von 1980 bis 1983 war der Lance Corporal (Gefreiter) in Hameln in der Scharnhorst-Kaserne stationiert und hat im Pionier-Regiment Dienst als Baumaschinenführer geleistet. 2006 war er dann als Hochzeitsgast eines deutschen Freundes noch einmal in der Stadt an der Weser zu Besuch. „It‘s a bit sad to see it all empty“, es stimme ihn ein wenig traurig, das alles vollkommen verlassen zu sehen, sagt er mit Blick auf das wie ausgestorben wirkende Kasernengelände. Um so mehr freue es ihn, dass, wie zuvor von Hamelns Ratsmitglied Wilfried Binder berichtet und von Thomas Haeckel ins Englische übersetzt, das Areal künftig neu belebt werden solle (wir berichteten). Und noch etwas freut ihn: Die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft der Deutschen, die er und seine Kameraden jetzt zu spüren bekommen. „Na ja“, räumt der Schotte schmunzelnd ein, „jetzt sind wir ja auch als Touristen hier, früher dagegen, waren wir die ,bad boys‘“.

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