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Adele und Adebar beziehen Nest auf Molkerei-Schornstein / Seit 1990 Störche in Hessisch Oldendorf

Wieder zu Hause

Hessisch Oldendorf. Der Horst auf dem Schornstein der ehemaligen Molkerei in Hessisch Oldendorf ist nicht mehr verwaist. In den vergangenen Tagen haben zwei Störche das Nest bezogen. Schwarz-weißes Gefieder ist zwischen aufgetürmtem Geäst zu sehen. Und zwei rote lange Schnäbel zeigen wie Kompassnadeln stur in eine Richtung. Allerdings nicht nach Norden. Sie sind nach Osten ausgerichtet.

veröffentlicht am 28.02.2016 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Die Vögel trotzen so in ihrem neuen Zuhause dem eisigen Ostwind, ducken sich, bieten Böen kaum Widerstand. Am Donnerstag flog der erste Vogel den Horst an, am Freitag folgte der Partner. Sind es Durchzügler, die ein bis zwei Nächte verweilen, um danach ihre Reise fortzusetzen? Oder haben Adele und Adebar – das Storchenpaar aus dem Vorjahr – ihr altes Quartier erneut angeflogen? Dietmar Meier will es genau wissen. Der Storchenberater vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) steht abseits des Schlots, seine Bridgekamera im Anschlag. Sollte ein Vogel beringt sein, kann der Rohdener anhand eines Fotos die Daten ablesen und weiß sofort, wenn er Adele vor sich hat.

Doch noch sitzen die Störche. Sein erster Eindruck ist positiv. „Die sehen gut aus – vom Befinden und dem Körperaufbau nach. Es sieht nicht danach aus, als hätten sie Außergewöhnliches erlebt“, meint der Naturfreund. Meier ist nicht allein am Nest. Ein Turmfalkenpaar umkreist den Horst, inspiziert neugierig die neuen Nachbarn. Die Vögel beobachten sich argwöhnisch. Dabei haben sie nichts Nachteiliges voneinander zu erwarten. Außer, dass sie jeweils einem gemeinsamen Beutetier nachjagen: Mäusen. „Störche haben vom Frosch auf die Maus gewechselt, fressen auch Regenwürmer“, weiß Meier. Wo sollen Adebar und Co. auch in Hessisch Oldendorf Frösche finden? „Am Herrenteich westlich der Stadt haben wir noch was mit Fröschen, aber sonst haben wir nur Regenwurm und Maus“, erklärt der Hobby-Ornithologe die schmale Storchen-Speisekarte.

Es tut sich was im Horst. Ein Vogel erhebt sich, Meiers Augen sind nun auf die storkelig anmutenden Beine fixiert. Doch einen Ring trägt das Tier nicht. Als der zweite Storch aufsteht, zückt der Nabu-Beauftragte seine Kamera, schießt ein Foto. Beim anschließenden Blick aufs Display weicht Meiers zunächst angestrengte Miene mehr und mehr glücklichen Gesichtszügen. „DER AF 106“, liest Meier ab. „Das ist Adele“, platzt es plötzlich aus dem Rohdener heraus.

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  • Der Ring dokumentiert: Es ist Adele. Foto: fn

Adele – Störche in Hessisch Oldendorf werden eigentlich immer Adebar und Adele genannt – ist zum fünften Mal zum Nest in der Weserstadt zurückgekehrt. Der Vogel wurde am 17. Juni 2010 nestjung in Gundelfingen bei Freiburg beringt. Der Experte vermutet, dass es sich beim Storchenmann um den Vogel handelt, mit dem Adele im Vorjahr Hochzeit gefeiert hat.

„Die sind miteinander vertraut, das merkt man schon. Störche sind bei der Partnerwahl eigentlich meist etwas eigen und nehmen das mit der Ehe nicht so genau“, erzählt Dietmar Meier. Die Tiere sind etwas zeitiger angereist als im Vorjahr. Damals erfolgte die Ankunft des Storchenmännchens am 5. März. Adele kam neun Tage später an. Bleibt die Frage, ob die Vögel auf ihrer langen Reise aus Afrika über den Bosporus oder über Gibraltar geflogen sind – also Ost- oder Westzügler sind. Das kann der Experte nicht beantworten.

„Manche ziehen nicht mehr so weit, wie auch Kraniche. Die bleiben den Winter über in Spanien“, weiß Meier. In Hessisch Oldendorf ist nun Nestausbau angesagt. Dazu fliegen die Störche mit größeren Ästen den Horst auf dem Molkereischornstein an. Und nach Nahrung werden Grünflächen in Wesernähe abgesucht. Halt nach Mäusen, wenn es schon keine Frösche gibt..



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