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Grüne fordern Auftrittsverbot, wenn exotische Tiere im Programm sind

Wie wild darf ein Zirkus sein?

Hameln. Ein Elefant sitzt auf einem Stuhl – das ist kein Comic, das ist Zirkus. Und auch beim Zirkus Charlies Knie, der im März in Hameln gastiert, ist es Teil des Programms. Die Hamelner Grünen aber möchten keine Elefanten auf Stühlen sitzen sehen – Wildtiere gehören ihrer Ansicht nach in die Wildnis, nicht in den Zirkus. Daher fordern sie nun von der Stadt ein Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren.

veröffentlicht am 02.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Laut Grünen kann es für Elefanten, Löwen oder Zebras keinen artgerechten Platz in einem Zirkus geben – neben Fragen nach Haltung und Transport sei es auch eine Frage ethischer Grundsätze. „Vergnügen für zwei Stunden rechtfertigt keine lebenslange Haft. Ein Zirkus soll ein Ort zum Lachen und Träumen sein, aber Wildtiere gehören nicht in die Manege“, sagt Sven Kornfeld, Vorsitzender der Hamelner Grünen. Mit dieser Haltung ist er nicht allein: Neben Tierschutzorganisationen wie PETA und dem Deutschen Tierschutzbund spart auch die Bundestierärztekammer nicht mit Kritik – und forderte schon 2010 ein Wildtierverbot im reisenden Zirkus. Die Begründung: Enge Transporter, Temperaturschwankungen und Lärm sowie das Herausreißen aus der sozialen Gruppe stresse die Tiere.

Patrick Adolph, Pressesprecher beim Zirkus Charles Knie, ist diese Auseinandersetzung gewohnt. Das Unternehmen hat 110 Tiere „aus allen Kontinenten der Erde“ im Schlepptau. Im Moment seien „die Zirkusse im Fadenkreuz“ der Kritiker, als nächstes kommen die Zoos, prophezeit er. Doch: „Wir machen nichts Gesetzwidriges.“ Ein Amtsveterinär kontrolliere den Zirkus in jeder Stadt, in der er sein Zelt aufschlage. Laut Landkreis Hameln-Pyrmont würden dabei vor allem das Vorhandensein der Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz, die Einhaltung eventueller Auflagen, das Tierbestandsbuch, die Tierunterbringung und der Gesundheitszustand der Tiere kontrolliert. Tierschutzrechtlich sei beim Zirkus Charles Knie alles abgesichert, versichert auch die Stadtverwaltung, die die Erlaubnis erteilt hat.

Alles also nur eine Glaubenssache? Es sei ein „verschwindend kleiner Teil der Gesellschaft“, der ein Wildtierverbot fordere, meint Adolph. In einer bundesweiten Forsa-Umfrage vergangenen Mai allerdings sprachen sich 82 Prozent der Befragten für ein Verbot exotischer Tierarten in Zirkussen aus. Das Unternehmen Knie entgegnet, mit Kunden andere Erfahrungen zu machen. Für das traditionelle Familienpublikum seien die Exoten nicht aus der Manege wegzudenken, sagt Adolph. „Solange gesellschaftliche Vorschriften das nicht verbieten, machen wir weiter.“ An eine Änderung des Programms denke man nicht.

Ein grundsätzliches Wildtierverbot im Zirkus gibt es in Deutschland nicht. Doch immer wieder erteilen Kommunen keine Erlaubnis, wenn solche Zirkusse um Standerlaubnis bitten. Für die Grünen ein Erfolg, denn „nur so lasse sich ein Umdenken in der Zirkuslandschaft erreichen“. Macht auch die Verwaltung in Hameln die Entwicklung mit? Bislang habe man sich mit dem Thema nicht beschäftigt, teilt der Pressesprecher mit. Doch hier gehe es schließlich „um mehr als geltendes Recht“. Man teile die Sorge um die Tiere und wolle darüber diskutieren, wie man künftig damit umgehe.

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