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Stadt Hameln kämpft „mit vielen kleinen Schritten“ gegen Lärmbelastung

Wie werden Straßen leiser?

HAMELN. „Lärm ist eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Zeit“, sagt die Deutsche Gesellschaft für Akustik, die seit 1998 immer im April den „Tag gegen Lärm“ ausruft. Denn Dauerlärm ist ein Stressfaktor, der krank macht. Die Hauptquelle von Lärm bleibt der Straßenverkehr. Die Stadt Hameln kämpft seit 2014 „mit vielen kleinen Schritten“ gegen Lärmbelastung.

veröffentlicht am 27.04.2017 um 07:00 Uhr
aktualisiert am 27.04.2017 um 13:50 Uhr

An der Deisterstraße konnten wir gestern bis zu 103 Dezibel messen. Foto: jph
Michael Zimmermann

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„Lärm ist eines der gravierendsten Umweltprobleme unserer Zeit“, sagt die Deutsche Gesellschaft für Akustik, die seit 1998 immer im April den „Tag gegen Lärm“ ausruft. Denn Dauerlärm ist ein Stressfaktor, der krank macht. Die Grenze, ab wann Lärm eine Wirkung auf die Gesundheit haben kann, wird auf 55 Dezibel geschätzt, das entspricht in etwa der Zimmerlautstärke eines Radios. An Hauptverkehrsstraßen herrschen Pegel von 80 Dezibel. Dabei kommt es aber auch auf das subjektive Empfinden an: Lärm, das sind Geräusche, die als laut und unangenehm empfunden werden. So ist ein Musikkonzert mit etwa 109 Dezibel zwar laut, aber trotzdem für die meisten ein Vergnügen – auch wenn es das Gehör schädigen kann.

Unsere Zeitung hat bereits vor einer Weile mit einem (nicht geeichten) Dezibel-Messer eigene Messungen durchgeführt. Die Maximalwerte der Messung überraschen: Ein bellender Hund erreichte 111 Dezibel und war damit genauso laut wie eine Rüttelplatte. Eine stehende S-Bahn kommt auf 69 Dezibel. Wenn sie aus dem Bahnhof ausfährt, auf 97 Dezibel. Auch handwerkliche Arbeiten können beachtliche Lautstärken erreichen. Ob Betonschneider (107 Dezibel), Elektrorasenmäher (98 Dezibel), Bagger (89 bis 104 Dezibel), das Abkippen von Steinen (108 Dezibel) oder der Schlag eines Hammers auf Granit: Die Ausschläge auf dem Messgerät sind nicht nur besonders hoch, die Lärmbelastung dauert auch in der Regel noch deutlich länger an als das Bellen eines Hundes.

Die Hauptquelle von Lärm bleibt aber der Straßenverkehr. An einer innerstädtischen Ampel können schon einmal Pegel von 111 Dezibel erreicht werden. Der Straßenlärm beschäftigt auch in Hameln Anwohner, Verwaltung und Politik seit langem. Vor allem die Deisterstraße als Hauptschlagader für die Innenstadt ist stark mit Schadstoffen und Lärm belastet. Nur mit geschlossenen Fenstern kann das ständige Grundrauschen dort ein wenig gedämpft werden. Bei unserer erneuten Messung am Mittwoch ergab sich an der Deisterstraße ein Mittelwert von 86 Dezibel und ein Höchstwert von 103 Dezibel. Auch am Brückenkopf ist es mit im Schnitt 69 Dezibel (Höchstwert 90 Dezibel) sehr laut. Zum Vergleich: Auf dem Klüt ist es mit 40 Dezibel deutlich ruhiger.

Hundegebell: 111 Dezibel. Foto: dpa
  • Hundegebell: 111 Dezibel. Foto: dpa
Bagger: 89 bis 104 Dezibel. Foto: Bilderbox
  • Bagger: 89 bis 104 Dezibel. Foto: Bilderbox
Stehende S-Bahn: 69 Dezibel. Foto: Dana
  • Der Bahnverkehr im Norden wurde wegen des Sturmes eingestellt. Betroffen ist auch die S5. Foto: Dana
Rasenmähen: 98 Dezibel. Foto: Bilderbox
  • Rasenmähen: 98 Dezibel. Foto: Bilderbox
Hundegebell: 111 Dezibel. Foto: dpa
Bagger: 89 bis 104 Dezibel. Foto: Bilderbox
Stehende S-Bahn: 69 Dezibel. Foto: Dana
Rasenmähen: 98 Dezibel. Foto: Bilderbox

Schon 2014 hat die Verwaltung daher einen Lärmaktionsplan vorgestellt, den ein Büro aus Kassel erarbeitete. Einer der Bausteine des Plans: „Verkehrsverstetigung“ und „Zuflusssteuerung“, also der Versuch, den Verkehr innerorts so am Laufen zu halten, dass Geräusche beim Anfahren vermieden werden können und möglichst keine Staus entstehen. Eine sogenannte „Pförtnerampel“ gibt es zum Beispiel schon an der Fischbecker Straße, die vom Forster Weg stadteinwärts nur so viel Verkehr zulässt, wie die Ampeln bis zum Mertensplatz verkraften können. Noch in diesem Jahr sollen nach Angaben der Stadt die Ampelschaltungen im Bereich Berliner Platz, Deisterstraße und Wallring überprüft und gegebenenfalls optimiert werden.

Auch neue Straßenbeläge sollen die Lärmbelästigung senken. Bisher umgesetzt wurden zum Beispiel Abschnitte des Hastenbecker Weges, Teile der Basbergstraße und der Bereich um die Münsterbrücke. An der Basbergstraße herrscht zusätzlich ein nächtliches Tempolimit von 30 km/h. Geplant ist unter anderem, 2018/19 die L 424 im Bereich zwischen der Stadthamel/ Dietzweg und der Fluthamelstraße zu sanieren. Weitere Strategien des Plans, mit deren Umsetzung schon begonnen wurde: Radverkehr und Öffis attraktiver gestalten, die Busflotte modernisieren und eine spezielle Ampelschaltung für die Busse, sodass Grünphasen bei Bedarf per Funksteuerung angefordert oder verlängert werden können. Vor einiger Zeit beschlossene Anstrengungen, ein Mobilitätsmanagement für Unternehmen und Verwaltung einzuführen oder autofreie Wohngebiete auszuweisen, lassen hingegen noch auf sich warten.

Welchen Erfolg die bisherigen Bemühungen gebracht haben, lasse sich flächendeckend nicht ohne weiteres messen, sagt ein Sprecher der Stadt Hameln. „Dabei geht es ja auch um subjektive Erfahrungen, und die hängen auch von den Befindlichkeiten der Anwohner ab.“ Nach Wahrnehmung der Verwaltung sei es an der Basbergstraße schon ruhiger geworden. In einer Stadt wie Hameln könne Verkehrslärm jedoch nicht einfach auf Knopfdruck abgestellt werden. In den vergangenen Jahren seien viele kleine Schritte unternommen worden, die zwar nicht in allen Fällen ausreichten, nach Meinung der Stadt aber „in die richtige Richtung gehen“.

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