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Unsere Mai-Serie „Nichts als die Wahrheit“: Wie wird aus ganz vielen Ideen ein Produkt?

Wie wählt eine Redaktion Themen aus?

WESERBERGLAND. Morgens um 9.30 Uhr in der Redaktion: Die Redakteure kommen im „Newsroom“ zusammen. Hier planen sie gemeinsam mit den Chefredakteuren und Ressortleitern die Zeitungsausgabe für den nächsten Tag. Bis die Themen bei den Lesern auf dem Frühstückstisch landen, gehen sie oft einen langen Weg.

veröffentlicht am 02.05.2017 um 17:40 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 14:36 Uhr

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Reporter zur Autorenseite

Die Presse, der Journalismus, die Medienwelt – was darf man 2017 darunter verstehen? Begriffe wie Pressefreiheit, Recherche, Nachrichten, Information und Wahrheit scheinen durch Schlagworte wie Lügenpresse, Fake-News und alternative Fakten in Gefahr zu geraten. Unsere Zeitung macht ihr tägliches Tun für einen Monat zum öffentlichen Serienthema: den Journalismus. Seine Regeln, seine Verpflichtungen, seinen Kodex. Und die Gefahren, in die er sich begibt. Auch die selbstkritische Frage, wie wahr Nachrichten sind.

Wenn in der Nacht zuvor nicht gerade etwas Außergewöhnliches wie ein schrecklicher Unfall oder ein Verbrechen passiert ist, erfolgt zunächst der gemeinsame Blick in den an die Wand projizierten Themen- und Terminkalender. Dort steht unter anderem: 16 Uhr, Ausschusssitzung, in der es um die Zukunft des Hamelner Hochzeitshauses in Hameln gehen soll. Klar, dieser Termin wird besetzt. Auch klar: Das Ergebnis muss am nächsten Tag in der Zeitung stehen – auch wenn die Sitzung erst um 23 Uhr endet.

Wieso? Die Redaktion hält das Thema für besonders relevant. Und wieso das? Weil das Hochzeitshaus nicht nur eines der historisch bedeutsamsten Gebäude mitten in der Stadt ist, sondern nahezu jeder Hamelner kennt es. Außerdem steht es in großen Teilen seit Jahren leer. Darüber hinaus hat eine Tageszeitung den Anspruch, so aktuell wie möglich zu berichten. Mit dem Online-Aufritt der Dewezet ist dies problemlos möglich. Just in time.

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Aber unser Beispiel vom Hochzeitshaus ist nur eines von vielen Themen, die sich in der Dewezet finden. Wie werden all die anderen Themen ausgewählt? Nach welchen Kriterien? Wie sieht dieser Entscheidungsprozess aus? Und wie werden die Themen aufbereitet?

Das Leben ist so interessant und vielfältig, dass es unmöglich ist, alle Bereiche tagtäglich in einer Zeitungsausgabe unterzubringen. Also legt jeder Verlag von vornherein fest, über welche dieser unzähligen Bereiche in seinem Medium hauptsächlich berichtet werden soll. Für die Dewezet als Lokalzeitung liegt das Hauptaugenmerk auf dem Lokalen.

Die Ereignisse, die sich auf Landes- und Bundesebene und dem Rest der Welt zutragen, werden von internationalen Presseagenturen und dem Redaktionsnetzwerk Deutschland abgedeckt und von der Dewezet in ihren überregionalen Zeitungsteilen untergebracht. Folglich gibt es in der Dewezet wie in den meisten anderen Zeitungen zunächst eine grobe Aufteilung der Themen in Ressorts. Jedes Ressort deckt einen bestimmten Themenbereich ab, von dem die Redaktion annimmt, dass er für die Leser von besonderem Interesse ist. Zuallererst sind das die Themen, von denen alle Bürger betroffen sind: den Entwicklungen in Politik und Wirtschaft. Entsprechend heißen die Ressorts.

Als Lokalzeitung befasst sich die Redaktion mit dem lokalen Politik- und Wirtschaftsgeschehen auf den Lokal-Seiten „Hameln“, „Bad Pyrmont“, „Bodenwerder“, „Weserbergland“ und so weiter. Weitere Ressorts sind etwa „Kultur“ und „Sport“.

Auf den Lokal-Seiten landen aber längst nicht nur Themen aus Politik und Wirtschaft. Hier geht die Redaktion auch Angelegenheiten aus dem Alltag auf den Grund, die den Leser direkt vor der Haustür beschäftigen: Eine schwer einsehbare Straßeneinmündung, für die eine Verkehrslösung gesucht werden soll zum Beispiel, oder ein Konflikt mit einer Behörde.

Andere Themen fliegen der Redaktion gewissermaßen zu. Unfälle, Katastrophen oder Verbrechen bekommen viele Menschen mit. Das Leserinteresse an diesen Themen ist groß, weil theoretisch jeder selbst betroffen sein könnte.

Genauso haben große und kleinere Veranstaltungen auf unseren Lokal-Seiten ihren Platz, vom Pflasterfest bis zum kleinen Kneipen-Konzert: sowohl als Ankündigung, dass sie überhaupt stattfinden, als auch als kritische Berichterstattung.

Aber die Redaktion berichtet nicht bloß über Ereignisse. Sie „setzt“ auch selbst Themen. Das bedeutet: Die Redakteure werfen selbst Fragen auf, von denen sie meinen, dass sie von gesellschaftlicher Relevanz sind. Dies kann die Gestaltung der Weserpromenade in Hameln und in Bodenwerder sein oder das kritische Nachfragen bei finanziellen Großprojekten wie dem Neubau des Gymnasiums in Bad Pyrmont. Im Idealfall deckt die Redaktion Missstände auf. So hat die Dewezet vor einigen Jahren etwa dazu beigetragen, die Millionenpleite der Hamelner Cemag-Firmengruppe aufzuzeigen.

In einer Lokal-Zeitung auf keinen Fall fehlen dürfen die Menschen: Menschen mit besonderen Hobbys oder Leute, die etwas besonderes geleistet haben, Musiker, Künstler, Nachbarn, Ehrenamtliche, Menschen von nebenan. Typen, die für Leser und Redakteure gleichermaßen interessant sind.

Was von all den genannten Beispielen in welcher Reihenfolge in der Zeitung erscheint, hängt davon ab, wie sehr das Thema drängt: Höchste Priorität haben dabei die aktuellen Ereignisse. Zum Beispiel die am späten Abend getroffene Ratsentscheidung über die Zukunft des Hochzeitshauses oder der große Unfall, der sich kurz vor Redaktionsschluss auf der Bundesstraße 83 ereignet.

Am Ende der Themenfindung steht die Frage nach der Aufbereitung. Wird es ein nüchterner Sachtext oder eine bunte Reportage? Soll aus der Ratssitzung heraus getwittert werden? Kommentiert der Redakteur den Ratsbeschluss? Wird auf der Facebook-Seite der Dewezet eine Umfrage gestartet? Was soll in welcher Form online erscheinen? Und welche lokalen Inhalte werden auf der Titelseite der Dewezet oder der Pyrmonter Nachrichten platziert?

Dieser gesamte Prozess kann sich jeden Tag in jeder Minute wiederholen, weil neue Nachrichten hereinkommen, weil die Redaktion plötzlich ein neues Thema ins Blatt nehmen – und dafür ein anderes weichen muss. An manchen Tagen stellt sich mehrfach die Frage nach dem Was?, Wo? und Wie? Von 9.30 bis 23 Uhr immer wieder aufs Neue. Allen Themen gemeinsam ist, dass sie in der Redaktion besprochen und abgewogen werden, bevor in der Zeitung über sie berichtet wird. Und noch eine Gemeinsamkeit haben sie: Sie erscheinen nur in der Zeitung, wenn alle Fakten, die sie beinhalten, auf ihre Richtigkeit geprüft worden sind.

Lesen Sie morgen in unserer Mai-Serie: Wem sind Journalisten eigentlich verpflichtet?



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