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Oder warum man die Zeitung auch mal quer einreißen sollte

Wie viel Wald steckt in einer Dewezet?

In der Ausgabe der heutigen Dewezet, könnte – rein theoretisch – eine Dewezet von vor fünf Wochen stecken. Denn das Papier, auf das die Zeitung gedruckt wird, ist aufbereitetes Altpapier. „Ein extra Baum wird für uns nicht gefällt“, sagt Carsten Wilkesmann, Leiter der Druckerei in Hottenbergsfeld. Die Dewezet wird ausschließlich auf aufbereiteten Altpapier gedruckt. Dennoch: Der riesige Papierberg, der in Deutschland verbraucht wird, braucht nun mal auch Nachschub. Papierfasern können nicht unendlich oft wiederverwertet werden, brechen, gehen auch mal kaputt oder verloren. Irgendwann kommt also natürlich auch Frischholz in diesen Kreislauf.

veröffentlicht am 21.05.2015 um 09:56 Uhr
aktualisiert am 13.09.2017 um 15:46 Uhr

Für jede Ausgabe der Dewezet wird natürlich auch frisches Holz benötigt. Der Großteil jedoch ist Altpapier. Dana

Von: Svenja-A. Möller

Um zu erklären, wie viel Holz, wie viel Baum, in einer Ausgabe der Dewezet steckt, muss man allerdings zunächst den Prozess der Papierherstellung nachvollziehen. Vereinfacht erklärt: Um aus Holz Papier zu machen, müssen die geschälten Stämme in einer Art Häcksler zerkleinert werden. Die einzelnen Holzfasern, die dabei entstehen, werden dann mit Wasser zu einem Brei gemischt. Wird diesem das Wasser wieder entzogen und die Fasern in Form gepresst, ensteht Papier. Für die industrielle Verwendung wird der Holz-Brei auf schier unendlichen Bahnen getrocknet und dann auf eine Rolle gewickelt, die im Druckzentrum zum Einsatz kommt. Altpapier wird auf ähnliche Weise produziert.
 „Jede Holz-Faser kann bis zu sechsmal recycelt werden“, weiß Wilkesmann. Die Fasern einer Zeitung können ganz leicht sichtbar gemacht werden. Wilkesmann erklärt: „Reißt man der Länge nach ein Stück aus der Zeitung heraus, entsteht ein relativ gerader Schnitt. Denn man reißt mit der Richtung der kleinen Fasern. Reißt man jedoch die Zeitung quer ein, werden beim genauen Hinsehen einzelne kleine Zacken sichtbar.“ Diese Zacken sind die Holzfasern.
 Die Dewezet ist auf reinem Altpapier gedruckt – wirkliche frische Fasern sind nicht enthalten. Um genau zu sein: Es sind nur Fasern von Papier enthalten, die bereits ein-, zwei-, drei-, vier-, fünf- und sechsmal recycelt wurden. Bei einer durchschnittlichen Wochenausgabe mit 32 Seiten und 108 Gramm sind also jeweils 18 Gramm der verschieden oft recycelten Fasern enthalten. Am Beispiel der einfach recycelten Fasern: Bei einer verkauften Auflage von 30  500 Exemplaren (zusammen mit den Pyrmonter Nachrichten und der Nebenausgabe Bodenwerder der Dewezet) sind das rund 549 000 Gramm. Das sind umgerechnet rund 549 Kilo einfach recycelte Fasern.
 Für die Herstellung von Zeitungspapier eignen sich nicht alle Hölzer. „Nadelbäume sind besser geeignet als Laubbäume“, weiß Wilkesmann. Für die Herstellung werden meist Fichte, Lärche, Tanne oder Kiefer verwendet. Eine durchschnittliche Fichte wiegt waldfrisch 750 bis 850 Kilogramm pro Festmeter. Getrocknet sind das noch etwa 480 Kilogramm pro Kubikmeter. Die 18 Gramm einfach recycelte Fasern, die in einer Dewezet verarbeitet werden, entsprechen damit lediglich 0,00375 Prozent der getrockneten Fichte. Für eine Ausgabe muss also kein Baum gefällt werden, für die gesamte Produktion fällt hochgerechnet natürlich irgendwann auch mal ein Baum. Denn auch die recycelten Fasern waren irgendwann einmal Frischholz und damit ein Baum.
 In der Woche werden in der Druckerei in Hottenbergsfeld rund 75 Tonnen Papier verbraucht. „Fast jeden Tag kommt ein Lkw und bringt Papier. Pro Ladung sind das so 22 bis 23 Tonnen“, weiß der Betriebsleiter. Jährlich werden in der Druckerei rund 4000 Tonnen Papier verbraucht. Das sind laut Wilkesmann rund 4750 Tonnen Altpapier, also 100 Güterwaggons voll Altpapier. Papier, dass im Druckzentrum nicht mehr verwendet wird – Reststücke auf den Papierrollen oder fehlerhafte Exemplare – werden in einem 10-Tonnen-Container gesammelt und an ein Dämmstoffwerk im Harz weitergeleitet. Auch das Altpapier der Dewezet wird also wiederverwendet und nicht einfach entsorgt.
 Das Altpapier, das für die Dewezet verwendet wird, erhält die Druckerei von drei Lieferanten. Dabei haben zwei ihren Sitz in Deutschland, ein Lieferant kommt ursprünglich aus Skandinavien. Ohnehin käme viel Papier aus den nordischen Ländern, so Wilkesmann. „Dort gibt es einfach noch genug Frischholz“, erklärt Wilkesmann. Ebenso würde in diesen Ländern noch heute weniger recyceltes Papier für den Druck verwendet werden. Damit klärt Wilkesmann auch den Trugschluss, dass besonders helles Papier viele frische Fasern enthält, auf. „Papier ist immer grau. Das liegt an dem Stoff Lignin. Das skandinavische Papier enthält zum Beispiel zu einem Großteil Frischfasern, ist aber auch grau“, so Wilkesmann.
 Lignin oder auch Lignine ist ein farbloser, fester Stoff, der neben der Zellulose wichtigster Bestandteil des Holzes ist und für die Verholzung von Pflanzen verantwortlich ist. Ebenso ist der Stoff verantwortlich für die Vergrauung der Zeitung. Je weniger Lignin ein Zeitungspapier enthält, desto länger hält die Zeitung. Lignin ist sehr fest bis spröde und hell- bis dunkelbraun gefärbt. Zudem wird UV-Licht von dem Stoff fast vollständig absorbiert. Weiterhin sind Lignine hydrophob – also nicht wasserlöslich. Damit sind sie biologisch und auch chemisch schwerer abbaubar als andere natürliche Stoffe. Papier, egal, ob mit 100 Prozent Frischfaseranteil oder 10 Prozent Frischfaseranteil, ist immer bräunlich verfärbt. „Um es weiß zu bekommen, muss man die Fasern entweder öfter waschen oder chemisch behandeln. Man kann zum Beispiel Kreide darüberlegen“, erklärt Wilkesmann den Prozess. Und: „Natürlich wollen viele Hersteller ihr Papier immer heller haben. Dabei muss man aber auch immer den Aufwand und den Nutzen bedenken.“ Wird eine Faser länger und intensiver gewaschen, muss dafür auch mehr Energie verwendet werden, was wiederum zu einem höheren Energieverbrauch führt.
 Früher, so weiß Wilkesmann, sei in Deutschland nur wenig Altpapier für die Herstellung von Zeitungspapier verwendet worden. „Anfang bis Mitte der 90er setzte sich Greenpeace dann dafür ein, das Chlorbleichen zu stoppen und allgemein mehr Altpapier zu nutzen.“ Im Laufe der Jahre seien dann viele Papierfabriken gebaut worden – vorwiegend in Ostdeutschland. „Die befinden sich meist in Ballungsräumen wie Leipzig oder Berlin. Denn für die Herstellung benötigt man viel Wasser und eben das Altpapier.“ Das kann schnell und einfach aus den nahegelegenen Großstädten angeliefert werden.
 Übrigens kann der Lauf von Holz und Papier auch umgedreht werden. Zusammen mit einem niederländischen Design-Label hat die Niederländerin Mieke Meijer ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Altpapier ein Stoff entwickelt werden kann, der dem natürlichen Holz in vielerlei Hinsicht ähnlich ist. Für das sogenannte NewspaperWood – Zeitungsholz – werden alte Zeitungen fest aufgerollt und die einzelnen Lagen mit einem speziellen Leim verklebt. So entsteht Schicht für Schicht eine Art Baumstamm. Aus diesem können dann Bretter gesägt werden. Das Design-Label hat bereits erste Prototypen wie Möbel und Schmuck mit dem Papier-Holz hergestellt.



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