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Dewezet testet sieben Ankäufer

Wie viel „Silber“ gibt es in Hameln fürs Altgold?

Hameln. 2011 war das Jahr des Goldrauschs: Am 6. September erreichte der Goldpreis mit 1920 US-Dollar sein vorläufiges Allzeithoch. Mit dem Boom an der Börse schossen Goldankaufstellen wie Pilze aus dem Boden. Alte Ringe, Ketten und Uhren, die bereits Jahrzehnte in den Schubladen verstaubten, wurden zu „Silber“ gemacht, selbst Zahngold war entbehrlich. Heute, fast eineinhalb Jahre später, halten sich die Goldstuben nach wie vor, und auch andere Gewerbe weisen mit Aufstellern vor ihren Ladentüren auf das offenbar lukrative Zubrot des Altgold-Ankaufs hin. Wie viel aber bekommt man in Hameln eigentlich, wenn man seine Preziosen in Zahlung geben möchte? Die Dewezet hat‘s getestet.

veröffentlicht am 13.02.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:40 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Ausgestattet mit Objekten im Wert von rund 1000 Euro sind zwei Tester auf die Jagd nach dem besten Angebot gegangen. Denn: Der tagesaktuelle Börsenkurs ist nicht verbindlich, Händler dürfen auch weniger zahlen. Wie viel weniger, das galt es herauszufinden.

Bevor es losgeht, wiegt Michael Ruminski vom Eichamt Hannover unsere Testobjekte mit einer Feinwaage der Genauigkeitsklasse I aus – das heißt mit einer Genauigkeit von 0,01 Milligramm. Anhand der von Ruminski ermittelten Gewichte errechnen wir am Tage unseres Test den Wert der Stücke (38,84 Euro bringt ein Gramm Feingold zu diesem Zeitpunkt an der Börse):

Ein Ehering aus 750er Gold: 124,59 Euro.

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Diverse Schmuckstücke unterschiedlicher Reinheitsgrade (ein Ring, Ohrringe und zwei Ketten mit Anhängern; die Stücke sind aus unterschiedlichen Gold-Legierungen gefertigt und tragen teilweise eingefasste Schmucksteine): insgesamt rund 176,60 Euro.

Einen kleiner Barren aus 20 Gramm Feingold mit 999er-Einprägung: 776,72 Euro.

„Diese Werte können aber nur als Orientierung dienen“, klärt uns der Experte auf: Ohne die Steine aus den Schmuckstücken herauszubrechen, kann der tatsächliche Feingold-Gehalt nicht ermittelt werden. „Das liegt dann im Ermessen des Käufers, ob etwas oder wie viel vom Gesamtgewicht abgezogen wird.“

GoSiEMet am Berliner Platz: Die Ankäuferin in unserer ersten Anlaufstelle nimmt uns gegenüber an einem Tisch Platz, auf dem sie die mitgebrachten Gegenstände nach Feingold-Gehalt sortiert. Auf einer Waage außerhalb unseres Blickfeldes wiegt sie die Stücke anschließend, hinter einem von uns abgewandten Bildschirm tippt sie einige Minuten lang auf einem Taschenrechner herum und nennt uns schließlich die Ankaufsumme von 985 Euro. Für den Ehering allein könne sie 113 Euro zahlen, für den Goldbarren 720 Euro und für den restlichen Schmuck 152 Euro. Der Ankaufpreis errechne sich anhand eines täglichen Kurses, an dem nicht zu rütteln sei – Handeln sei daher zwecklos. Wie hoch oder niedrig dieser Tageskurs ist und ob es sich hierbei um den amtlichen Börsenkurs handele oder um einen anderen, erfahren wir nicht.

Onkels Trödelwaren in der Lohstraße: Bei unserer nächsten Anlaufstelle, einem Trödelladen wie aus dem Bilderbuch, bietet uns der Inhaber 962 Euro, 700 Euro davon für den Goldbarren, 106 Euro für den Ehering und 156 Euro für die übrigen Ketten, Ohrringe und Ringe. Zwischen alten Kristallspiegeln, Kaffeemühlen und unzähligen Tassen, Untertassen und Tellern sitzt der Inhaber hinter einem voll beladenen Schreibtisch, eine Waage mit gültigem Eichsiegel neben ihm. Er mache uns „den besten Preis“ der Stadt, sagt er – was auch daran liege, dass er für seinen Laden nur 150 Euro Miete im Monat zahle. Er wiegt die Gegenstände vor unseren Augen, rechnet den jeweiligen Feingold-Gehalt aus und verrät, dass er pro Gramm Feingold einen Preis von 35 Euro ansetzt: Vom aktuellen Tages-Goldpreis müsse er „zwei Euro pro Stück fürs Einschmelzen“ abziehen. Dementsprechen lässt der Herr auch nicht weiter mit sich handeln. Müsse er auch nicht: „Mehr bekommen Sie sowieso nirgends.“

Hamelner Leihhaus in der Baustraße: Bei unserer dritten Station fühlen wir uns zum ersten Mal an diesem Tag wirklich transparent beraten. Als wir unsere goldenen Mitbringsel auf der Ladentheke auspacken, weist der Herr hinter dieser uns darauf hin, dass er den Goldbarren nicht annehmen werde. „Den müssen Sie zur Bank bringen – die Banken kaufen Goldbarren zum Börsenkurs zurück, mehr als dort bekommen Sie nicht.“ Und in der Tat: Sowohl die Sparkasse Weserbergland als auch die Volksbank Hameln- Stadthagen nennen unabhängig voneinander einen Tagespreis von 776,70 Euro für den 20-Gramm-Barren, was dem Tages-Börsenkurs exakt entspricht. Noch besser sei es, so erfahren wir im Leihhaus, den Barren einfach zu behalten: „In den letzten 30 Jahren hat sich der Wert dieses Barrens fast verachtfacht.“ Für die übrigen Schmuckstücke bietet er 258 Euro, errechnet aus einem Schmelzkurs, den er dreimal täglich von der Scheideanstalt bekomme.

Goldjungs in der Emmernstraße: Den höchsten Preis des Tages bietet eine Ankäuferin in dem mit beleuchteten Vitrinen und lilafarbenen Samt-Stühlen ausgestatteten Laden: 1000 Euro könne sie uns bezahlen, 250 Euro für den Schmuck und 750 Euro für den Barren. Da der Laden einer Kette angehöre, könne sie „ganz ordentliche Preise machen“, jeden Tag bekomme sie einen Spielraum vorgegeben, innerhalb dessen gehandelt werden könne. „Die 1000 Euro sind aber schon an der Schmerzgrenze“, fügt sie auf die Frage, ob sich das Gebot noch nach oben korrigieren lasse, hinzu.

Heymann-Elektro in der Emmernstraße: In den An- und Verkauf für Elektronikgeräte lockt uns ein Aufsteller vor der Tür. Die Inhaberin begutachtet die mitgebrachten Stücke vor unseren Augen mit einer Lupe, sortiert sie nach Legierung – und will uns weismachen, dass es das 375er-Gold, aus dem einer der Ketten-Anhänger besteht, gar nicht gebe. „Das ist vielleicht nur vergoldet“, argwöhnt die Dame. Der Säure-Test zeigt dann aber: Das Gold ist echt, die Legierung existiert. Gewogen und gerechnet wird außerhalb unseres Sichtfeldes. Schließlich bietet die Inhaberin uns 823 Euro, 173 Euro für den Schmuck und 650 Euro für den Barren. „190 Euro für den Schmuck würde ich auch noch machen“, sagt sie auf Nachfrage – mehr als 840 Euro ginge aber wirklich nicht, sie müsse „das ja auch noch wegfahren“, zum Einschmelzen in der Scheideanstalt. Zudem habe sie die in die Schmuckstücke eingearbeiteten Steine vom Gewicht ja auch noch gar nicht abgezogen. Immerhin: Auch hier bekommen wir den Tipp, den Goldbarren zur Bank zu bringen und „den Rest vielleicht lieber zu einer Goldschmiede“.

Goldankauf Hameln in der Ritterpassage: „Unkompliziert, diskret, seriös“ heißt es auf einem Schild vor dem Eingang der Ritterpassage. Und vor allem: „Sofort Bargeld!“ Also nichts wie rein. In einem spartanisch eingerichteten Laden sitzt uns ein junger Mann gegenüber, „Goldankauf Hameln zu Tageshöchstpreisen“ prangt von Flyern, Visitenkarten und einem Plakat an der Wand. Dieser „Tageshöchstpreis“ ist dann tatsächlich mit Abstand der niedrigste, der uns geboten wird: 480 Euro bietet der Ankäufer für Schmuck und Goldbarren, etwas mehr als 14 Euro pro Gramm Feingold, wie er zwar nicht sagt, aber aus seinen Berechnungen hervorgeht. Die Scheideanstalt lege einen Tagespreis fest, der etwa drei Euro unter dem tagesaktuellen Börsenkurs für das Edelmetall liege. „Davon bezahlen die den Schmelzverlust und die Arbeiter.“ Und damit sich der Goldhandel auch lohne, müsse er auch nochmal „zwei, drei, vier Euro“ abziehen. Wie genau da aus einem Börsenkurs von annähernd 39 Euro 14 Euro werden, erklärt er nicht – und vertraut offenbar darauf, dass wir nicht rechnen können. Da für den Goldbarren jedoch keine Schmelzkosten entstünden, gebe er uns 20 Euro mehr: 500 Euro, das schlechteste Gebot des Tages.

Horstmannshoff in der Bäckerstraße: Für den letzten Test des Tages suchen wir einen alteingesessenen Hamelner Juwelier auf. Der kleine Goldbarren hat es bis zu diesem Zeitpunkt über sechs Ladentheken und auf sechs Waagen geschafft, ohne dass die Plastiklaminierung, die ihn umgibt, beschädigt wurde – wie es unser ausdrücklicher Wunsch ist. Nachdem er zusammen mit unseren anderen Goldgegenständen in dem Juweliergeschäft allerdings durch sechs Hände gewandert ist, verschwindet er im Keller – und taucht etwa zwanzig Minuten später mit zerstörter Schutzhülle wieder auf der Ladentheke auf. Das ginge nicht anders, erklärt der Ladeninhaber, er müsse die Echtheit des Barrens prüfen, von dieser Sorte seien viele Fälschungen in Umlauf. 850 Euro bietet er, 220 bis 230 Euro davon für den Schmuck. „Alles darüber ist unwirtschaftlich“, sagt er, es müssten ja auch noch das Einschmelzen und die Steuern bezahlt werden. Er selbst verdiene an diesem Geschäft 85 Euro, zehn Prozent also. „Wenn ihnen ein anderer 860 Euro bietet, gebe ich Ihnen auch 865 Euro, weil ich Sie leiden kann“, schiebt er hinterher.

Wer Omas Goldschmuck verkaufen möchte, ist mit etwas Flohmarkterfahrung sicher gut beraten – so lautet das Fazit unseres Gold-Tests. Besser noch: Basar-Erfahrung. Denn wer bereitwillig das erste Gebot annimmt, verkauft wahrscheinlich unter Preis. Zudem sollte man sich die Zeit nehmen, unterschiedliche Läden aufzusuchen und mehrere Angebote einzuholen. Denn die Ergebnisse der – zumeist eher willkürlich anmutenden – Wertschätzungen fallen sehr unterschiedlich aus. Bei unserem Test lagen die Gebote zwischen 500 und 1000 Euro – das entspricht immerhin 100 Prozent Preisunterschied in nur drei Stunden.

Wer Schmuck und andere Goldgegenstände in Zahlung geben möchte, braucht Geduld – und einen guten Geschäftssinn. Foto: Wal



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