weather-image
Mal bescheiden, mal ein Fest

Wie opulent darf die Einschulungsfeier sein?

HAMELN. Eine Rede, der Gottesdienst, die Zuckertüte und ein Foto. Vielleicht am Nachmittag noch ein gemeinsames Kaffeetrinken mit Großeltern, mit selbstgebackenem Kuchen. Das war Einschulung früher, im Fall der Autorin in den 1970er Jahren. Bei den Nachbarn war es auch nicht anders. Wann hat sich das eigentlich geändert?

veröffentlicht am 08.08.2018 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 08.08.2018 um 16:30 Uhr

Die Zuckertüte ist startklar und ebenso Luca Priesmeier: am Samstag beginnt die Schule. Die Familie feiert in kleinem Rahmen. Foto: Wal
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Fakt ist: Wenn am Samstag die Erstklässler eingeschult werden, ist das ein großer Tag. Ein Tag, an dem inzwischen oft die ganze Familie teilnimmt, inklusive Onkeln, Tanten, Großeltern, Paten, oft auch Freunden. Klammheimlich hat sich der Tag irgendwann im Laufe der letzten Jahrzehnte als Feiertag eingereiht und steht nun in einer Reihe mit Taufe, Konfirmation, Geburtstag, Abitur und so weiter.

Aber was ist angemessen? Essen gehen? Essen bestellen? Zuhause kochen? Muss das alles überhaupt sein?

Wenn es nach Vanessa Müller ginge, nicht. Monatelang hat sie hin und her überlegt. Der Alleinerziehenden hätte auch ein Mutter-Sohn-Tag im Rastiland gereicht, doch ihr Sohn Felix wollte gern die Familie, von der ein Teil hoch im Norden wohnt, zur Einschulung dabei haben. Auf der Gästeliste standen anfangs 35 Leute, die favorisierten Caterer-Angebote beliefen sich auf rund 700 Euro insgesamt. Zuviel entschied Vanessa Müller. Alles in allem koste sie die Erstausstattung so schon 800 Euro (Bücher, Materialien Ranzen, Inhalt der Zuckertüte, Klassengeld) die Feier nicht mitgerechnet. Die wird nun zu Hause ausgerichtet, ein Grillfest, bei dem die Familie mithilft. So kostet es nur 180 Euro. Ein paar haben inzwischen abgesagt, aber auch mit weniger Gästen wäre das Event mit Caterer für sie zu teuer geworden. Ein bisschen unter Zugzwang habe sie sich schon gefühlt: Schließlich haben einige eine lange Anreise, „und dann wird mehr erwartet, als der Vormittag in der Afferder Grundschule und in der Kirche.

Dass immer häufiger in festlichem Rahmen gefeiert wird, bestätigen Caterer wie Restaurants. Im Forsthaus Finkenborn beispielsweise sind für für Einschulungsfeiern am 11. August 169 Personen vorgemerkt, die sich auf neun Familien aufteilen. „Das hat sich gesteigert im Laufe der Zeit“, bestätigt Restaurantleitung Sema Harnan.

Auch beim Caterer Partyvogel in Hemeringen liegen regelmäßig Anfragen vor. Bestellt wird gern das Grillbuffet, das kalt-warme Buffet, und sogar der Streetfoodtruck, sagt Julia Seidel, Assistentin der Geschäftsleitung. Der durchschnittliche Preis pro Person beim Streetfoodtruck: 27 bis 35 Euro. Im Durchschnitt reservieren Familien für zwölf bis 20 Personen. Manchmal wird aber auch gefeiert, wie bei einer kleinen Hochzeit: „Wir mussten auch schon ein Zelt aufbauen, inklusive Grill, Zapfanlage und Stehtischen“, sagt Seidel. Geordert wurde für 50 Leute.

Ein so großer Rahmen käme für Nicole Priesmeier nicht infrage. Sohn Luca wird in Afferde eingeschult und zum Grillen kommt nach dem offiziellen Akt die engste Familie, insgesamt 12 bis 13 Personen. Überlegt, ins Restaurant zu gehen, habe die Familie schon, am Ende habe man sich für die praktische Variante im eigenen Garten entschieden. Grundsätzlich gehört die Einschulungsfeier für die 29-Jährige dazu. „Das war schon vor zehn Jahren bei meinem Neffen so“, sagt sie.

Auch beim Catering-Unternehmen Heuer in Hasperde sind am Wochenende 80 Prozent der Bestellungen für Einschulungsfeiern reserviert. „Die Feiern haben zugenommen“, sagt Janine Heuer, „ganz bestimmt“. Gefühlt besonders in den letzten fünf Jahren, sagt die Mutter einer Tochter, die ebenfalls am Wochenende eingeschult wird. Bei Heuers wird besonders gern das leichte, mediterrane Sommer-Buffet, zu dem Rinderfiletcarpaccio mit Rucola oder Gefüllter Mozzarella an Tomatenpesto gehören, geordert. Die Feier für Tochter Marlene wird eher in kleinem Rahmen gefeiert, nur die engste Familie, Mittagessen, das war‘s.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

Früher gab es eine Schultüte, ein paar warme Worte und ein Foto. Und wer es heute noch so machen möchte, oder nur einen schönen Tag mit dem Kind verbringen will, sollte den Mut haben, es durchzuziehen. Eine Feier ist zwar schön, aber baut sie nicht auch einen ziemlichen Erwartungsdruck auf?



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt