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Ungewöhnliches Format: „Die Elixiere des Teufels“ als Hörspielkonzert heute Abend im Theater

Wie Mitternacht bei Kerzenschein

veröffentlicht am 20.11.2015 um 18:05 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:29 Uhr

Wiebke Kanz

Autor

Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite

Herr Wiersich, „Die Elixiere des Teufels“ ist nicht gerade E. T. A. Hoffmanns bekanntester Roman. Warum haben Sie gerade dieses Werk für Ihr Programm ausgesucht – und worum geht’s?

In unserem ersten Programm haben wir uns „Dracula“ gewidmet, dann Edgar Allan Poe’s „Der Untergang des Hauses Usher“. Für das neue Programm habe ich in viele Geschichten reingelesen. Von E. T. A. Hoffmann kennt man ja einiges, aber „Die Elixiere des Teufels“ hat fast niemand gelesen. Ich selbst habe den Roman vorher nicht gekannt. Er hat mich aber gleich auf den ersten Seiten abgeholt. Er hat eine ganz einzigartige, unglaublich dichte Atmosphäre. Als Ausgangspunkt dient ein Kloster, in dem die Hauptfigur lebt. Die Geschichte ist unglaublich wendungsreich – so wendungsreich, dass sie bisher kaum jemand bearbeitet hat. Das war auch das größte Problem bei der Erstellung des Programms: die Geschichte aufführbar zu machen, an einem Abend, packend, nicht zu kompliziert.

Wie haben Sie es geschafft, einen so umfangreichen Roman in ein schlankes Stück für die Bühne zu packen?

Der Roman ist ähnlich verworren wie Ecos „Das Foucaultsche Pendel“, vieles muss man zwei- oder dreimal lesen, um die Verbindungen zu verstehen. Wenn man so einen Roman hat, denkt man zuerst: Das kriege ich sowieso nie aufgeführt. Weil er aber so toll ist, habe ich mir gedacht: Das muss doch irgendwie schaffbar sein. Wir haben den Roman immer wieder durchgelesen und nach und nach immer weiter reduziert. So haben wir das Ganze auf fünf Hauptpersonen zusammenschrumpfen können. Dazu möchte ich Ihnen noch eine kleine Anekdote erzählen: E. T. A. Hoffmann hat eine Zeit in Bamberg im Kapuzinerkloster verbracht. Dieses Erlebnis hat ihn dazu gebracht, „Die Elixiere des Teufels“ als eine Art religiöser Thriller zu schreiben. Der Roman spielt auch in diesem Kloster. Beim Verfassen des Textes für das Hörspielkonzert habe ich mir daran ein Beispiel genommen und selbst fünf Tage im Kloster verbracht. Dort habe ich das Stück vollendet.

Ist dieses Genre, das Hörspielkonzert, Ihrer Meinung nach gut geeignet, um schwierigen Stoff bühnentauglich zu machen?

Ja, da es sich um ein sehr reduziertes Format handelt – reduziert auf Erzählung, Musik und Beleuchtung. Mit diesen Mitteln erzeugen wir starke Bilder im Kopf, die haptisch nur schwer darzustellen wären.

Sie haben sich dem Mystischen, Gruseligen verschrieben?

Ja, das haben wir. Das ist es, was das Midnight Story Orchestra ausmacht. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das versucht, diese Atmosphäre – wenn man um Mitternacht bei Kerzenschein eine wahnsinnig spannende Geschichte erzählt bekommt – mit unseren Geschichten und mit unserer Musik zu erzeugen.

Wie schaffen Sie das?

Wir haben einen Erzähler, Dr. Jasper Paulus, den ich schon sehr lange kenne. Wir haben vor vielen Jahren verschiedene kleine Theatersachen zusammen gemacht – und da ist mir aufgefallen, dass er wahnsinnig gut in verschiedene Figuren schlüpfen kann. Er kann auch Frauen sprechen, ohne, dass es albern klingt. Er gibt jeder einzelnen Figur eine eigene Klangfarbe, eine ganz eigene Mimik und Gestik. Die Musiker spielen vor allem Musik, die die Geschichte illustriert – es kommen aber auch immer wieder exponierte Stücke, in denen unser Sprecher abgeht und in denen die Musik die Hauptrolle übernimmt. Deshalb nennen wir das, was wir machen, auch Hörspielkonzert – weil es eben beides ist.

Haben Sie die Musik für das Stück selbst komponiert?

Ja, alles ist komplett selbst komponiert. Natürlich versuchen wir, gewisse Anleihen zu nehmen. „Die Elixiere des Teufels“ ist 1815 erschienen – wir haben versucht, Stücke zu schreiben, die in diese Zeit passen. Wir haben aber auch Anleihen aus der Gregorianik genommen, diese aber ziemlich eigenwillig verarbeitet. Zum Beispiel haben wir ein gregorianisches Thema komponiert, das wir in einen Kontext führen, der sich eher nach Dancefloor anhört. (lacht)

Es gibt Lesungen, die davon leben, dass Autoren selbst lesen – und daher aufgrund der Prominenz attraktiv sind. Es gibt es Hörspiele, die man aber eher hört, als sie sich im Theater anzusehen. Sie machen so ein Mittelding. Das ist neu.

Genau. Das war aber eigentlich gar nicht der Antrieb. Wir wollten nicht auf Teufel komm raus etwas machen, das noch niemand gemacht hat. Ich selbst habe schon immer irgendwo zwischen Literatur und Musik gearbeitet, und so ist irgendwann das Konzept des Hörspielkonzertes entstanden. Erst später wurde uns klar, dass es diesen Begriff bis dahin noch gar nicht gab.

Was befindet sich, außer Orchester und Erzähler, noch auf der Bühne? Gibt es ein Bühnenbild?

Es gibt kein Bühnenbild, das Bühnenbild soll im Kopf entstehen. Anstelle des Bühnenbildes tritt eine sehr gut abgestimmte Beleuchtung. Licht und Musik illustrieren die Erzählung.



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