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Kinderschutzbund gibt Tipps

Wie man mit Kindern über sexuellen Missbrauch redet

HAMELN-PYRMONT. Über sexuellen Missbrauch an Kindern zu reden, fällt schwer. Darüber auch noch mit Kindern zu reden, löst bei manchen Eltern bleiernes Unwohlsein aus – Angst, Scham, persönliche Erfahrungen können hemmen, notwendige Aufklärung zu betreiben. Wir haben beim Kinderschutzbund nach Tipps gefragt - und auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt Empfehlungen.

veröffentlicht am 07.02.2019 um 16:28 Uhr

Ein vertrauensvolles Verhältnis ist die beste Basis für die Eltern-Kind-Beziehung. Das Wissen des Kindes um seine eigenen Rechte, ein gutes Gespür für die eigenen Grenzen und die Fähigkeit, Nein zu sagen sind ebenfalls wichtig. Foto: Bilderbox
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Der Fall „Elbrinxen“ bewegt Familien, die nach Antworten suchen: Kann ich mein Kind überhaupt davor schützen? Wenn ja, wie? Was gebe ich ihm mit auf den Lebensweg, damit es sich gegen sexuelle Übergriffe wehren kann oder damit es sich traut, zu sprechen, sollte ihm dennoch jemand zu nahe treten?

„Viele tabuisieren das Thema“, weiß Monique Grupe vom Team der Gewaltberatungsstelle, die beim Kinderschutzbund Hameln angesiedelt ist. Um die Hemmschwelle, zu reden und sich Hilfe zu holen, niedriger zu halten, richtet sie mit ihren Kollegen eine zunächst auf vier Mal ausgelegte wöchentliche Sprechstunde in Bad Pyrmont ein.

Sie nimmt die Erwachsenen in die Pflicht: Wenn ein Kind fragt, „müssen wir ihm Antworten geben“. Ausweichende Sätze wie „dafür bist du noch zu klein“ helfen nicht. Und wenn ein Kind nicht fragt? Dann komme es darauf an, einen guten Moment abzupassen, um das Thema anzusprechen. „Einfach so aus dem Nichts am Tisch – wir müssen mal reden“ – davon hält sie wenig, auch, um nicht Angst zu schüren. Dennoch: Jungen und Mädchen aufzuklären, über Liebe, über Sexualität, über ihre Rechte und über Risiken, „die ihnen im Alltag begegnen können“, gehört dazu, wenn Erwachsene den Grundstein für die Entwicklung einer „selbstbewussten und starken Persönlichkeit“ legen wollen, macht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) deutlich.

Kinder und Jugendliche können sich nicht selbst helfen.

Monique Grupe, Diplom-Pädagogin

Kindern beizubringen, dass sie mit Fremden nicht mitgehen und von ihnen nichts annehmen sollen, ist schnell gesagt. Dass ihr Körper ihnen gehört, ist nicht nur ein auszusprechender Satz, sondern eine Überzeugung, für die die Basis schon im Säuglingsalter gelegt wird, wie die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Hameln, Elisabeth Beerbom-Schönig, schildert. „Wie gehe ich mit einem Säugling um? Wann darf der Arzt wo untersuchen und wie macht er das?“ – das sind Erfahrungen, die auch Kleinste prägen. Kinder schon früh entscheiden zu lassen, dort, wo sie entscheiden können, auch „das Nein eines Kindes zu akzeptieren“, so Grupe, ohne das infrage zu stellen, sind elementare Verhaltensweisen, die helfen, ein Kind stark zu machen. Auch der Unterschied zwischen „guten Geheimnissen und schlechten Geheimnissen“ will früh verinnerlicht sein. Gute Geheimnisse können Kinder gut für sich behalten, die schlechten, die ihnen jemand unter Drohung aufbürdet, trauen sie sich hoffentlich zu erzählen. Als Voraussetzung für souveränes Verhalten zählt auch, zu wissen, welche Rechte sie als Kinder haben und welche Verhaltensweisen Kindern gegenüber schlichtweg verboten sind.

Jungen und Mädchen eine Sprache geben, damit sie überhaupt in der Lage sind, Worte für etwas zu finden, was ihnen komisch vorkommt und sich nicht gut anfühlt, was sie nicht wollen, muss früh anfangen. Dazu gehört, die Dinge beim Namen zu nennen, mögen sie für manchen auch schambehaftet sein: „Penis, Hoden, Scheide und Klitoris. Im Sinne der Prävention wirken Sie so einer – möglicherweise ungewollten – Tabuisierung entgegen“, rät die BZgA. Auch Begriffe für Gefühle zu finden, ist wichtig: Scham, Trauer, Liebe, Wut, Schuldgefühle als Beispiel.

Andererseits, findet Monique Grupe, „müssen Kinder gar nicht für alles Worte haben“ – wenn sie sich verändern, wenn es ihnen nicht gut geht, ist es Aufgabe der Erwachsenen, hinzugucken und zu hinterfragen, welche Ursachen das haben könnten. Eine Liste mit Symptomen, anhand derer sich erkennen ließe, ob ein Kind sexuellen Missbrauch erlebt haben könnte, gibt es nicht, dafür sind die Reaktionen zu unterschiedlich.

„Vertrauen und Bindung“, so Beerbom-Schönig, sind die Basis für eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung, in der das Kind alles erzählen kann – „auch dann, wenn es glaubt, etwas Verbotenes getan zu haben“, führt die BZgA aus. Eines macht die Bundeszentrale wie auch Monique Grupe deutlich: „Kinder können sich nicht selbst helfen!“ Sie brauchen jemanden, der sich für sie einsetzt und der den Mut hat, den Mund aufzumachen und im Notfall den Weg durch den Behördendschungel mitgeht. Und wenn der Täter in der Familie sitzt und eben jene Person sein sollte, der das Kind vertraut? Dann kann der Kinderschutzbund zum Ansprechpartner werden (auch anonym), ein/e Vertrauenslehrer/in oder ein/e Erzieher/in.

„Die Prävention von sexuellem Missbrauch ist kein einmaliges Projekt, sondern eine alltägliche Haltung, die unseren Kindern zeigt, dass sie uns wichtig sind“ – so fasst es die Broschüre „Trau dich!“ von der BZgA zusammen. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes gibt Erwachsenen fünf Begriffe als Leitfaden mit: Wissen, Offenheit, Aufmerksamkeit, Vertrauen, Handeln.

Information

Sprechstunde

Die Gewaltberatungsstelle des Kinderschutzbundes Hameln bietet am Freitag (8. Februar) und zunächst an den kommenden drei Freitagen jeweils von 9 bis 11 Uhr eine Sprechstunde in Bad Pyrmont in der Villa Winkelmann, Humboldtstraße 30 an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.



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