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Manfred Arendt erzählt, worauf es bei Naturfotografie ankommt / Ausstellung im Infocenter verlängert

Wie man einer Schwebfliege zu Leibe rückt

Hameln. Mal ist es der sezierende Blick in das Innenleben einer Frühlingsblüte, mal das impressionistische Flirren eines Lerchensporn-Teppichs, mal das Leuchtfeuer eines Herbstwaldes, mal das filigrane Geflecht aus Ästen und Beeren im Schnee – Manfred Arendt hält den Zauber der „Vier Jahreszeiten“ mit seiner Kamera fest. Seit April schon ist diese Ausstellung im Infocenter zu sehen. Jetzt wurde sie bereits zum zweiten Mal verlängert. Bis Ende August können sich Hobby-Fotografen hier noch Anregungen holen. Das Interesse ist gewaltig – Naturfotografie boomt. Aber nicht jedem gelingen so schöne Fotos wie Manfred Arendt. Der Autodidakt und ehemalige Lehrer verrät, worauf es bei der Naturfotografie ankommt.

veröffentlicht am 30.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Herr Arendt, was hat bei Ihnen die Liebe zur Fotografie geweckt?

Der erste Anstoß kam eigentlich schon in der Schulzeit, durch meinen Kunstlehrer Hans Düne. Er stellte zwar fest, dass ich nicht malen kann, lehrte mich aber hinzuschauen, auf Dinge zu achten, auf die man sonst nicht achtet. Durch ihn habe ich ein Gespür für Kunst entwickelt und habe das Staunen gelernt.

Ist Kunstgespür wichtig für Naturfotografie?

Talent ist wichtig. Und man muss ein Auge haben für Dinge und Details. Das kann man auch trainieren.

Wie findet man denn die richtigen Motive?

Das meine ich ja: Sie liegen vor der Tür. Man muss nur den Blick dafür entwickeln. Fast alle 80 Fotos, die in meiner Vier-Jahreszeiten-Ausstellung zu sehen sind, wurden in meinem unmittelbaren Umfeld aufgenommen. Jeder kann vor seiner Haustür kleine Paradiese entdecken. Wenn ich mein Leben als pointilistisches Bild sehe, dann sind die meisten Punkte grau – eben der Alltag. Aber es gibt auch goldene Tupfer darin, die man sammeln kann. Klar, diese goldenen Punkte erlebt man auch ohne Fotoapparat, aber mit Kamera kann man noch ganz andere Details herausholen. Und man hat etwas in der Hand, das man sich immer wieder ansehen oder anderen zeigen kann.

Mit welchen Motiven fängt man denn an?

Mit Pflanzen, Blumen, Zweigen, Baumwurzeln – eigentlich mit allem, was nicht weglaufen kann. Und man schult so sein Schauen und Staunen. Ich bin zum Beispiel über das Mohnblumenfeld eines Nachbarn zu einem zweiten Schritt des Schauens gekommen, habe in Mohnkapseln das Bizarre entdeckt, Strukturen wahrgenommen. Knospen am wilden Wein wurden dann zu Vogel-Spezies und eine verblühte Magnolie nahm die Gestalt eines tirilierenden „Pipus Magnolius“ an.

Das hört sich fast ein bisschen an wie Wolkenbilder deuten

Ja, man sieht plötzlich Gesichter in Bäumen, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Strukturen entwickeln ein Eigenleben. An der See fotografiere ich zum Beispiel gern Strandgut, Steine, Algen.

Die halten ja auch still. Wie aber sieht das bei Tieren aus?

Da braucht man vor allem Geduld. Sehr viel Geduld. Wenn man einen Frosch mit Schallblasen erwischen will, muss man warten können. Oder nehmen Sie eine Libelle. Die kehrt nämlich zu der Blüte, an der man sie schon einmal gesehen hat, wieder zurück. Da zahlt sich Geduld aus. Und wenn man einer Schwebfliege mit Teleobjektiv auf den Leib rückt, sieht man erst, wie wunderschön sie ist.

Wie wichtig ist denn das Equipment für Naturfotografie?

Eigentlich braucht man nur sehr wenig. Mit einer einfachen Ausrüstung kann man schon Ergebnisse erzielen, die Freude machen. Ich selbst benutze eine digitale Spiegelreflex-Kamera, die nicht zu den teuersten zählt. Bei Tierfotos ist aber ein Teleobjektiv sinnvoll. Damit fotografiere ich auch Dinge, die eigentlich nah genug sind, denn dann bildet der verschwimmende Hintergrund den Rahmen für das Objekt und erhöht dessen Reiz.

Für einen schönen Effekt wird sicher auch mal ein bisschen geschummelt …

Nein, ich mogele nicht. Bei meinen Fotos wird nichts überarbeitet oder wegretuschiert. Allerdings wähle ich den Bildausschnitt mit Blick auf die Wirkung. Gegen Verfremdungseffekte ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber sie sollten dann als solche auch klar zu erkennen sein.



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