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Wie junge Häftlinge auf die Freiheit vorbereitet werden

veröffentlicht am 03.08.2010 um 14:15 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Die 41-Jährige, die normalerweise an der Deutschen Angestellten Akademie in Hannover Unterricht in Hauswirtschaftslehre erteilt, gibt hier einen Kurs für Jugendliche in Untersuchungshaft. Sechs junge Männer sollen auf ein selbstständiges Leben nach der Haft vorbereitet werden. Die Themen reichen „vom Knöpfe annähen, über das Kochen bis hin zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld", sagt die Lehrerin. Bereits seit drei Jahren arbeitet Sabine Wallbaum mit straffällig gewordenen Jugendlichen in Hameln. Für ihren Meisterlehrgang hat sie ein Konzept entwickelt, dass „die Grundlagen des eigenverantwortlichen Lebens innerhalb von einer Woche vermitteln soll".
Anfang 2011 wird sie ihre Meisterprüfung ablegen und muss dann ihr Arbeitsprojekt vorstellen. Nach Abschluss der Prüfungen möchte Sabine Wallbaum gerne weiter in der Jugendanstalt arbeiten.
Für die Hauswirtschafterin ist Angst im Umgang mit den Jugendlichen kein Thema. „Auch meine Familie hat mich von Anfang an unterstützt", sagt die Mutter von drei Kindern. Dietmar Müller, der derartige Projekte in der Jugendanstalt koordiniert, weiß, warum sich Sabine Wallbaum keine Sorgen zu machen braucht: „Die Jungs hier sind dankbar für jede Abwechslung. Alles ist besser, als den Tag über in der Zelle zu sitzen. Dass sich jemand aus freien Stücken mit ihnen beschäftigt, macht Frau Wallbau bei den Gefangenen zu einer sehr beliebten Person."
Der einwöchige Kurs in der Schulküche der Anstalt beinhaltet sowohl theoretische, als auch praktische Teile. Kochen steht ganz oben auf dem Plan. Für den Kurs werden nur die Häftlinge ausgewählt, die bereits in anderen Bereichen durch ihre Mitarbeit positiv aufgefallen sind.
Die Jugendlichen bereiten täglich ihr Mittagessen vor und lernen dabei verschiedene Garmethoden, den Umgang mit Zutaten und verschiedene Zubereitungsmethoden kennen. „Besonders das Teamwork ist super", sagt der 18-jährige Patrick. „Von mir aus könnte der Kurs noch ein paar Wochen weitergehen." Ein Punkt ist für die Kursleiterin von besonderer Wichtigkeit: „Wir müssen den Jungs klarmachen, dass selber Kochen günstiger und gesünder ist, als sich nur von Fast Food zu ernähren." Dieser Punkt taucht in der Theorie beim Thema Haushaltsbuch wieder auf.
Die Resonanz der Häftlinge auf den Kurs sei durchweg positiv. „Viele der jungen Männer möchten nach der Haft ein Praktikum oder eine Ausbildung zum Koch oder Konditor machen", sagt Dietmar Müller. Es sei der Arbeit von Sabine Wallbaum zu verdanken, dass die Häftlinge mit einer beruflichen Perspektive und der Fähigkeit sich selbst zu versorgen in die Freiheit entlassen würden. „Ich will nach der Haft auf jeden Fall ein Praktikum beim Konditor machen", sagt der 20-jährige Jörg, der von den anderen Kursteilnehmern für seine Kuchen gelobt wird.



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