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Unbekannte entreißen Schwerstbehindertem seine geliebte Nationalflagge / Weißer Ring hilft

„Wie hier gehandelt wurde, ist grausam“

Hameln (CK). Viele Jahre hat Benno R. – er ist geistig behindert – im Dr. Wolf-Wigand-Haus in Lauenstein gelebt, einer Einrichtung für Menschen wie ihn. Um den 53-Jährigen kümmert sich seit etwa 15 Jahren ein gerichtlich bestellter Betreuer, nämlich der Hamelner Walter Klemme. Und weil Benno R. zwar einiges allein kann, aber weder Lesen noch Schreiben beherrscht und in seinem Alltag auf Unterstützung angewiesen ist, hat Klemme ihn irgendwann nach Hameln geholt. Seitdem lebt sein Schützling in der Friedrichstraße 1, in einer betreuten Einrichtung der Lebenshilfe. Und besucht immer donnerstags seinen Betreuer in dessen Büro. Doch was er ihm kürzlich völlig verstört berichtete, das hat den Kommunalpolitiker Klemme – er ist Ratsvorsitzender in Hameln – geradezu aufgebracht.

veröffentlicht am 26.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 02:41 Uhr

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Während der Fußball-Europameisterschaft, so Klemme, habe sein Mündel, das sich durchaus allein in Hameln orientieren könne und auch hin und wieder ein Café besuche, sich ein Spiel im Jugendzentrum Regenbogen angesehen, gemeinsam mit vielen Jugendlichen. Aus diesem Anlass hatte Benno R., den Klemme als „durch und durch liebenswert“ bezeichnet, sich eigens kostümiert und mit einer Deutschlandfahne ausgerüstet, um seiner Mannschaft die Daumen zu drücken. Doch auf dem Heimweg zur Wohnung in der Friedrichstraße geschah es dann: Benno R., so hat er es im Nachhinein seinem Betreuer geschildert, wurde von zwei jungen Männern, der eine groß, der andere klein, massiv angegangen. „Gib uns deine Fahne, sonst machen wir Dich platt. Wir stechen Dich ab“, soll einer der Männer dem verängstigten Behinderten gedroht haben. Der Große habe ihn dann festgehalten und ihm schließlich die Fahne entrissen. Beide Männer hätten ihn noch ausgelacht und seien dann mit ihrer Trophäe verschwunden, so der völlig verunsicherte Behinderte, der am Boden gelegen haben will, gegenüber Klemme.

Der wollte den Vorfall nicht auf sich beruhen lassen und ging mit seinem Schützling zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Nicht ohne ihm noch einzuschärfen, künftig nicht mehr allein zu solchen Veranstaltungen zu gehen, sondern ihn vorher anzurufen. „Das war zwar kein Riesenschaden, aber hier muss man ein Zeichen setzen, wenn sich jemand an einem Arg- und Wehrlosen vergreift“, sagt er.

Und auf der Polizeiwache habe man den Vorfall durchaus ernst genommen, so Klemme mit Genugtuung. Der Beamte, der die Anzeige aufgenommen habe, sei nicht nur sensibel mit Benno R. umgegangen, sondern habe darüber hinaus auch den Weißen Ring, eine Opferschutzorganisation mit einer Außenstelle in Hameln, informiert.

Und deren Leiter Christian Jahn-Pabel handelte rasch und unbürokratisch. Er stellte den Kontakt mit Betreuer Klemme her und besorgte eine neue, größere Nationalflagge mit einer Ausdehnung von 50 Zentimetern mal einem Meter inklusive Stange und überreichte sie dem überglücklichen Benno R. „Wie hier gegenüber einem Schwerstbehinderten gehandelt wurde, das ist grausam“, sagt er. Jahn-Pabel, der in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit sonst eher die „schweren“ Fälle behandelt: „Es geht hier nicht um die Summe, aber es geht juristisch um einen Raub. Und da wollten wir uns mit einer Geste der Menschlichkeit engagieren.“ Zum Glück, so sagt er, sei das Netzwerk mit der Polizei ausgesprochen gut.

Überglücklich: der behinderte Benno R. mit seiner neuen Nationalflagge. Der Weiße Ring hat sie ihm geschenkt. Foto: Wal



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